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Gabalier: „Bei mir dürfen die Madeln noch Madeln sein!“

Gabalier: „Bei mir dürfen die Madeln noch Madeln sein!“
Andreas Gabalier sorgte mit seinen Äußerungen zur Rolle der Frau für Aufregung. Doch seinen Fans macht das nichts aus. Bundesweit füllt er die großen Arenen, die regelmäßig ausverkauft sind. Das wird mit Sicherheit auch der Sparkassenpark in Mönchengladbach sein, wo der „Volks-Rock’n’Roller“ am 9. Juli 2016 auftritt. FOTO: deutzmann.ne
Mönchengladbach. Der Sparkassenpark in Mönchengladbach hat den nächsten "dicken Fisch" geangelt. Mit "Volks-Rock'n'Roller" Andreas Gabalier kommt einer der aktuell gefragtesten Künstler am 9. Juli 2016 in die Vitusstadt. Vorab traf Extra-Tipp-Redakteur Daniel Uebber Andreas Gabalier in der Kölner Lanxess-Arena zum Interview. Von Daniel Uebber

Andreas, wir dürfen uns duzen. Es gibt derzeit kaum eine Halle in Deutschland, die nicht ausverkauft ist, wenn Du ein Konzert gibst. Was bedeutet Dir dieser Erfolg?

Gabalier: Das ist etwas sehr besonders, vor allem, das es bis in den Norden hinauf geht. Es hat viele österreichische Künstler gegeben, die es vielleicht gerade einmal so nach Bayern geschafft haben. Ob es nun an der Verständlichkeit gelegen hat, ich weiß es nicht. Ich darf jetzt in Hamburg, Berlin, Köln, oder nächstes Jahr in Mönchengladbach spielen. Überall ist es rappelvoll. Ich weiß nicht, weshalb ich gerade hier auch so erfolgreich bin. Vielleicht verbinden die Menschen meine Musik mit Urlaub, mit Erinnerungen an Österreich.

Oder vielleicht weil Du der Mountain-Man bist. Was macht für Dich einen Mountain Man aus?

Der Mountain Man rettet das Publikum für einen Abend in eine kleine heile Welt hinein. Der Alltag ist für viele ohnehin schon stressig genug. Und da sehnen sich die Leute nach so einem Konzert, wo man abtaucht und für einen Abend den ganzen Alltagsstress hinter sich lässt. 

Sehnst Du Dich auch nach so einer heilen Welt?

Ich habe sie ja für mich geschaffen, gerade jetzt auf so einer Tour ist man in einer sehr, sehr heilen und sorglosen Welt unterwegs. Die einzige Sorge die man hat ist, ob die Stimme auch am nächsten Abend wieder funktioniert.

Warum?

Es ist schon eine große Herausforderung. Ich gebe zweieinhalb Stunden Vollgas auf der Bühne. Es ist ja nicht so, dass ich dort einfach nur ein Liedchen vor mich her träller. Das ist teilweise volles Brüllen. Das geht schon ziemlich auf die Stimme. Daher schaue ich, dass ich nach den Konzerten zur Ruhe komme und ins Bett gehe. Erst am Wochenende trinke ich vielleicht mal zwei, drei Bierchen. Man hat ja auch eine Verantwortung dem Team gegenüber, mittlerweile sind 90 Leute beschäftigt.

Wie schonst Du Dich denn? Wie kommt der "Volks-Rock'n'Roller" zur Ruhe?

Sonntag ist immer spielfrei. Das haben wir im Vergleich zur ersten Tour vor zwei, drei Jahren verändert. So kann ich am Sonntag nach Hause fahren, das ist viel Lebensqualität. Da sind dann alle Nachbarn daheim, die Brüder, die Freunde. Wenn wir am Sonntag auch noch einmal auftreten würden, wäre das das vierte Konzert hintereinander. Das ist dann auch eine extreme Herausforderung für die Motivation, sich noch mal aufzuraffen. Das ist vielleicht dieses Jahr das Erfolgsgeheimnis. So habe ich die Kraft, um auf der Bühne zu stehen. Und da lautet das Motto: Sing um Dein Leben.

