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Feste Bleibe verzweifelt gesucht

Feste Bleibe verzweifelt gesucht
Weil er seine Katze nicht vor die Tür setzen wollte, ist Laslo Tot jetzt wohnungslos. Mit Unterstützung des SKM Rheydt ist er auf der Suche nach einer neuen Bleibe. FOTO: Andreas Baum
Rheydt. Obdachlosigkeit kann einen schneller treffen, als man denkt. Laslo Tot ist einer von aktuell immer mehr Menschen, die im Café Emmaus des SKM Rheydt Hilfe auf dem Weg aus der Obdachlosigkeit suchen. Der SKM bittet nun private Vermieter um Hilfe, denn bezahlbare Wohnungen sind Mangelware. Von Yvonne Simeonidis

Mit einem verschmitzten Lächeln und ganz alte Schule bietet Laslo Tot sofort an, beim Jacke ablegen behilflich zu sein. Der 67 Jahre alte Rentner ist alt-eingesessener Rheydter, seit über 40 Jahren lebt er hier. Er hat immer gearbeitet, seine Steuern gezahlt, sich um seine Familie gekümmert. Elf Jahre lang lebte er zuletzt in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung – „mehr brauch’ ich gar nicht“ betont Laslo Tot.

Während der letzten sechs Jahre teilte er sich seine vier Wände mit einem verschmusten Vierbeiner. „Das Kätzchen war bei mir, seit es klein war“, erzählt er. Seinem neuen Vermieter war das Tier aber ein Dorn im Auge und er kündigte Tot den Mietvertrag, ließ die Wohnung schlussendlich zwangsräumen.

„Von so einem Fall haben wir auch noch nicht gehört“, zeigt sich Christoph Föhles vom SKM Rheydt, der Laslo Tot schon seit Jahren betreut, fassungslos. Regelrecht entsetzt sind Sozialarbeiterin Astrid Thiess und Föhles: „Wenn Menschen in Obdachlosigkeit geraten, dann häufig wegen Mietschulden, in die sie unverschuldet oder verschuldet geraten. Dass Jemandem wegen einer Katze die Wohnung gekündigt wird, erleben wir zum ersten Mal.“

Seitdem hat Laslo Tot diverse Nächte unter freiem Himmel verbringen müssen. Dies führte nun bereits dazu, dass er ins Krankenhaus und operiert werden musste – eine zweite OP muss noch durchgeführt werden. Doch wo andere „nach Hause“ entlassen werden, um sich zu erholen und zu heilen, steht Laslo Tot auf der Straße – mit Katheter. „Ein Fall, der so im Gesundheitssystem nicht vorgesehen ist“, erklärt Föhles betrübt. Die Notunterkunft der Stadt ist aktuell häufig überbelegt und für jemanden mit OP-Wunde wohl auch nicht die beste Umgebung. Trotz Hilfe des SKM findet Laslo Tot einfach keine bezahlbare Wohnung.

„Die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Mönchengladbach wird immer prekärer“, zeichnet Föhles ein düsteres Bild, „gerade in den vergangenen Wochen haben wir einen krassen Anstieg an Wohnungslosen in unserem Café Emmaus verzeichnet, die einfach keine bezahlbare Bleibe finden.“

Christoph Föhles führt dies darauf zurück, dass der soziale Wohnungsbau immer weiter zurückgefahren worden sei, „und die Folgen spüren wir jetzt“. Auf eine Wohnung kommen mehrere Dutzend Bewerber. Der SKM Rheydt hat sich als Verein schon auf Wartelisten für Sozialwohnungen setzen lassen, da die Zahl der Besucher des Café Emmaus, die verzweifelt eine Wohnung suchen, immer größer wird. „Das ist eigentlich gar nicht unser Auftrag“, erklärt Föhles, „aber wir versuchen unseren Kunden natürlich zu helfen, wo wir können.“ Das reicht vom zur Verfügung stellen des Café-Telefons bis zur Unterstützung bei Behördengängen und mehr.

„Unsere Hoffnung ist, dass sich private Vermieter finden, die unseren Kunden weiterhelfen können“, richtet Astrid Thiess ihren Appell an die Vermieter dieser Stadt. Laslo Tot wünscht sich nichts mehr als ein Dach über dem Kopf: „Ich habe nie Mietschulden gehabt, ich habe eine feste Rente, ich möchte einfach nur eine feste Wohnung.“ Und vielleicht findet er auch seine Katze wieder. Die streunt nämlich höchstwahrscheinlich durch Rheydt – am Tag der Zwangsräumung war sie gerade auf Mäusejagd.

(Report Anzeigenblatt)