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Für den „tierischen“ Notfall

Für den „tierischen“ Notfall
„Der Verband gefällt mir, dafür gibt es ein Küsschen“, denkt sich „Statisten-Hund“ Kraus. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Wir alle mussten ihn spätestens bei der Führerschein-Prüfung machen – den Erste Hilfe Kurs. An sich nichts Außergewöhnliches, doch was, wenn im Kurs kein Mensch, sondern ein Hund wiederbelebt wird? Extra-Tipp Volontärin Gina Dollen hat das mal ausgetestet. Von Gina Dollen

Ich muss zugeben, ich hatte vorher noch nie davon gehört, dass es einen Erste Hilfe Kurs für Hunde gibt. Umso überraschter war ich, als ich von dem Angebot des Hundezentrums Mönchengladbach hörte. Was man da wohl lernt? Und muss ich da meinen Hund per Mund-zu-Mund-Beatmung wiederbeleben?

Mit diesen Fragen im Kopf komme ich am Samstagmittag in der Tierarzt Praxis Claus Meyer an. An der gegenüberliegenden Seite des Raumes steht bereits eine Behandlungsliege, Tierärztin Melanie Reimer legt Verbände und Scheren bereit und „Statisten-Hund“ Kraus stellt sich wohl gerade innerlich schon auf seine „Opferrolle“ ein.

Zu Beginn steht erstmal Theorie an. Melanie Reimer erklärt ruhig und verständlich, warum Hunde keine Rosinen essen sollten, dass Alkohol bitte nicht als Desinfektionsmittel genutzt wird oder was alles in eine gute „Hunde-Heim-Apotheke“ gehört. Klar, das ein oder andere kennt man schon, wo ich aber den Puls bei meinem Hund messe, wusste ich vorher nicht. Suchend taste ich die Innenseite des hinteren Oberschenkels von Kraus ab. Im ersten Moment vergebens und als ich schon fast der Überzeugung bin, dass Kraus ein Wunderhund ohne Puls ist, fühle ich ein ganz leichtes Pochen – gefunden!

Immer wieder erzählt Reimer kleine Anekdoten und lockert die Stimmung mit Späßchen auf. „Es war wirklich richtig informativ und lustig“, findet das Ehepaar Reimers später. Sie haben selber zwei Hunde und wollten ihr Wissen auffrischen.

Dann geht es an den Praxisteil. Ich freue mich schon, als die bunten Verbände mit Sternchen und Herzchen rausgeholt werden. Geübt wird ein Pfotenverband – nicht ganz so einfach wie ich dachte. Zuerst kommt Watte zwischen die Zehen, damit auch bloß nichts reibt, dann eine Schicht Mull drüber. „Die macht das Ganze erst zu einer schönen Klumppfote“, scherzt Reimer. Zum Schluss rundet der selbstklebende bunte Verband das Kunstwerk ab. Gar nicht so schlecht für den ersten Versuch.

„Das hier dient vor allem als Anstoß, sich mit dem Thema näher zu befassen. Vieles wissen die Leute schon, andere Sachen sind auch für alte Hasen neu“, betont Melanie Reimer.

Die Idee zu dem Seminar entstand bei Kursen des Hundezentrums. „Manchmal kann ich den Kunden einfach keine Antwort geben “, berichtet Trainerin Daniela Schramm.

Nach knapp zwei Stunden bin ich um einiges schlauer, weiß jetzt, dass ich meinen Hund per „Mund-zu-Nase“ wiederbeben muss und bin froh, dass es solche Kurse nicht nur für Menschen, sondern auch für den besten tierischen Freund gibt.

(Report Anzeigenblatt)