Gibt es denn kurz vor den Konzerten eine Art Ritual, um Dich noch einmal zu pushen?

Ich schlafe oft noch ein Stündchen. Bis 16, 17 Uhr ist es ruhig, dann beginnt die Medienarbeit. Danach schaue ich, dass ich noch ein bisserl Sport mache in der Garderobe. Liegestütze, Klimmzüge, Sit-Ups. Ein bisschen AC/DC im Ohr, ein bisserl Tina Turner, Stones. Musik eben, die laut ist und mich pusht, dann kann ich selbst wieder volles Rohr hinausgehen.

In Deinen Liedern singst Du viel über die Heimat. Was bedeutet Dir persönlich Heimat?

Die vertraute Umgebung zu Hause. Die Familie, die Freunde. Viele schöne Kindheitserinnerungen. Das Berg-Gen, das gute Essen, das Motorradl-Fahren. Die Zeit mit meinen Freunden. Ich bin eigentlich ziemlich kitschig aufgewachsen, zwischen der "Großstadt" Graz und dem Bauernhof der Großeltern. Da hat man viele Werte mit auf den Weg gegeben bekommen. Wir hatten immer viele Gäste und Urlauber zu Gast. Das alles ist zu Hause. 

Inwiefern haben diese Werte Deine Musik geprägt?

Sehr viel meines musikalischen Daseins geht zurück auf diese Zeit. Es sind bei mir keine Texter am Werk, die schon 500 Songs geschrieben haben, das sind alles meine Geschichten, meine Ansichten.

Unter anderem auch, dass "Madeln" bei Dir auch "Madeln" sein sollen?

Ja, das dürfen sie auch noch bei mir, in Zeiten des Gender-Wahns. Ich habe kein Problem damit. Mein Mädchen ist ein sehr reifes, studiertes, gegendertes und fleißiges Mädchen. Sie hat drei Jobs, schreibt ihre Doktorarbeit in Jura. Aber sie steht genauso gerne morgens dann wieder am Herd, macht mir Fleischpflanzerln, kümmert sich um den Haushalt daheim - und das find' ich auch schön.

Wie revanchierst Du Dich?

Da muss man dann auch mal ein Butterbrot schmieren. Ich find's einfach schad', dass es in der heutigen Zeit für die Frau schon die größte Sünde ist, wenn sie sich um die Familie kümmert, wenn sie gerne zu Hause ist und das alles "schupft" und den Laden schmeißt. Das muss man nicht negativ sehen. Man sollte diesen Frauen nicht das Gefühl geben, sie seien Menschen zweiter Klasse.

Fühlst Du Dich in diesem Punkt missverstanden?

Ja, wenn solche Aussagen zu Schlagzeilen aufgehängt werden, die dann für Aufregung sorgen. Klar, Ihr brauchts' auch Eure Schlagzeilen, aber ich sehe das eigentlich sehr gelassen. Ich gehe lieber mit ein paar Ecken und Kanten durchs Leben, habe dafür aber meine eigene Meinung.

Und die vertrittst Du auch bei Facebook, wo Du kürzlich den FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache unterstützt hast.

Es ist einfach so, dass man in der heutigen Zeit nichts mehr sagen darf. Viele Menschen sind mit ihren Aussagen sehr weichgewaschen, um ja nirgendwo anzuecken. Da muss man durch. Man muss auch manchmal seine Meinung kundtun, wenn man sich aufregt. Das war in diesem einen Fall vielleicht etwas zu viel. Aber so ist halt der Volks-Rock'n'Roller. Sonst würd' ich ja im Musikantenstadl rumstehen.

Kommen wir noch einmal zur Tour zurück. Gibt es Momente, in denen Du denkst: Jetzt wird mir alles zu viel?

Nein. Man weiß was einen erwartet und freut sich einfach nur darauf. Man arbeitet das ganze Jahr auf die Tour hin und das ist nun einfach die Krönung. Reisen, Promo-Termine, das ist die Belohnung für unzählige schlaflose Nächte im Tonstudio. Das ist für alle ein Grund zur Freude.