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Jeder Neuanfang ist schwer

Jeder Neuanfang ist schwer
Prokurist Matthias Merbecks und die Geschäftsführer des Volksvereins Wilfried Reiners und Hermann-Josef Kronen (von links) blickten auf ein herausforderndes Jahr zurück. FOTO: Isabella Raupold
Rheydt. Der Volksverein blickt auf ein Jahr voller Neuanfänge zurück, hält Eddi Erlemanns Erbe aufrecht, muss aber leider auch ein Defizit vermelden. Man ist aber auf gutem Wege Richtung schwarze Null. Von Yvonne Simeonidis

Man kann mit so viel Schwung und Elan in einen Neuanfang starten wie man möchte: eine Neuausrichtung, ein Neustart, vor allem einer, wie er der Volksverein nach dem Tod seines Mitbegründers, langjährigem Weggefährten und Vorsitzenden Edmund „Eddi“ Erlemann vollziehen musste, ist immer schwer. „Das Thema Arbeitslosigkeit, respektive der Arbeitsmarkt im Allgemeinen, ist aus der politischen Diskussion fast gänzlich verschwunden“, stellt Hermann-Josef Kronen, Geschäftsführer Volksverein, bedauernd fest. Und das obwohl die Situation besonders in Mönchengladbach nach wie vor für sehr viele Menschen sehr prekär ist. Fast jeder fünfte Mönchengladbacher bis 64 Jahre lebt ausschließlich von Hartz IV. Bei den Jugendlichen unter 18 Jahren ist es sogar jeder Dritte. Im Landesschnitt liege die SGBII-Quote bei 11,5, in Mönchengladbach gar bei 18,5 Prozent. Bei den Jugendlichen liegt sie in der Vitusstadt bei über 30 Prozent, während im Land 17,9 Prozent zu Buche schlagen. Dies sind Zahlen, die sich in Mönchengladbach leider seit Jahren auf hohem Niveau einpendeln.

Der Volksverein arbeitet mit einer Vielzahl von Programmen daran, den Langzeitarbeitslosen neue Perspektiven aufzuzeigen, sie ganz praktisch in die Arbeitswelt zurückzuführen, aber auch psychologische Unterstützung zu bieten und ganz konkrete Alltagshilfe zu leisten. Und das mit Erfolg: Im vergangenen Jahr sind von denjenigen, die aus den Programmen des Volksvereins ausgeschieden sind, so viele wie noch nie in eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle oder weitergehende Qualifizierung vermittelt worden – 66 von 187.

Doch so erfreulich dies, die Zertifizierung des hauseigenen Rapsöls und viele weitere Aktionen sind, der Volksverein kämpft. Trotz roter Zahlen haben sich die Gesellschafter des Volksvereins und die Stiftung Volksverein dazu entschlossen, die Holzwerkstatt fortzuführen. „In der Werkstatt wird so wichtige Arbeit gemacht“, betont Volksverein Geschäftsführer Wilfried Reiners, „auch wenn wir dort nicht wirtschaftlich arbeiten können, bieten wir unseren Klienten dort Arbeitsmöglichkeiten und auch Ausbildungsstellen.“

Auch neue Festeinstellungen wie ein Elektriker, ein Fahrer, der neben seiner Haupttätigkeit auch anlernt, eine Mitarbeiterin, die die Versorgung der Kleiderläden koordiniert und mehr schlagen in der Bilanz zu Buche. Und auch der Verlust Eddi Erlemanns als großem Sprachrohr, Fürsprecher und Spendensammler schmerzt.

„Wir hoffen nach dem Defizit (knapp 154 000 Euro), das wir in diesem Jahr leider zu beklagen haben, für das nächste Jahr zumindest in die Nähe der schwarzen Null zu kommen“, zeigt sich Kronen zuversichtlich. Dies sei nicht einfach, müssen doch etwa 17 Prozent der jährlich benötigten Summe, etwa 400 000 Euro, durch Spenden aufgebracht werden. „Wir sind darauf angewiesen, dass Solidarität gelebt wird“, bekräftigt denn auch Matthias Merbecks, Leitung Sozialdienst und Prokurist beim Volksverein.

(Report Anzeigenblatt)