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Der Weiße Ring erinnert heute an die Opfer von Kriminalität / Rund 500 mal ehrenamtliche Hilfe im Jahr
Hilfe gibt es, wenn das Opfer das möchte

Der Weiße Ring erinnert heute an die Opfer von Kriminalität / Rund 500 mal ehrenamtliche Hilfe im Jahr: Hilfe gibt es, wenn das Opfer das möchte
„Der Weiße Ring setzt sich seit Jahren dafür ein, dass auch psychisch geschädigte Opfer von Kriminalität unter das Opferentschädigungsgesetz fallen“, sagt Werner Bredies, Außenstellenleiter des Weißen Rings. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). Heute ist Tag der Kriminalitätsopfer. Der Aktionstag wurde vom Weißen Ring, dem Verein für Kriminalitätsopferhilfe, ins Leben gerufen. Von Ulrike Mooz

Rund 500 Mal im Jahr helfen Werner Bredies, Außenstellenleiter des Opferhilfevereins Weißer Ring, und seine Vereinskollegen ehrenamtlich Opfern von Kriminalität. Manchmal geht es dabei um telefonische Beratung, mal um mentale Unterstützung – etwa vor Gericht, oder auch um finanzielle Hilfe. „Wir können keinen Schaden wieder gut machen“, sagt Werner Bredies, der gleichzeitig Polizist ist und damit „an der Quelle“ sitzt. Wenn zum Beispiel eine Rentnerin in ihrer Wohnung durch Trickbetrüger um ihre Rente gebracht werde, dann könne der Weiße Ring nicht die ganze Rente ersetzen, wohl aber 100 Euro spenden, damit wenigstens der Kühlschrank gefüllt ist.

Vom Rechtsberatungsschein für anwaltliche Erstberatung, über finanzielle Soforthilfe bis zur Vermittlung an die Traumahilfe ist der Weiße Ring so gut vernetzt, dass er jede Art von Hilfe selbst leisten kann oder Kontakte hat, wo spezielle Hilfe zu bekommen ist. „Ich bin kein Seelsorger und kein Rechtsberater“, sagt Bredies, der Weiße Ringe könne Beistand leisten, sei aber kein Erstversorger.

Seit es das Opferentschädigungsgesetz gebe, hätten Opfer körperlicher Gewalt einen Anspruch auf eine Entschädigung. Der Weiße Ring kämpfe darum, dass auch psychische Schäden mit in die Verantwortung genommen werden. „Man sieht den Menschen nicht an, welche Geschichten sie mit sich herum tragen“, sagt Werner Bredies. Einbruchsopfer etwa würden total unterschiedlich reagieren. Manche würden die Wäsche nicht mehr benutzen wollen, in der der Einbrecher gewühlt habe, andere könnten in dem ganzen Haus nicht mehr leben. „In der Regel sind die Menschen traumatisiert und stecken das Trauma dann in irgendeine Schublade“, so Bredies. Und durch irgend eine Situation könne die Schublade jederzeit wieder auf gehen. Der Weiße Ring mache sich seit Jahren dafür stark, dass auch diese Opfer oder zum Beispiel Stalking-Opfer einen Anspruch auf Entschädigung hätten.

Hilfe vom Weißen Ring müssen die Opfer aber selbst erfragen. Sich nach einer Ausnahmesituation als Fremder aufzudrängen, gehe gar nicht, so Bredies. In der Regel würde die Polizei, wenn sie gerufen werde, aber auf diese Möglichkeit hinweisen.

Eine Anzeige ist übrigens keine Voraussetzung. Hilfe gibt es auch so.

(Report Anzeigenblatt)