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Aus einer Gruppentour wurde eine Einzelfahrt: Gladbacher radelte über die Alpen
Er mag’s, wenn es bergab geht

Mönchengladbach (um). Der Mönchengladbacher Helmut Frerker ist von Lindau am Bodensee 320 Kilometer über die Alpen bis zum Comer See geradelt - einfach nur so. Von Ulrike Mooz

In Serpentinen bergab mit 70 Sachen ins Tal, das ist sein Ding. Doch so ein radfahrerisches Schmankerl muss man sich erarbeiten, findet Helmut Frerker - mit quälend langgezogenen 8 bis 9-Prozent-Steigungen bis auf gut 2 200 Meter.

320 Kilometer ist der 57-jährige insgesamt in drei Tagen von Lindau am Bodensee hoch bis auf den Julierpass und wieder runter bis zum Comer See mit dem Rennrad gefahren - keine sensationelle Strecke für einen geübten Vereinsradfahrer, aber doch hart wegen der über 4 200 Höhenmeter.

„Auf einem Geburtstag kam die Idee auf, wir könnten doch mal zu mehreren in die Alpen fahren“, sagt Helmut Frerker. „Wir“ das waren Frerker und sechs Mitstreiter. „Aber das war wie bei den zehn kleinen Negerlein“, sagt er, nach und nach sind alle wieder abgesprungen - auch sein Frau. Geplant war eigentlich eine Gruppenfahrt mit einem Veranstalter, der die Hotels reserviert und das Gepäck transportiert. Übrig geblieben ist Helmut Frerker, der sich abends seine Bleibe selber gesucht hat und mit Minimalgepäck auf dem Rücken die Kilometer gemacht hat. Eine Hose, ein Trikot zum wechseln, Regenzeug, Schuhe, Unterwäsche, Zahnbürste Minitube Sonnencreme - mehr braucht man nicht, findet Helmut Frerker. Kilos sparen war die Devise, kein Pfund zuviel mit auf die schweißtreibende Tour mit dem sieben-Kilo-Rennrad nehmen.

Erste Etappe war von Lindau 110 Kilometer bis Lenzerheide in der Schweiz. „Bis Chur war es ganz flach“, sagt Helmut Frerker. Aber dann sei es auf 1 500 Meter hoch gegangen. Der zweite Tag war der schlimmste von den dreien. Von Lenzerheide bis Silvaplana waren es zwar „nur“ 70 Kilometer, aber es ging die ganze Zeit bergauf. „Zweimal habe ich gedacht, ich wär schon oben und dann ging es doch noch weiter“, sagt Frerker. Der zweite Tag war auch der, an dem der Regen kam. Gerade, als Helmut Frerker sich ein Päuschen für die Kohlenhydratzufuhr gegönnt hatte, fing es richtig an zu schütten. Da ist dann auch schonmal bei Höhen über 2 200 Meter die Luft ein bisschen knapp geworden.

Frerker, Mitglied im Radsportclub RSC Blitz Schiefbahn, hatte die Monate vorher auf seinen „Ausflug“ in die Berge zu trainiert. „So ein bis zweimal pro Wochenende bin ich 80 bis 120 Kilometer gefahren“, so Frerker, der Stoffwechsel müsse sich umstellen und Muskelkater dürfe auch kein Thema mehr sein, wenn man sowas macht.

Am dritten Tag dann kam Frerkers „Belohnung“. Mit 70 Stundenkilometern ist er rund 45 Kilometer den Malojapass runter. „Da kann man nur noch im Kreis grinsen“.

Warum er überhaupt ausgerechnet die Alpen zum Radfahren ausgesucht hat? Abwechslung vom Alltag als Vermögensberater, die Herausforderung und außerdem sei bergauf fahren immer noch besser, als bei Gegenwind, denn der höre ja nicht auf, findet Frerker. Die Steigung dagegen sei ja irgendwann zu Ende. „Ich mag’s wenn es bergab geht. Eigentlich bin ich nämlich faul“.

Nächstes Jahr will Helmut Frerker nochmal versuchen, eine Gruppe zusammen zu kriegen. Wenn es wieder nicht klappt, fährt er eben nochmal allein, sagt er.

(Report Anzeigenblatt)