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Geld für da, wo es „brennt“

Geld für da, wo es „brennt“
Scheckübergabe im Klassenzimmer: Michael Meuser (r.) von der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung überreichte den Scheck an Harald Weuthen (Mitte l.), Leiter des Fachbereichs Schule, und Jochen Anderl-Breuer, stellvertretender Leiter des kommunalen Integrationszentrums ABI (Mitte). Mit im Bild Schulleiter Christian Eikenbusch (Mitte r.) und Erzieherin Birgit Fachinger mit den Kindern Göknur, Steven, Belinay und Nisa. FOTO: Andreas Baum
Rheydt. Bildungsfuchs ist ein schlaues Programm, mit dem Grundschulkinder mit Migrationshintergrund ihre Deutschkenntnisse verbessern können. Es lebt von Spendengeldern. Mit 50 000 Euro sichert die Josef und Hilde Wilberz-Stiftung das Projekt für dieses Jahr. Von Ulrike Mooz

„Ente“ und „quaken“ das passt zusammen. „Ente“ ist das Nomen, „quaken“ das Verb, das hat Nisa schnell herausgefunden. In die konzentrierte Ruhe im Klassenraum der Katholischen Grundschule Nordstraße kommt vorübergehende Aufgeregtheit, als die Damen und Herrn von Presse, Stadt und Hilde-Wilberz-Stiftung zum Pressegespräch anrücken. „Ich bin aus dem Kongo“, ruft der siebenjährige Steven. Die Zuordnung von Nomen und Verben wird da schnell zur Nebensache.

Sechs Kinder mit fünf Nationalitäten lernen hier mit Birgit Fachinger, die gelernte Erzieherin ist. „Bildungsfuchs“ heißt das Programm, das von der Arbeitsstelle für interkulturelle Bildung und Integration (ABI) ins Leben gerufen und ehemals mit Geldern aus dem Projekt „Soziale Stadt Rheydt“ finanziert wurde und jetzt von Spendengeldern lebt. In neun Gladbacher Grundschulen gibt es 20 solcher Kleingruppen, in denen Kinder mit Migrationshintergrund, die wenig oder gar keine Deutschkenntnisse haben, einen Mix aus Hausaufgabenbetreuung und intensiver Sprachförderung bekommen. „Die Deutschhausaufgaben haben hier Vorrang“, sagt Birgit Fachinger, erst wenn die erledigt sind, bleibe vielleicht noch ein bisschen Zeit für Mathe.

Dreimal in der Woche treffen sich die Kinder in Kleingruppen und bekommen je 45 Minuten Hausaufgabenbetreuung und 45 Minuten Sprachtraining. 18 Honorarkräfte mit pädagogischer Qualifikation vom pensionierten Lehrer, über die Erzieherin bis zum Pädagogikstudenten unterrichten Gruppen mit maximal sechs Kindern.

„Das ist ein Zusatzangebot zu dem, was an Sprachförderung in den Schulen sowieso angeboten wird“, sagt Schulleiter Christian Eikenbusch. Ein sehr begehrtes - bei Kindern und Eltern. Wer hier einen Platz ergattert hat, macht auch zuverlässig mit.

Mit den 50 000 Euro der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung ist das Projekt für dieses Jahr gesichert. „Das ist ein Bildungsauftrag, den die Kommune gar nicht in vollem Umfang leisten kann“, weiß Michael Meuser von der Stiftung.

„Es gibt keine Grundschule, die das nicht auch gerne hätte“, sagt Harald Weuthen, Leiter des städtischen Fachbereichs Schule. Aber man habe da geholfen, „wo es brennt“, wo der Druck am größten sei.

(Report Anzeigenblatt)