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Familienpaten bekommen viel zurück

Familienpaten bekommen viel zurück
Weitere Familienpaten suchen (v.l.) Wolfgang Mahn (Pfarre St. Vitus), Schulleiterin Rita Paderhuber, die Familienpatinnen Heidi Bolten und Jana Seebald, Walburga Iseken (Caritasverband) und Svenja Kallies (ÖJE). Ein Informationsabend findet am 11. Oktober statt. FOTO: Pfarre St. Vitus
Mönchengladbach. 20 Familien mit mehr als 40 Kindern werden derzeit von ehrenamtlichen Paten in der Pfarre St. Vitus und an der Katholischen Grundschule Untereicken begleitet. Die Patenprojekte sind ein Erfolgsmodell, das noch ausgebaut werden soll. Dafür werden weitere Paten gesucht. Von der Redaktion

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle stellte Jana Seebald fest, dass es in ihrem Freundeskreis neben vielen verständnisvollen Stimmen auch Menschen gab, die sich sehr kritisch äußerten. „Das hat mich so schockiert, dass ich beschlossen habe, etwas zu tun“, erzählt die 30-Jährige. Zusammen mit einer Freundin lernte sie an der Katholischen Grundschule Untereicken die zwölfjährige Dujgu und ihren Bruder Bajram kennen. Die beiden Kinder sind vor vier Jahren mit ihrer Familie aus Mazedonien nach Mönchengladbach gekommen und leben seither in einer Flüchtlingsunterkunft.

Seit anderthalb Jahren ist die Diplom-Kauffrau nun die Patin von Dujgu, während ihre Freundin den elf Jahre alten Bajram begleitet. „Mal unternehmen wir alle vier etwas, spielen Minigolf oder Uno oder kochen gemeinsam, mal bummele ich alleine mit Dujgu durch die Stadt“, berichtet Seebald. Sie möchte dem Mädchen aus Mazedonien die hiesige Kultur und Lebensweise nahe bringen. Das erleichtere die Integration. Zwischen zwei und vier Stunden in der Woche wendet Jana Seebald für ihr Ehrenamt auf. Als Patin bekomme sie viel zurück.

Ganz ähnliche Erfahrungen hat Heidi Bolten gemacht. Jeden Dienstagnachmittag verbringt sie als Familienpatin Zeit mit der kleinen Caroline. Die Sechsjährige ist das älteste von vier Kindern, die Eltern leben getrennt. „Sie fragt die ganze Woche: Wann ist Dienstag, wann kommt Heidi?“, sagt die Familienpatin. Dann erzählen die beiden, üben zusammen Fahrrad fahren, gehen in den Tierpark oder beschäftigen sich mit den Hausaufgaben. „Man muss sich auf die Familie einstellen und darf nicht denken, dass alle Menschen so ticken wie man selbst“, fügt sie hinzu.

Vor drei Jahren startete die Pfarre St. Vitus ihr Familienpaten-Projekt in Kooperation mit dem Caritasverband Region Mönchengladbach. Die Paten entlasten die Familien, sie sind Ansprechpartner, Begleiter, Helfer und Vertrauenspersonen. Während sich das Projekt der Pfarre auf Familien mit Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren konzentriert, nimmt das ÖJE-Patenprojekt „Miteinander“ Kinder an der Katholischen Grundschule Untereicken in den Blick. Insgesamt engagieren sich 29 ehrenamtliche Paten in den beiden Initiativen.

„Die sehr positive Resonanz und die weiterhin hohe Nachfrage von Familien motivieren uns weiterzumachen und das Angebot auszubauen“, sagt Gemeindereferent Wolfgang Mahn. Weitere Paten werden gesucht. Interessenten sollten zwei bis drei Stunden Zeit pro Woche für eine Familie haben und über Erfahrungen mit Kindern verfügen. „Vor ihrem Einsatz werden die angehenden Paten geschult“, erläutert Walburga Iseken vom Caritasverband. Themen der mehrteiligen Qualifizierung sind beispielsweise eine Präventionsschulung, Kommunikation und Gesprächsführung oder rechtliche Fragen.

(Report Anzeigenblatt)