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Internet-Allergie ist tödlich

Internet-Allergie ist tödlich
Die Attraktivität der Innenstädte hat auch damit zu tun, wie mit dem Thema Online-Handel umgegangen wird. FOTO: Ulrike Mooz
Mönchengladbach. 18 Monate lang haben die Hochschule Niederrhein, die städtische Wirtschaftsförderung und die Citymanagements die Auswirkungen des Online-Handels auf die Innenstädte am Beispiel von Mönchengladbach und Rheydt untersucht. Jetzt liegt das Ergebnis vor. Von Ulrike Mooz

Nicht jedes Produkt und jedes Geschäftsmodell eignet sich für den Online-Handel, aber eine Internet-Präsenz sollte doch jeder Laden auf jeden Fall haben - das ist stark verkürzt das Ergebnis des Projektes „mg.retail2020“, das 18 Monate lang die Auswirkungen des Online-Handels auf die Innenstädte in NRW am Beispiel von Mönchengladbach und Rheydt untersucht hat und jetzt Handlungsempfehlungen gibt. „An der digitalen Präsenz des Handels führt kein Weg vorbei - alles andere ist geschäftlicher Selbstmord“, sagt Professor Dr. Gerrit Heinemann vom eWeb Research Center bei der Hochschule Niederrhein.

Dass so manch einen Geschäftsinhaber förmlich die Internet-Allergie plagt, ist wohl ebenso wenig ein typisches Gladbacher Phänomen, wie Geschäfte, die zwar eine ganz hübsche Internetseite vorweisen können, sie aber oft stiefmütterlich behandeln, so dass der Kunde dort veraltete Ware findet.

Diejenigen, die dem Internet-Handel fast feindselig gegenüber stünden, ihn für alle Einbußen verantwortlich machten und förmlich aggressiv auf alles reagierten, was digital sei, seien in der Regel auch die, die generell das ganze Umfeld für geschäftliche Misserfolge verantwortlich machten, so Professor Heinemann. „Dabei ist das Thema Online-Handel nur ein Katalysator für viele Dinge, die in der Vergangenheit falsch gelaufen sind“.

Online einkaufen sei für alle befragten Innenstadt-Besucher durchweg attraktiver gewesen, als der Einkauf in der City (Umfrage fand vor der Minto-Eröffnung statt). Das sei das unmissverständliche Ergebnis einer Umfrage im Rahmen des Projektes, so Dr. Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. „Spätestens jetzt sollte die Notwendigkeit eines Umdenkens für den stationären Händler deutlich sein“, so Professor Dr. Silivia Zaharia, Geschäftsführerin des eWeb Research der HN. Kaufkanäle hätten sich verändert, würden verschwimmen zwischen online, stationär und mobil. Der Handel sei gezwungen, sich damit - schnell - auseinander zu setzen, wolle man auch zukünftig noch lebendige Innenstädte haben. In Mönchengladbach haben das auch viele Händler schon getan, einige betreiben sogar bereits zusätzliche Online-Shops. Viele sind bei dem Thema aber auch noch ganz am Anfang.

Die fertige Studie enthält eine siebenstufige Empfehlung für den Einzelhandel. Der soll von der eigenen Homepage bis zur Teilnahme an einer lokalen eBay-Plattform oder den eigenen Online-Shop an die Möglichkeiten des Web herangeführt werden. „Wir müssen die Händler an die Hand nehmen“, so Dr. Christoph Hartleb, Vorsitzender vom

City-Management Rheydt.

(Report Anzeigenblatt)