| 13.45 Uhr

Leidenschaft ist sein Motor

Leidenschaft ist sein Motor
Frank Boss Rezept, wie man alle seine Aufgaben unter einen Hut bekommt: „Es ist alles eine Frage der Organisation.“ FOTO: Andreas Baum
Giesenkirchen. Er war fünf Jahre lang Bezirksvorsteher Giesenkirchens, seine politische Karriere spannt sich nun aber bereits über 30 Jahre. Frank Boss ist seiner vielen Ämter aber keinesfalls müde. Ganz im Gegenteil: mit Leidenschaft und viel Elan geht er alle Aufgaben an. Wir trafen ihn zum Frühstück und plauderten über Politik, die kleinen Opfer, die man als Politiker für sein Privatleben bringen muss, Heimat, New York und Barack Obama. Von Yvonne Simeonidis


Giesenkirchen. Einen Termin mit Frank Boss zu bekommen, gestaltet sich etwas – wollen wir es einmal anspruchsvoll nennen. Der Giesenkirchener pendelt zwischen dem Landschaftsverband Rheinland in Köln, wo er CDU-Fraktionsgeschäftsführer in der Landschaftsversammlung Rheinland und zum anderen Vorsitzender des Bauausschusses ist, und Mönchengladbach.
 In der Vitusstadt ist er seit über zehn Jahren Vorsitzender des Sportausschusses, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, Ratsmitglied, Mitglied in der Bezirksvertretung Ost, ist Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverband Mönchengladbach Ost und und und... um all seine Aufgaben aufzulisten reicht der Platz nicht. "Mit den Jahren sind es einfach immer mehr geworden", erklärt Frank Boss, "mit wachsender Erfahrung hat man mir immer mehr zugetraut. Über zu wenig Arbeit kann ich mich in jedem Fall nicht beschweren", sagt er lachend.
Um wiederum all diesen Aufgaben gerecht zu werden, kommt es gern schon mal vor, dass er an einem Tag gleich mehrfach zwischen Köln und Mönchengladbach hin und herfährt. Wie kriegt man all das unter einen Hut, wollen wir wissen. "Es ist alles eine Frage der Organisation", verrät Frank Boss augenzwinkernd und nimmt einen Schluck von seinem Kaffee.

Wir treffen ihn zum gemütlichen Frühstück in seinem Haus in Giesenkirchen. Zwischen Käsebrötchen und Obstsalat erklärt er: "Man braucht in dem Job Leidenschaft. Die war von Anfang an mein Motor und ist es auch heute noch." Opfer an anderer Stelle gehören da allerdings dazu. "Das Privatleben steht immer ein wenig zurück, aber meine Familie hat mich da immer unterstützt und Verständnis gezeigt", betont der Giesenkirchener, der von seinem Stiefvater Werner Wolf – langjähriger Bezirksvorsteher Giesenkirchens – gelernt hat, was es heißt, bodenständig zu sein.

Haus und Garten bieten dem Politiker Entspannung in der Freizeit und Städtetouren sind das absolute Highlight für den aber trotzdem heimatverbundenen Boss – "so schön das Reisen ist, es gibt nichts Besseres als dann wieder nach Hause zu kommen". Bisheriger Höhepunkt war eine Reise nach New York, die er von seiner Familie zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. "Eine Hammerstadt! Ich habe mich sofort in New York verliebt. Die extremen Gegensätze von einer Straße zur nächsten sind einfach faszinierend." Auf die USA angesprochen, gerät Boss ins Schwärmen über US-Präsident Barack Obama. "Ich kann normalerweise gar nicht verstehen, wie Leute hinter Autogrammen Prominenter herjagen", gibt er zu, "aber bei Obamas erstem Wahlkampf hatte ich einen Freund, der damals gerade in den USA war, gebeten, mir ein Autogramm von Obama mitzubringen. Ich bewundere ihn sehr. Das hat leider nicht geklappt, aber ein Wahlkampfshirt hat er mir mitgebracht."
Frank Boss ist Lokalpolitiker mit Herzblut: "Es freut mich immer am meisten, wenn ich etwas tun kann, das dem kleinen Mann hilft." Das mag wie eine Platitüde klingen, die man schon von vielen Politikern gehört hat. Boss nimmt man sie ab. Spätestens dann, wenn er davon erzählt, wie er sich für den Erhalt des Giesenkirchener Seniorenheims einsetzt – "es gibt Dinge, die sind unantastbar" – oder sich an eine Gelegenheit erinnert, bei der er einer Familie unter die Arme greifen konnte, deren Sohn keinen Job fand.
Aus seinem Büro beim Landschaftsverband Rheinland blickt er auf die Skyline Kölns – Dom, Opernhaus und Altstadt liegen ihm da zu Füßen. Sein Herz schlägt aber für Giesenkirchen und Mönchengladbach. Hier ist er nicht nur politisch aktiv sondern auch in vielen Vereinen engagiert. Sei es als Ehrensenator der KG Botterblom, als Mitglied im Kaninchenzuchtverein, aktiver Schütze, Mitglied beim DJK/VfL Giesenkirchen oder Ehrenmitglied im Kleingartenverein. "Es ist einfach schön, wenn man eine Heimat hat, die einen erdet", betont er lächelnd.
Nach so vielen Jahren Lokalpolitik liegt es nah zu fragen, ob es für Frank Boss noch Karrieregipfel gibt, die er erklimmen möchte: "Ich fühle mich im Augenblick eigentlich am Zenit angekommen. In der Landesversammlung sind wir nach zehn Jahren Opposition wieder an der Regierung beteiligt, gleiches gilt für meine politische Arbeit hier in Mönchengladbach. Endlich haben wir Gestaltungsmöglichkeiten und das ist für mich als Politiker in gewissem Maße das Wichtigste."