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Internet: Tempo-Rausch mit diesem Faden

Internet: Tempo-Rausch mit diesem Faden
Die Glasfaser ist so dick wie drei Zeitungsseiten. FOTO: schrö
Mönchengladbach. Der 52-jährige Produktingenieur Michael Oellers hält in seinem Büro am Ohlerkamp den orangefarbenen Faden in die Höhe, gerade mal drei Zeitungsseiten dünn. „So sieht eine Glasfaser aus.“ Die Zukunft des Internets. 150 Laserstrecken nebeneinander in diesem Nichts von einem Garn. Vier Spielfilme in hochauflösender Qualität aufnehmen, einen gucken - das geht damit schon jetzt. Oder: Operationen übertragen, den Heizkessel von weitem steuern und vom Supermarkt aus zu Hause nachgucken, was im Kühlschrank fehlt. Von Klaus Schröder

Und der nächste Schritt? Die Glasfaser nur noch als Hülle, durch die Informationen in Lichtgeschwindigkeit stürzen, Hunderttausende Kilometer schnell. Michael Oellers sagt die Zukunftssicherheit der Glasfaser voraus, „Für die nächsten fünfzig bis hundert Jahre.“ Oellers muss es wissen. 1986 hat er angefangen, sich mit diesem Transportmittel zu befassen, im Kabelwerk Mönchengladbach. „Damals begann der kommerzielle Aufbruch dieser Technik.“ Warum hängt Deutschland dann heute international im Mittelfeld fest? „Zu wenig Wettbewerb. Der ehemalige Monopolist hat jahrelang auf Kupferleitungen gesetzt. Aber jetzt passiert was.“ Die Deutsche Glasfaser, Unitymedia und auch die Telekom machen Tempo. Die Bürger in den Randbezirken mit schlechter Anbindung entscheiden sich für eine digitale Aufholjagd. Die Stadt hat die Parole „Gigabit-City“ ausgegeben, der strategische Gedanke: Moderne Infrastruktur zieht moderne Unternehmen nach Mönchengladbach. Das Land gibt 150000 Euro für einen Breitband-Koordinator, der Investoren betreuen soll. „Wir brauchen schnelle Verbindungen auch zur Sicherheit“, sagt Michael Oellers, „Informationen müssen ’gespiegelt’ werden, also zweimal vorhanden sein, wenn etwa ein Serverpark ausfällt.“

Ein anderes Problem: „Es gibt zu wenig Faser-Material. Der Bedarf in Asien steigt enorm.“ Nächste Sorge: Der Nachwuchs. „Das Interesse hält sich in Grenzen.“ Michael Oellers will das ändern. Er arbeitet mit großen Telekommunikationsfirmen zusammen, berät Kliniken und TV-Anstalten und macht sogar Quereinsteiger fit.

(StadtSpiegel)