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Frau Plum macht sich dünne

Mönchengladbach. Bei Nadine Plum aus Windberg purzeln die Pfunde. Und je mehr purzelt, umso mehr Geld bekommt sie zusammen. Denn was sie eigentlich für sich tut, soll auch dem guten Zweck dienen. Mit ihrem Fund-raising Projekt "Nadines Peak Challenge for Bloodwise" ist sie jetzt für den Charity Preis "Just Giving Award" nominiert. Von Ulrike Mooz

Im März war bei Nadine Plum einfach Schluss. Als sie auf die Waage stieg und 115 Kilo las – bei einer Größe von 1,55 Meter – da war bei ihr die Schmerzgrenze erreicht. "Ich bin schon dick gewesen, als ich sechs Jahre alt war, aber so schwer war ich noch nie", sagt die Mutter von drei Kindern, die sich selbst als Frustesserin bezeichnet. Gefrustet habe sie zum Beispiel, dass sie nicht schon längst wieder in den Job einsteigen konnte, so die ausgebildete Erzieherin.

Von jetzt auf gleich strich sie für sich die Süßigkeiten, nahm wochenlang nur noch Abnehm-Shakes zu sich und forschte im Internet nach Hilfe. "Ich wusste, ich schaffe das nicht alleine", so Plum. Sie schloss sich im Oberhausener Adipositas-Zentrum einem Therapieprogramm für Übergewichtige mit professioneller Ernährungsberatung an und seitdem purzeln die Pfunde. 29,7 Kilo hat sie schon verloren. "Ich bin jemand, der immer für andere da ist, jetzt tue ich mal was für mich", sagt Nadine Plum – oder doch nicht ganz? Ihre Abnehmerfolge dokumentiert sie in den sozialen Medien Facebook und Twitter für alle Welt sichtbar und versucht, sie zu Geld zu machen. "Im Grunde mache ich einen Sponsorenlauf für den guten Zweck. Allerdings laufe ich nicht, sondern nehme ab", sagt sie. Statt Kilometer zu "fressen", vernichtet sie Kilos. Für Nadine Plum war der gute Zweck auch eine Strategie, durchzuhalten. "Ich hatte große Angst, zu scheitern", sagt sie, es sei ja nicht ihr erster Abnehmversuch gewesen. "Nadines Peak Challenge for Bloodwise" hat sie ihr Projekt getauft (Nadines Gipfelsturm für die Blutkrebsforschung) und sich damit einer Initiative des schottischen Schauspielers Sam Heughan aus ihrer Lieblingsserie "Outlander" angeschlossen.

Menschen, die Nadine und damit die Blutkrebsforschung unterstützen möchten, können das über die Plattform "Just Giving". Und dort genau ist sie jetzt für den "Just Giving Award" nominiert worden.
 "Ich bin sehr stolz", sagt Nadine Plum. Zuerst hatte sie vergeblich Sponsoren gesucht, die pro verlorenem Kilo spenden sollten. Dann hat sie tatsächlich an zwei Sponsoren-Läufen teilgenommen, dem 8. Lauf- und Nordic Walking-Tag in Viersen. Dort hat sie 7,8 Kilometer bewältigt. Noch mal 5 Kilometer waren es dann beim Women's Run in Hamburg.
 Geld zusammen zu bekommen, ist genauso mühsam, wie Pfunde zu verlieren. 385,63 Euro der riesigen Summe von mehr als 70 000 Euro, die durch das Bloodwise-Projekt des Schauspielers Sam Heughan bislang zusammen gekommen sind, gehen allein auf das Konto der Mönchengladbacherin, die noch ein bis zwei Jahre rechnet, bis sie am Ziel ist.
 "Zwischen 60 und 49 Kilo liegt das Normalgewicht für Menschen meiner Größe", sagt sie, aber Letzteres hält sie für eher unrealistisch. "Ich möchte mein gesundes Wohlfühlgewicht erreichen", sagt sie.
Das Eis zwischendurch, den Kuchen oder das Bierchen zur Grillwurst verkneift sie sich noch. "Ich bin noch nicht so weit, fühle mich wie eine Drogensüchtige auf Entzug", sagt sie und lässt vorerst lieber die Finger von den Versuchungen.
 1 400 bis 1 500 Kalorien darf sie nach einem Punktesystem zur Zeit täglich essen, das sind drei normale oder vier kleinere Mahlzeiten. Und Sport steht natürlich auch auf dem Programm. Neben Nordic Walking trainiert sie mit einer Personal Trainerin einmal in der Woche für die Kraft. "Einfach ins Fitnessstudio gehen, ist noch zu gefährlich für meine Gelenke", sagt Nadine Plum. Mit dem Gewichtsverlust fühlt sich die Mönchengladbacherin nicht nur körperlich, sondern auch mental leichter. "Schon jetzt kann ich Klamotten anziehen, von denen ich früher nur geträumt habe", sagt sie. Und überhaupt gibt ihr die zunehmende Schlankheit auch viel mehr Selbstbewusstsein – zum Beispiel um das Malen wieder anzufangen. "Vielleicht kann ich für mein Projekt noch Bilder verkaufen", freut sie sich.
Und dann gibt es da noch etwas, über das sie sich noch ganz besonders freut: Sie konnte zwei Menschen aus ihrem Bekanntenkreis inspirieren, ihren eigenen Weg zum Wohlfühlgewicht zu gehen.

(Report Anzeigenblatt)