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„Gefühlt, wie vom Glück geküsst“

„Gefühlt, wie vom Glück geküsst“
Beim SV Lürrip erlernte Marcell Jansen das Fußballspielen. Beim „Spiel der Spiele“ zur Einweihung des neuen Kunstrasenplatzes ist der Ex-Profi am 24. Oktober mit dabei. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Am Wochenende vom 23. bis zum 25. Oktober feiert der SV Lürrip die große Eröffnung des neuen Kunstrasenspielfeldes. Beim "Spiel der Spiele" am 24. Oktober um 16.15 Uhr  wird auch Marcell Jansen nochmal für seinen ersten Verein auflaufen. Im Interview mit dem Extra-Tipp spricht der Ex-Profi über die Verbindung zu seiner Heimat, den SV Lürrip und seine neue berufliche Ausrichtung. Von David Friederichs

Herr Jansen, für Sie ist es eine Rückkehr zu den Anfängen. Welches Gefühl ist es, wieder in Lürrip auf dem Sportplatz zu sein?
Ich bin eigentlich immer hier gewesen, von meinem Elternhaus ist es nur ein kurzer Fußweg. Ich habe auch während meiner aktiven Zeit hier trainiert und die Möglichkeiten dieser Anlage genutzt. Die Laufbahn, die Ansteigung – hier sind optimale Bedingungen. Ich habe hier das Fußballspielen angefangen, daher ist es nicht neu für mich. Neu ist natürlich der Kunstrasen, der sehr wichtig für den Verein ist, gerade im Bereich der Jugendarbeit.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Kunstrasen?
Habe in der Jugend ein paar Mal auf Kunstrasen gespielt, das war immer komisch. Aber die Entwicklung der Kunstrasenplätze ist sensationell. Es ist ein bisschen ein anderes Spiel, es ist schneller und man hat nicht den Rasengeruch. Es gibt sicherlich Nachteile, aber die Vorteile sind überwältigend groß. Gerade in den Wintermonaten kann man ganz andere Trainingsmöglichkeiten bieten.

Wie sehr freuen Sie sich auf das "Spiel der Spiele" und selber nochmal die Schuhe zu schnüren für den SV Lürrip? Vielleicht stehen Sie sogar mit ihrem Vater nochmal gemeinsam auf dem Platz.
Das wäre natürlich super wenn das klappt, aber dafür muss er sicher noch einige Runden mit dem Hund gehen (lacht). Meine Eltern waren immer meine Wegbegleiter und durch sie war die Nähe zum Verein immer sehr groß. Mein Vater hat selber hier gespielt, meine Mutter hat die ganze Wäsche gemacht. Die Emotionalität im Gegensatz zu einem Einzeltraining ist dennoch größer. Hier ist Heimat, hier hat alles angefangen. Jetzt nochmal mit den ganzen alten Recken auf dem Platz zu stehen und nachher zusammen ein Bierchen zu trinken ist einfach schön. Als kleiner Junge bin ich mit einem Ball unter dem Arm zu den Spielen mitgereist und fühlte mich wie vom Glück geküsst. 

Nach dem Ende der Profikarriere: Haben Sie den Schritt schon mal bereut oder sind Sie zufrieden mit der Entscheidung?
Die Anfangszeit war schwierig, nicht aufgrund der Entscheidung, sondern wegen der Umstellung. Nach 12 Jahren als Profi und der Jugendzeit, in der man ja auch schon vier oder fünf Mal die Woche trainiert und auch am Wochenende auf vieles verzichtet, muss man das Gesamtpaket sehen. Es war eine super schöne Zeit, für die ich extrem dankbar bin. Ich habe aber schon während der Karriere an meine Zukunft und die Zeit danach gedacht und kann mich diesen Sachen nun noch stärker widmen. Geld hat für mich nie eine große Rolle gespielt, sonst wäre ich damals zum Beispiel in München geblieben. Ich habe mich immer gefragt, wofür ich etwas mache. Gerade die Zeit in Hamburg hat mir viel gebracht, auch für mein weiteres Leben. Ich habe dort Dinge in die Wege geleitet, Netzwerke aufgebaut, bin selber kreativ geworden. Man muss wissen, wofür man morgens aufsteht, sonst gerät man in einen Trott, der ganz gefährlich ist. Ich bin froh, nicht bei Null anfangen zu müssen und freue mich auf die neuen Aufgaben und neuen Freiheiten. Ich bin mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Sie sprechen von beruflich neuen Wegen. Welche sind das?
Es sind vielfältige Wege. Aber vom Kern her geht es alles in die gleiche Richtung. Es geht um die Investition in den eigenen Körper, um Gesundheit, Life-Style und Internet. Es gibt viele Projekte, die noch nicht spruchreif sind, bei denen ich als Mitinvestor aktiv bin und strategisch helfe. Da ist zum Bespiel die Sportfitnessmarke "Gymjunky", ein Start-up, was erst im März online gegangen ist, oder auch das Sanitätshaus Renovatio in Mönchengladbach.

