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Nachbarn der Minto-Baustelle halten die nächtliche Lärmbelästigung nicht mehr aus
Hauptsache weg hier!

Nachbarn der Minto-Baustelle halten die nächtliche Lärmbelästigung nicht mehr aus: Hauptsache weg hier!
Kathrin Nellen kriegt wegen des nächtlichen Baulärms kaum noch ein Auge zu und ist wegen Schlafstörungen in Behandlung. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). An Nachtruhe ist seit Monaten für die Anwohner an der Minto-Baustelle kaum noch zu denken. So manch einer ist schon weggezogen. Von Ulrike Mooz

Bei Kathrin Nellen helfen keine Ohr-stöpsel, der Lärm ist viel tiefgreifender: „Ich lebe im Rhythmus des Baulärms“, sagt sie. Fernsehen guckt sie oft nur als Stummfilm, das Telefon hat sie schon mehrfach überhört, obwohl ihre Wohnung nur klein ist. Mit großen bemannten Schleifmaschinen werden auf der anderen Straßenseite mit Höllenlärm nächtelang Betonböden abgeschliffen - seit Monaten. Mal vom frühen Abend bis in die tiefe Nacht, mal von Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden. Begleitet wird der Lärm von taghellen Scheinwerfern.

Kathrin Nellen wohnt an der Hindenburgstraße genau gegenüber der Stelle, wo früher der Lichthof war. Ihre Wohnung ist komplett vorne raus. Ausweichen kann sie nicht. Zu Anfang gab es mal Ankündigungen an die Anwohner, wenn nachts gearbeitet wurde, aber nicht mal die bekommen die Nachbarn der Baustelle mehr. Oder wenn, dann erst nachträglich, nachdem sie sich wieder einmal beschwert haben und die Nachtarbeitsphase schon im Gang oder bereits vorbei ist.

Nachbarin Monika Hartmann hat zwar ihr Schlafzimmer hinten raus, aber das macht es nicht besser. Sie verbringt zwei Drittel der Woche bei Bekannten, kommt nur immer kurz nach Hause, um ein paar Sachen zu regeln und den dicken Staub wegzuwischen, der täglich durch die Fensterritzen in die Wohnung dringt. „Ich bin ja fast gar nicht da und trotzdem ist die Wohnung jedes mal wie gepudert“, sagt sie. Zwei der Hausbewohner sind schon weggezogen.

Kathrin Nellen hat schon oft mit dem Ordnungsamt telefoniert. „Die Jungens sind nett und haben viel Mitgefühl“, sagt sie, aber die könnten nichts machen, solange für die Baustelle Sondergenehmigungen vorlägen. Eine angesetzte Lärmemissionsmessung brachte nichts, weil ausgerechnet in der Nacht auf wundersame Weise Stille war. Auch bei der „Meckerstelle“ des Oberbürgermeisters waren Kathrin Nellen und Monika Hartmann schon. „Da hatten wir wirklich den Eindruck, dass jetzt was passiert, auch weil wir ja einen neuen Oberbürgermeister haben“, sagen die Frauen. Eine Reaktion hatten die Frauen vom Amt für Umweltschutz und Entsorgung erwartet. Aber nichts passierte. Auf die Frage, warum nicht nachts Beton gegossen und tagsüber geschliffen wird, statt umgekehrt, bekam Kathrin Nellen von der Baufirma die rätselhafte Antwort, dass dafür das Personal fehle.

Wenn solche Zumutungen bei städtischen Baustellen sind, dann gibt es Entschädigungen oder vorübergehende Unterbringungen in Hotels - schon für viel geringere Belastungen - hat Kathrin Nellen in Erfahrung gebracht. Die Minto-Baustelle sei aber nicht städtisch und deshalb habe die Stadt keine Handhabe. „Wenn mir einer eine neue Wohnung anbieten würde oder eine Entschädigung, mit der ich umziehen könnte…“, wünscht sich Kathrin Nellen. „Hauptsache weg hier!“

Inzwischen ist sie wegen Schlafstörungen in Behandlung, nimmt Tabletten zum Einschlafen und hat seit ein paar Tagen einen leichten Tin

nitus.

(Report Anzeigenblatt)