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Schüler des Gymnasiums am Geroweiher übten Konfliktbewältigung
Handeln, bevor es weh tut

Schüler des Gymnasiums am Geroweiher übten Konfliktbewältigung: Handeln, bevor es weh tut
Jan Spicher zeigt den Schülern, wie man unerwünschte Handgreiflichkeiten abwehrt und aus brenzligen Situationen raus kommt. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). Der Förderverein Gewaltfrei Lernen tourt mit einem schlauen Trainingskonzept durch deutsche Schulen. In dieser Woche übten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Geroweiher, wie man sich gegen Verbalattacken, tätliche Angriffe und Cybermobbing zur Wehr setzt. Von Ulrike Mooz

„Wenn mich einer anfasst und ich möchte das nicht, dann sage ich ’lass mich los, ich will das nicht’

, sagt Kerhigan aus der Klasse 6b des Gymnasiums am Geroweiher. Wie er hat die ganze 6b schon eine Doppelstunde Anti-Konflikt-Training hinter sich. Cybermobbing, Beleidigungen, Rempeleien - das ist die ruppige Wirklichkeit, mit der sich Schulkinder mitunter schon früh konfrontiert sehen. Die Folgen sind blaue Flecke und Schlimmeres und nicht selten auch Blessuren an der Seele. Konzentriertes Lernen ist dann kaum noch möglich. „In zwei meiner siebten Klassen gab es massive Mobbing-Probleme, deshalb habe ich beschlossen, die Trainer vom Verein Gewaltfrei Lernen an unsere Schule einzuladen“, sagt Margo Lilienthal, stellvertretende Schulleiterin.

Alle fünften bis achten Klassen bekommen nun je drei Doppelstunden, in denen sie lernen, sich gegen Verbalattacken, tätliche Angriffe und Cybermobbing zur Wehr zu setzen.

„Stellt euch mal alle selbstbewusst hin“, sagt Diplom-Sportwissenschaftler Jan Spicher, der die Kinder trainiert. Selbstbewusst, das sei gerade, aber entspannt und locker. „Sprecht dem Gegenüber in die Augen“, sagt der Trainer. Wer stark und selbstbewusst auftrete, werde seltener zum Opfer, erklärt er den Schülern, sowas könne man üben. Die 6b macht das gut, hat schnell raus, was der Unterschied zwischen einer schüchternen Körperhaltung mit hängenden Schultern und gesenktem Blick, provozierender Hochnäsigkeit und lockerem Selbstbewusstsein ist. „Muss ich jetzt immer, wenn ich auf der Straße bin, so eine Körperhaltung einnehmen?“, fragt Noah. Jan Spicher beruhigt ihn. Man dürfe ruhig auch die Hände in die Hosentasche stecken, aber man solle immer mal wieder dran denken, sagt er.

Die Kinder lernen, sich klar auszudrücken, in Worten und wenn es ein muss, auch mit Handgriffen, mit denen man sich aus unerwünschten Handgreiflichkeiten befreien kann. Und sie lernen, dass man in sozialen Netzwerken besser keine Fotos zeigt, die mehr preisgeben, als das Porträt - schon gar nicht welche, auf denen man nackt oder in kompromittierenden Situationen zu sehen ist.

„Manche Übungen sehen auf den ersten Blick gar nicht aus, wie Anti-Konflikt-Training“, sagt Klassenlehrerin Martina Buhrow. Zum Beispiel, wenn die Schüler in Gruppen puzzeln oder um die Wette Pingpong-Bälle durch Plastikpipelines rollen lassen. Dann geht es darum, im Team zu arbeiten - auch mit Mitschülern, die nicht zu den dicksten Freunden zählen. So lernen sie, niemanden auszugrenzen.

5 000 Euro musste für das Training mit insgesamt neun Klassen locker gemacht werden. Dafür hat Margo Lilienthal bei einem Wettbewerb der Sparda-Bank West mitgemacht, die zwei Drittel der Kosten übernommen hat. „Wir sind keine reiche Schule. Ohne die Sparda hätten wir das nicht stemmen können“, sagt sie. Den Rest haben der Förderverein und die Eltern bezahlt.

(Report Anzeigenblatt)
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