Zusätzlich sind Sie seit dieser Saison bei Sky als TV-Experte dabei. War es eine Möglichkeit, trotzdem noch nah an der Bundesliga zu sein? 
Ich habe mich mit dem Engagement lange auseinander gesetzt und lange gezögert. Aber Sky war positiv hartnäckig und ich habe es mir angeschaut. Es ist ein sehr professioneller aber auch menschlich gut geführter Sender. Das Hauptargument war aber weiter Stadionluft zu schnuppern. Außerdem kann ich mich jetzt auch in einem eigenen Format ausprobieren. Den Piloten dazu werden wir jetzt drehen. Es wird ein kleines Experiment. Ich will mit dem klassischen Bild des Fußballers ein wenig aufräumen. Es gibt viele interessante Themen rund um den Fußballer als Menschen, die wir aufgreifen wollen. Ich bin ein Mensch, der immer alles hinterfragt. Es gibt viele Fußballer, die zahlreiche Dinge nebenbei machen und viel zu erzählen haben. Die erste Folge wird auf jeden Fall hier in Lürrip am Sportplatz gedreht.

Wird der Sportplatz dann auch dauerhaft Drehort?
Das werden wir sehen. Ich könnte es mir aber sehr gut vorstellen. Hier wird Fußball gelebt. Wenn man sieht, was hier dank viel Energie und Motivation gestemmt wird, in einer Welt, in der viele nur noch auf sich schauen, dann ist das schon bemerkenswert. Egal ob Kreisliga A, Bezirksliga oder Bundesliga – am Ende geht es nur um eine runde Pille, man diskutiert drüber und trinkt nachher ein Bierchen zusammen. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Deshalb bin ich ein großer Fan und Unterstützer des Vereins. Ich hoffe, dass die Spieler, die ich einlade, sich die Zeit nehmen für den Tag oder die paar Stunden, um sich als Menschen zu präsentieren. Es gibt so viel hinter der Fassade des Fußballers, das sich lohnt darzustellen. Die Anfragen, die wir bisher gestellt haben, sind alle auf positives Echo gestoßen. Es wird lustig und innovativ werden und sicherlich einige neue Erkenntnisse bringen.

Nach sieben Jahren Hamburg: Ist Borussia Mönchengladbach immer noch Ihr Herzensverein?
Ich bin geboren in Mönchengladbach, hab hier meine ganze Jugend verbracht, es ist meine Heimat. Borussia war für mich ein Sprungbrett und meine große Liebe. Auf der anderen Seite habe ich für den Hamburger SV die meisten Bundesligaspiele gemacht, daher schlägt mein Herz für beide Vereine. Das wird auch immer so bleiben, egal was in den Vereinen passiert. Hamburg hat mich als Mensch sehr geprägt und dort habe ich mich zu dem entwickelt, was ich heute bin. Ich kann nicht den ganzen Tag nur an Fußball denken. Ich habe die Chance in Hamburg bekommen, tolle Menschen kennenzulernen und etwas aufzubauen. Beides sind geile Vereine, mit toller Tradition. 

Wie war es in den Spielen gegen Borussia?
In den ersten Jahren war es ein komisches Gefühl, es war nicht mein Lieblingsspiel. Aber wenn man länger in diesem Geschäft ist, dann muss man auch ehrlich sein und sich fragen, wer überhaupt noch im Verein spielt, mit dem man selber zusammengespielt hat. Da ist die Beziehung enger zu den Leuten, die in der Geschäftsstelle arbeiten, mit denen ich groß geworden bin. Da geht mein Herz auf. Ich bin beeindruckt davon, was hier in den letzten Jahren von strategischer und operativer Seite geschaffen wurde. Ohne Rolf Königs wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Seine Menschenführung als Geschäftsmann kann nicht so schlecht sein, wenn so viele Leute, die ich noch aus meiner Zeit noch kenne, immer noch hier arbeiten. Es ist schön und beeindruckend anzusehen, was man aus eigenen Mitteln schaffen kann.