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Gold für Ritter Johannes

Gold für Ritter Johannes
Borussia, Brauchtumsmesse, Bad in der Menge, Ritterschlag: Johannes van der Vorst hat 50 Jahre lang die Menschen in Mönchengladbach begleitet. FOTO: Franz Josef Ungerechts
Mönchengladbach (fju). Pfarrer Johannes van der Vorst, Bezirkspräses der hiesigen Schützen und Jäger, feiert am kommenden Sonntag, 11. März, sein Goldenes Priesterjubiläum. Unser Mitarbeiter Franz Josef Ungerechts, Mitstreiter von Johannes van der Vorst im Bruderrat, kennt den Priester schon lange und sprach vor dem Jubiläum mit ihm. Von Franz Josef Ungerechts

Johannes van der Vorst schlüpfte schon in viele Rollen: Er präsentierte sich als Don Camillo beim Stadtschützenfest und zeigte sich als Papst am Fenster seines Krankenzimmers im Maria Hilf. Er wurde von Otto von Habsburg zum Ritter geschlagen, von Borussias Präsident Rolf Königs als Borussenfreund ausgezeichnet und er ist Mensch der guten Tat. Vor allem aber ist der Geistenbecker Pfarrer ein guter Freund für viele, ein lustiger Mensch für das Brauchtum und ein guter Seelsorger für seine Gemeinden.

Beginnen wir das Gespräch mit "Mein Gott, Johannes, wie machst du das alles nur?" Du feierst nächste Woche Goldenes Priesterjubiläum und wirst im Juni 88 Jahre alt. Gibt es da ein Geheimnis?

Kein Geheimnis. Ich habe sicherlich die guten Gene meiner Mutter geerbt, die noch bis kurz vor ihrem 100. Geburtstag bei mir war. Und vielleicht gefällt dem Chef da oben meine Arbeit hier unten und er lässt mich noch einige Zeit in Ruhe arbeiten.

Viele Menschen entdecken erst spät ihre Berufung. Du warst bereits 38 Jahre alt, als du 1968 zum Priester geweiht wurdest. Bist du ein so genannter Spätberufener?

Eigentlich nicht, aber Du kannst es so nennen, wenn Du es willst. Den Wunsch, Priester zu werden, hatte ich bereits mit zehn Jahren. Klar, kann man das als jugendliche Schwärmerei abtun, doch der Wunsch blieb, der hatte sich so in mir gefestigt, dass ich ihn spät umgesetzt habe.

Du bist 1930 geboren, warst in den Kriegsjahren Schüler und musstest nach dem Krieg auch zu Hause Aufbauarbeit leisten. Eine schwere Zeit?

Natürlich. Im Krieg und der schlechten Zeit danach musste unsere Familie, wie so viele Menschen damals, Geld verdienen, um über die Runden zu kommen. Nach der Volksschule in Waldhausen und dem Besuch des Gymnasiums, ohne Abschluss, war ich zwei Jahre Hilfsarbeiter in einer Gärtnerei und habe Geld fürs Familienleben abgegeben. 1947 durfte ich eine kaufmännische Lehre in einem Textilbetrieb antreten. Dort blieb ich auch als späterer Angestellter bis 1960 und machte im Abendstudium mein Abitur nach, allerdings mit Schwächen in Mathe.

Und das war dann der Einstieg in deinen Traumberuf?

Ja, dieses Ziel hatte ich ja nie aus den Augen verloren. Und wenn ich heute zurückdenke, war es kein Fehler, das Leben viele Jahre als Arbeiter und Angestellter kennengelernt zu haben. Eben aus einer anderen Perspektive und das hat mir viel gebracht und noch mehr geholfen.

Kommen wir zum Heute. Du bist seit vielen Jahren dem Brauchtum sehr verbunden, den Schützen im Bezirksverband, den Karnevalisten und den Jägern in unserer Stadt. Was fasziniert dich am Brauchtum?

Brauchtum heißt für mich Heimatverbundenheit und ist Ausdruck von gelebter Tradition. Brauchtum wird bei uns in den Familien, in der Stadt, den Dörfern weitergegeben und dient so dem Zusammenhalt für uns Menschen. Zum Beispiel hatte ich zu den Schützen immer einen guten Draht, weil ich den sozialen Hintergrund der Schützenbruderschaften sehr schätze.

Nun feierst du am kommenden Sonntag dein 50-jähriges Priesterjubiläum?

Meine Pfarre Heilig Geist Geistenbeck hat da einiges vorbereitet und Gäste eingeladen. Ich weiß gar nicht, wer so alles kommt, aber alle sind willkommen. Aber meine Bitte ist: Macht nicht so viel Gedöns um meine Person. Ich habe nur das getan, was der Chef von mir erwartet hat.

Das Priesterjubiläum wird offiziell am 9. März im Aachener Dom gefeiert. Die Fest- und Dankmesse für Johannes van der Vorst wird am Sonntag, 11. März, um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche Heilig Geist in Geistenbeck gehalten.

(Report Anzeigenblatt)