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Junger Friseurmeister Gafur Göv zeigt soziales Engagement und frisiert Obdachlose kostenlos
Haare machen Leute

Mönchengladbach (df). Kleider machen Leute - dieses Sprichwort ist wahrlich keine leere Worthülse. In Anlehnung daran hat der Mönchengladbacher Jungunternehmer und Friseurmeister Gafur Göv bereits zwei Obdachlosen zu mehr Selbstwertgefühl verholfen. Er stattete sie nicht nur mit Klamotten aus, sondern verpasste ihnen auch einen neuen Haarschnitt - vor laufender Kamera. Von David Friederichs

Gafur Göv hat in seinen jungen Jahren schon einiges erreicht. Mit 19 machte er sich als Friseurmeister selbstständig, ist einer der jüngsten Jungunternehmer der Stadt. Gerade erst hat er nach dem Umbau seines Exklusiv Herrenstudios auf der Erzbergerstraße neu eröffnet. Doch der eigene Erfolg hat ihm dabei nicht den Blick für die vernebelt, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Er wollte etwas Gutes tun, mit seinem handwerklichen Können anderen Hilfe bieten. „So ist die Idee entstanden, Obdachlosen die Haare zu schneiden“, erinnert sich Gafur Göv.

Dass dabei aller Anfang schwer ist, wurde ihm dabei auch bewusst. „Wir sind mit unserer Idee auf die Obdachlosen zu gegangen, haben aber zunächst kein positives Feedback erhalten“, so Göv. Zu viel Skepsis schlug ihnen entgegen. Schließlich wollten sie ihr Anliegen mit einer Videokamera dokumentieren. Auch die Aussicht auf ein modisches Umstyling zeigte zunächst keinen Erfolg. Entmutigen lassen wollten sich Gafur Göv und sein Team davon aber nicht.

Eher durch Zufall wurde er im Mai vergangenen Jahres auf den Obdachlosen-Tagestreff im Bruno Lelieveld-Haus auf der Erzbergerstraße aufmerksam und machte dort einen neuen Anlauf. „Da haben wir dann Kontakte knüpfen und einen Obdachlosen finden können“, sagt Göv.

Gemeinsam ging es zunächst in einen Klamottenladen, um dort Anzug, Hemd und Krawatte zu besorgen. „Er konnte sich gar nicht dran erinnern, wann er das letzte Mal solch schicke Sachen hatte“, erinnert sich Göv.

Für den Dreh der außergewöhnlichen Friseuraktion hatte sich Göv nicht für den eigenen Salon entschieden, es ging stattdessen in eine alte Lagerhalle auf dem ehemaligen Reme-Gelände. Im weißen Anzug kümmerte sich der junge Friseurmeister nun um den Haarschnitt, während parallel dazu ein Graffiti-Sprayer das Logo des Salons auf ein Plakat zauberte. Insgesamt rund zehn Leute waren am Dreh beteiligt, der sich über einen Zeitraum von fast acht Stunden zog.

Fast schon perfekt inszeniert ist dann das große Finale. Denn als der Obdachlose sich vom Stuhl erhebt und den Umhang von seinen Schultern streift, kommt der Anzug zum Vorschein – und das Ergebnis des Umstylings ist verblüffend. „Man konnte die Freude in den Augen sehen. Er hatte sich vor vielen Jahren das letzte Mal so gesehen“, so Gafur Göv.

Mit einem zweiten Obdachlosen, zu dem ebenfalls im Bruno Lelieveld-Haus Kontakt aufgenommen wurde, wurde die Aktion wiederholt. „Wir haben beiden angeboten, sich auch in Zukunft bei uns kostenlos die Haare schneiden zu lassen, einer ist darauf zurückgekommen“, berichtet Göv. Sogar eine Wohnung hätte er gefunden. Für den Friseur ein klares Zeichen, dass seine Aktion ein voller Erfolg war, die ihn nun zu weiteren antreibt.

So sollen noch in diesem Monat gleich mehrere Obdachlose sofort auf der Straße frisiert werden. Mit einer Kiste als mobiler Stuhl, Umhang, Schere und Langhaarschneider werden sich Göv und seine Mitstreiter auf den Weg machen, um weiteren Leuten ein wenig Hoffnung zu schenken und ihr Selbstwertgefühl aufzuwerten

(Report Anzeigenblatt)