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Jazz mit Hut und Herz

Jazz mit Hut und Herz
Jazzer Walter Maaßen 2015: Er spielt Trompete, Euphonium und Mundharmonika. FOTO: Andreas Baum
Er steht seit 63 Jahren auf der Bühne und es gibt kaum einen Gladbacher, der ihn nicht kennt: Jazz-Veteran Walter Maaßen hat gestern „gerundet“, wie der Niederrheiner so schön sagt. Extra-Tipp-Redakteurin Ulrike Mooz hat sich zum 80. Geburtstag mit ihm getroffen. Von Ulrike Mooz

Extra-Tipp: Erstmal herzlichen Glückwunsch! Wenn Sie 80 sind und seit 63 Jahren auf der Bühne stehen, haben Sie also mit 17 mit dem Jazz begonnen.

Walter Maaßen: Ja, 1952 bekam ich von meinem Onkel eine gebrauchte Trompete geschenkt. Vorher hatte ich ein bisschen Klavier gespielt, aber damit konnte ich mich nicht so ausdrücken, wie ich gerne wollte.

Sie wollten Musik machen, die aus dem Bauch kommt...

Jazz mit Herz - das ist auch heute noch mein Stil.

Wie kam es, dass der New Orleans-Jazz Sie gepackt hat?

Ich habe als Jugendlicher viel RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor, Anm. d. Redaktion) Berlin gehört und da hat mich der Jazz wie eine Infektion getroffen.

Jazz war damals in Deutschland noch Neuland, oder?

Bei uns galt er auch sieben Jahre nach dem Krieg noch als „Negermusik, die man verbieten“ sollte. Jazzer waren „Revoluzzer“. Wir sind damals in ausrangierten GI-Parkas rumgelaufen, die wir im Militaryshop am Düsseldorfer Carlsplatz gekauft haben. Das fanden viele nicht gut.

Was hat man denn damals gehört?

Die Älteren oft Marschmusik und sonst Schnulzen. Rudi Schuricke zum Beispiel mit „Bella Marie“.

Hatten Sie Musikunterricht?

Nein, ich habe mir alles selbst beigebracht. Ein paar grundsätzliche Tipps habe ich von besagtem Onkel Hubert - „Hüppa“ - bekommen, der war Militärmusiker. Und ich konnte vom Klavierspiel ein bisschen Noten lesen. Aber eigentlich braucht man die ja nicht, der Jazz lebt ja von der Improvisation.

Wie lang hat es gedauert bis zur ersten Band?

Schon im ersten Jahr habe ich mich mit meinem Freund Dieter Biener zusammen getan. Dann kamen noch ein Pianist, der Banjospieler Frank Bahr und ein Drummer dazu. Das passierte alles schon in den ersten ein bis zwei Jahren. Da waren wir noch die „Vitus Jazzmen“.

Gab es da schon Auftritte?

Der erste war beim Sommerfest des Roten Kreuzes in Wegberg. Sowas wie Fahrtkostenerstattung oder Honorar gab es damals nicht. Wir sind für Kartoffelsalat und Bier vor 80 Leuten aufgetreten. Wir mussten alle Stücke zweimal spielen, weil unser Repertoire so klein war.

Sie sind ja bekannt dafür, dass Sie sehr viele Benefizkonzerte, vor allem mit der jetzigen „Walter’s Original Borderland Jazzband“ gegeben haben.

Manche nennen mich sogar den Benefiz-Walter, aber das macht mir nichts. 1959 Haben wir mit einem Konzert für den Humanisten und Urwaldarzt Dr. Albert Schweitzer und sein Projekt in Lambarene gespielt. Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich auf unsere Spende von damals 400 Mark eine Antwort in Form eines Dankes-Briefes von Albert Schweitzer bekam, den ich sehr in Ehren halte. Zu der Zeit habe ich beschlossen, dass ich nur noch vor Ort und für hiesige Projekte sammeln möchte.

Wie oft haben Sie seitdem für den guten Zweck auf der Bühne gestanden?

Da muss ich rechnen. So 1 500 Konzerte werde das schon gewesen sein.

Sie haben viele berühmte Gast-Musiker nach Gladbach geholt, Wie kamen Sie an die?

In der Jazz-Szene kennt man sich. Wir waren auf vielen Festivals, haben von São Paulo bis Haugesund in Schweden und immer wieder New Orleans viele Auftritte gehabt.

Denken Sie an musikalischen Ruhestand?

Nein, man muss mit der magischen Zahl 80 vorsichtig operieren, aber solange mir die Puste nicht ausgeht, spiele ich weiter - so Gott will. Inzwischen am liebsten Gospels, Hymnen und Balladen.

Danke für das Gespräch.

(Report Anzeigenblatt)
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