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Hauptsache glücklich

Hauptsache glücklich
Etwa 300 Hühner sorgen für Eiernachschub, manche wohnen im Hühnerstall, manche im Schlumpfhaus und andere in einem Bauwagen, der regelmäßig ein Stück versetzt wird. Alle leben artgerecht und haben viel Platz an der frischen Luft und „wenn sie mal ausbüxen ist auch nicht schlimm“, sagt Heike Dihs. FOTO: Isabella Raupold
Wanlo. Im Schatten großer Bäume am Rand von Wanlo duckt sich ein kleines geheimnisvolles Häuschen, in dem alle paar Minuten Menschen mit Einkaufstaschen verschwinden. In dem Miniaturlädchen gibt’s Leckeres vom Land und es funktioniert ganz ohne Verkaufspersonal. Von Ulrike Mooz

Leise glucksend läuft Petra über den Platz vor dem Wanloer Eier-Häuschen. Die schwarz gefiederte Henne stolziert bedächtig um ein paar hölzerne Gartenstühle und lässt sich ohne Widerstand von Heike Dihs auf den Arm nehmen. „Petra ist noch jung, das sieht man daran, dass der Kamm so winzig ist“, sagt Heike Dihs. Pöllen heißen so junge Hennen, die - wenn überhaupt - erst ganz kleine Eier legen.

Heike Dihs betreibt zusammen mit dem Nachbarbauern das Eier-Häuschen, ein kleines Bauernlädchen mit Selbstbedienung, in dem es Eier von glücklichen Hühnern gibt, aber auch selbst gemachte Marmelade, Honig und Gemüse und Obst der Saison. Im Moment sind das leuchtend orange Kürbisse, Kartoffeln, Porree, Weißkohl, Äpfel, Birnen und Pflaumen.

Das Lädchen funktioniert auf Vertrauensbasis: Die Kunden tragen auf einer Karte ein, was sie gekauft haben, tun die Karte zusammen mit dem Geld in einen Umschlag und werfen das Ganze in eine Box ein. Wenn das Gemüse knapp wird, kommt der Bauer vorbei und bringt Nachschub. Die Preise sind moderat und die Kunden treu, obwohl viele die Betreiber des Häuschens gar nicht kennen.

„Viele Diebstähle gab es noch nicht“, sagt Heike Dihs, „die Nachbarn haben alles im Blick“. Nur einmal sei nachts das ganze Häuschen ausgeräumt worden, seitdem gibt es Videoüberwachung.

Angefangen hat alles mit dem Wunsch, den Hühnern ein schönes artgerechtes Leben möglich zu machen. Wenn das eine oder andere Huhn dann mal seine ganz eigenen Wege geht, ist deshalb auch nicht gleich Alarm. So hatte Heike Dihs schonmal ein „Zirkushuhn“, das wie ein Hund, Brotstückchen aus der Luft fangen konnte und ein anderes hatte entdeckt, wie es aus dem Gehege raus kommt und per Lichtschranke und automatischer Türöffnung in der benachbarten Tierarztpraxis ein und aus gehen konnte, wie es wollte. „Da Hühner ja nicht besonders groß sind, hat man oft nicht gesehen, wieso sich die Türen wie von Geisterhand öffneten“, lacht Heike Dihs.

(Report Anzeigenblatt)