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Trotz Bahnstreiks kamen einige doch mit der Bahn ans Ziel/ Berufspendler versuchten erst gar nichts
Irgendwie ging doch noch was

Trotz Bahnstreiks kamen einige doch mit der Bahn ans Ziel/ Berufspendler versuchten erst gar nichts: Irgendwie ging doch noch was
Immerhin: in die meisten Richtungen fuhr am Donnerstag noch irgendwann ein Zug. FOTO: David Friederichs
Mönchengladbach (um/df). Millionen Bahnreisende guckten bis gestern Abend in die Röhre oder besser auf leere Anzeigetafeln. Der Extra-Tipp hat auf dem Mönchengladbacher Hauptbahnhof nachgesehen, wie die Lage ist. Von Ulrike Mooz

Wer erwartet hatte, dass der Bahnstreik zu verwaisten Bahnhöfen führt, der wird in Mönchengladbach am Donnerstagabend „enttäuscht“. Zwar müssen Millionen Bahnkunden ihre Pläne ändern, aber irgendwie geht doch noch einiges. Wir haben zwischen 17 und 19 Uhr nachgesehen, wie die Lage zu der Zeit ist, zu der normalerweise die Berufstätigen pendeln. Sechs Regionalbahnen und eine S-Bahn sind zwischen 17.45 Uhr und 18.22 Uhr ausgefallen, aber es fahren noch welche nach Aachen, Venlo, Dalheim, Duisburg, Koblenz und Hamm. Dank Bahn-App und Internet sind viele Reisende so gut informiert, dass sie nicht länger warten müssen, als es für Bahnreisende sowieso „normal“ ist. „Heute morgen bin ich ganz normal von Düsseldorf nach hier gekommen“, sagt Student Abdel Hakim, der an der Hochschule Niederrhein studiert. Mit dem Rückweg hapert es dann aber ein bisschen. Er gehört zu den wenigen, die noch Verständnis für die streikenden Lokführer haben. „Was die machen, ist konsequent“, sagt er, auch wenn es leider auf dem Rücken der Bahnreisenden passiere, die nichts dafür könnten. Besser wäre es gewesen, sich mal vernünftig an einen Tisch zu setzen, findet er. Trotzdem hat Hakim insgesamt von dem Chaos bei der Bahn so die Nase voll, dass er sich jetzt wieder ein Auto kaufen will.

Dagmar Windhausen und Jens Reinwarth wollten auf ein Konzert nach Krefeld. Sie haben stündlich im Internet geguckt und sind guter Hoffnung, dass es klappt mit der Bahnfahrt. Was die GDL macht, können sie nicht nachvollziehen. „Dass da was nicht stimmt, sieht man ja schon daran, dass selbst die eigenen Leute teilweise schon dagegen sind“, sagt Jens Reinwarth. Das habe ja mit Tarifkampf gar nichts mehr zu tun. „Für die Lokführer habe ich schon Verständnis, aber nicht für die GDL“, sagt auch Dagmar Windhausen.

Das Verständnis ist den Studentinnen Tharsika Thavarasa und Steffi Olesch inzwischen abhanden gekommen. Die beiden wollen auch nach Krefeld - an die Hochschule. Dass überhaupt Züge fahren, sei wenigstens etwas, finden sie.

Berufspendler Harald Thevessen hat wie die meisten anderen Pendler gar nicht erst versucht, mit der Bahn zu fahren. Mit dem Bus von Erkelenz hat es eine Dreiviertel Stunde länger gedauert als sonst. „Hauptsache, man kommt überhaupt weg“, sagt er. Für die Streikenden hat er kein Verständnis. „Da geht es ja nicht um mehr Geld, das scheint ja nur noch ein Machtkampf zu sein“, sagt er. Es könne einfach nicht sein, dass ein paar Leutchen halb Deutschland lahm legen.

(Report Anzeigenblatt)