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Fluglärm nervt Giesenkirchen

Fluglärm nervt Giesenkirchen
Die Sitzplätze im Marienheim an der Nesselrodestraße reichten lange nicht aus für den Andrang der Bürger. FOTO: schrö
Giesenkirchen. Im Mönchengladbacher Osten wächst der Unmut über steigenden Fluglärm. Das zeigte die Versammlung der Bürgerinitiative im Marienheim an der Nesselrodestraße. Fast zweihundert Bürger kamen. Von Klaus Schröder

Manfred Kamp wohnt seit 1978 in Giesenkirchen. In seinem Berufsleben war der 76-Jährige oft für den Arbeitsschutz zuständig und kennt sich deshalb mit Lärmbelastung bestens aus. „Viele Details beim Fluglärm sind für den Laien nicht einfach zu begreifen.“ Warum darf zum Beispiel Flugzeug-Krach in den Verordnungen über 24 Stunden gemittelt werden, während doch gerade der Intervall-Lärm Menschen ganz anders beeinträchtigt? Überhaupt: „Für erdgebundene Verkehrsmittel gibt’s Gesetze, für nichterdgebundene nicht.“ Zum ersten Mal sind Manfred Kamp die Belastungen vor elf Jahren bewusst geworden, „als die Flugrouten des Düsseldorfer Airports neu festgelegt wurden“. In der Zwischenzeit hat er sich intensiv mit der Materie befasst. „Natürlich empfindet jeder Lärm unterschiedlich.“ Kamp grinst. „Mancher schwerhöriger älterer Mensch sagt mir: Mir macht das nichts aus.“

Was will nun die Bürgerinitiative? Auf der Veranstaltung blickte der Vorsitzende Frederick Skupin zurück. „Vor einem Jahr haben 16 Bürger diese Initiative gegründet.“ Niemand von ihnen ist generell gegen Flugzeuge - „aber unsere Nachtruhe wollen wir verteidigen.“

Werner Kindsmüller von der Kaarster Bürgerinitiative beglückwünschte die Giesenkirchener für den großen Zuspruch an diesem Abend und lieferte anschließend Hintergrund-Infos. Die Zahl der Flugbewegungen ist seit Jahren stabil, nur das Verhältnis von Tourismus-Flügen zu Geschäftsflügen hat sich verändert. Wo also könnten Düsseldorfer noch wachsen? Kindsmüller meint: Indem sie den Regionalflughäfen wie Weeze, Dortmund, Paderborn und Enschede Gäste abjagen.

Deshalb sind die Grünen dafür, wie deren Landtagsabgeordneter Oliver Keymis erklärte, den Flugverkehr weiterhin dezentral zu organisieren und über Gebühren den Tourismus-Flugverkehr und damit die Lärmbelastungen zu verteilen. Außerdem müsste man sich mal wieder an den 16. Dezember 1983 erinnern, als der Planfeststellungsbeschluss die Obergrenze von 91000 Flugbewegungen auf unbestimmte Zeit festschrieb. „Da klafft ja jetzt schon zu den 131000 Flugbewegungen ein Riesenunterschied.“

Vor der Diskussion lenkte Frederick Skupin den Blick nach Frankfurt. „Dort haben es Bürgerinitiativen über die Jahre erreicht, dass moderne Leitsysteme eingesetzt werden, die viel kürzere gerade Landeanflüge ermöglichen.“ Wohngebiete könnten so umflogen werden. Und er machte allen Anwesenden Mut. „Der Flughafen Dortmund hat im letzten Jahr die Kapazitätserweiterung auch nicht durchgebracht.“

(Report Anzeigenblatt)