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Gesucht: der Fohlenflüsterer

Gesucht: der Fohlenflüsterer
Wie auf dem Foto von Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ verblasst Favres Schatten von Tag zu Tag. Max Eberls Suche nach seinem Nachfolger geht in die heiße Phase. Foto FOTO: Teufelswerkstatt
M’gladbach. Der Schock nach dem überraschenden Rücktritt von Lucien Favre ist verdaut, Borussia Mönchengladbach ist auf der Suche nach einem neuen Cheftrainer. Das Anforderungsprofil: erfahren, bereit, auf die Jugend zu setzen und möglichst der deutschen Sprache mächtig. Von Jan Finken

„Es sind riesige Fußstapfen, die zu füllen sind“, weiß Sportdirektor Max Eberl. Dass der Abgang Favres, „der für uns der perfekte Trainer war“ (Eberl), eine riesige Lücke reißt ist klar. Aber wer soll sie schließen? Dass André Schubert, der die Mannschaft zunächst betreuen wird, nur eine Übergangslösung ist, unterstrich Eberl; auch Schubert selbst, der im Sommer als Trainer für Borussias U23 geholt wurde, hat keine Ambitionen, dauerhaft das Profiteam zu übernehmen. Fan-Liebling Jürgen Klopp hat prophylaktisch schon mal über seinen Berater verlauten lasse, dass er nicht zur Verfügung stehe; ein Angebot Borussias gab es aber auch gar nicht. Ein Wunschkandidat wäre der Trainer des heutigen Gegners Augsburg gewesen, doch der hat im Sommer seinen Vertrag erst bis 2019 verlängert. Gehandelt werden somit die üblichen Verdächtigen wie Mirko Slomka (Hannover, HSV), Jens Keller (Schalke) und Ex-Borussentrainer Jos Luhukay (Hertha): Allesamt mit Erfahrung in der Bundesliga, allesamt derzeit arbeitslos, deren Verpflichtung aber nicht mit einem „Aha“-Effekt verbunden wäre. Vom Charakter her wäre Thomas Schaaf eine naheliegende Lösung, der in Bremen eine Ära begründet hat, dessen jüngstes Engagement in Frankfurt aber früh scheiterte. Sportdirektor Eberl ist allerdings bekannt dafür, dass er um die Ecke denkt; schon die Verpflichtung Favres vor vier Jahren war eine Überraschung. Somit tauchen in der Verlosung auch Namen wie Ex-Bundesligaprofi Niko Kovac auf, der gerade als Nationaltrainer Kroatiens entlassen wurde. Experten bringen außerdem Namen wie Hein Vanhaezebrouck und Glen Riddersholm ins Spiel. Vanhaezebrouck hat Gent sensationell zur belgischen Meisterschaft geführt, Riddersholm erregte mit seiner datenbankbasierten Arbeit beim dänischen Klub FC Midtjylland für Aufsehen. „Es wird keinen Schnellschuss geben. Wir wollen eine strategische Lösung finden“, betonte Eberl gestern.

Bis diese „strategische Lösung“ gefunden ist, könne es theoretisch auch bis zur Winterpause dauern, betonte der Sportdirektor. Das dies nicht erstrebenswert ist, weiß auch Eberl. Auch wenn er sich selber kein Zeitfenster bis zur Verpflichtung eines neuen Cheftrainers gesetzt hat, erscheint es realistisch, dass Interimstrainer André Schubert bei den kommenden vier Spielen gegen Augsburg (heute), beim VfB Stuttgart (26. September), beim Champions League-Spiel gegen Manchester City am nächsten Mittwoch sowie beim Heimspiel gegen Vizemeister VfL Wolfsburg am 3. Oktober verantwortlich sein wird. Danach steht eine 14-tägige Länderspielpause auf dem Programm, Borussias nächstes Pflichtspiel findet danach erst wieder am 17. Oktober bei Eintracht Frankfurt statt – genügend Zeit für einen neuen Chefcoach, sich einen ersten Überblick zu verschaffen und an einigen Stellschrauben zu drehen.

Derweil ist der Abgang von Lucien Favre weiterhin ein großes Thema. Auch Pep Guardiola hat sich gestern geäußert: „Ich habe größten Respekt vor Lucien Favre. Er ist einer der besten Trainer, die ich je getroffen habe“, sagte der Trainer von Meister Bayern München. „Wenn er diese Entscheidung getroffen hat, dann hat das einen Grund. Ich hoffe, dass er so schnell wie möglich eine neue Mannschaft übernimmt.“

(StadtSpiegel)