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Guthabenkarte für Strom, Gas und Wasser könnte säumige Zahler vor sozialer Katastrophe schützen
Elegante Lösung für alle Seiten

Guthabenkarte für Strom, Gas und Wasser könnte säumige Zahler vor sozialer Katastrophe schützen: Elegante Lösung für alle Seiten
Versorgungstechniker Detlef Poullie schlägt eine Prepaid-Lösung vor, wenn Kunde und Versorger im Rechtsstreit liegen. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach . Immer wieder werden Verbraucher durch Sperrung von Wasser, Strom und Gas abgeschnitten. Im jüngsten bekannt gewordenen Fall blieben mehrere Familien wochenlang unverschuldet ohne Gas und Wasser, weil der Vermieter die Nebenkostenrechnung nicht beglichen hatte. Soweit muss es nicht kommen, sagt Versorgungstechniker Detlef Poullie. Mit einem Prepaid-System könnte bei Rechtsstreitigkeiten eine Lösung gefunden werden, mit der Versorger und Kunde leben können. Von Ulrike Mooz

Es gibt sie auf Campingplätzen und in Ferienhäusern, in Studentenwohnheimen und in der kleinen Gemeinde Völklingen im Saarland - im Einzugsbereich der NEW gibt es die Prepaid Karte für kontrollierten Energieverbrauch nicht. Dabei könnte die immer dann, wenn der Versorger - aus welchen Gründen auch immer - mit den säumigen Zahlern unter seinen Kunden im Clinch liegt, für eine Lösung sorgen, die für alle Seiten akzeptabel sei, sagt Detlef Poullie, Dozent für Versorgungstechnik und seit vielen Jahren als Berater in Energiefragen für RTL, den WDR und Extra-Tipp unterwegs. "Wenn die NEW Kunden hat, die nicht mehr regelmäßig zahlen, könnte sie denen eine Prepaid- Wasser-, Gas- oder Stromuhr einbauen, solange, bis die Angelegenheit geklärt ist", sagt er.

Strom, Gas und Wasser per Guthabenkarte funktioniert genauso, wie ein Prepaid-Handy: Der Kunde kann nur soviel verbrauchen, wie er auch bezahlt hat. Die Karte könnte er gegen Bares bei der NEW aufladen lassen. So kämen alle Seiten um eine Sperrandrohung, und damit menschenunwürdige Situationen ohne Wasser und Energie, herum. Und schon bevor sich Schubladen voller unbezahlter Rechnungen bilden, könnte die NEW der Energiearmut des Kunden einen Riegel vorschieben. "Das wäre sozial und christlich", findet Poullie.

Die Bezahlung des örtlichen Versorgers mit Prepaid-System ist keine Neuerfindung, sondern vielmehr ein alter Hut, der zum Beispiel in England längst Standard ist. Dass sie als Variante für Notsituationen die NEW nur ein Taschengeld kosten würde, hat Poullie bereits ausgerechnet. Zusatzzähler, mit denen man den normalen Zähler aufrüsten kann, kosten nur rund 30 Euro, die Software, mit der der Versorger das Ganze bedienen kann, koste einmalig zwischen 500 und 600 Euro, das Einrichten einer Guthabenkarte etwa 50 Cent pro Stück, so Poullie. Schätzungsweise zehn solcher Prepaid-Systeme sollte ein Versorger für Notfälle in Reserve haben, sagt Poullie. "Es wäre schön, wenn sich zum Beispiel die Verbraucherberatung, die ja mit im Kundenbeirat der NEW sitzt, für die Einführung solcher Systeme stark machen würde", sagt er.

(Report Anzeigenblatt)