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Schauspielerin Judith Döker hat ein Buch über ihre Zeit in Mumbai geschrieben
Es kommt, wie es kommen soll

Judith Döker in Bollywood
Judith Döker während ihrer Zeit in Indien. FOTO: Claudia Richter
Mönchengladbach/Indien. Judith Döker, in Mönchengladbach aufgewachsen und als Schauspielerin bekannt aus Fernsehserien wie "Weibsbilder" und "Tatort", hat ein Buch über ihre Erfahrungen in Indien geschrieben, wo sie zwei Jahre lebte. Der Extra-Tipp verlost drei Exemplare. Von Christina Reineke

"Ich steckte in einer privaten und beruflichen Krise und wollte einfach was ganz anderes aus meinem Leben machen." Das "etwas anderes machen" ausgerechnet zwei Jahre Indien bedeutete, war der Schauspielerin Judith Döker, die in Mönchengladbach aufwuchs, zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Bekannt aus Fernsehserien wie "Weibsbilder" oder "Tatort" ergab sich für sie plötzlich die Chance nach Bollywood zu gehen und darüber eine Dokumentation fürs ZDF zu drehen, nachdem andere neue Projekte platzten.
Döker hoffte heimlich auf eine Schauspielkarriere in der Welt voller bunter Gewänder, großer Gefühle und wilder Tänze. Drei Wochen begleitete sie ein Kameramann nach Mumbai. Dort erfuhr sie, was sie vorher nur theoretisch wusste: Während mehr als die Hälfte der Bevölkerung im Slum lebt, werden Bollywood-Filmstars wie Götter verehrt, haben einen sogenannten "Spot-Boy", der den Saft reicht und den Schweiß von der Stirn tupft, bevor er am Ende des Tages auf der Fußmatte – vor der Tür – schlafen darf.

Zunächst genießt Döker den Kulturschock und saugt die neuen Eindrücke auf. Schnell muss sie allerdings feststellen: Bollywood-Filme werden auf Hindi und nicht auf Englisch gedreht – ein wohl unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zur Schauspielkarriere in Indien. Und dann ist auch das ZDF nicht mehr an ihrer Dokumentation interessiert.  So reist Döker wieder zurück nach Deutschland, um ermutigt durch Freunde und Familie wieder nach Indien zurückzukehren, ohne einen direkten beruflichen Plan dort zu verfolgen – und dann findet sie die Liebe...

Mit feinem Humor und guter Beobachtungsgabe beschreibt Döker in ihrem Buch "Judith goes to Bollywood – Wie ich in Indien den großen Erfolg suchte und die Liebe fand" auf 316 Seiten, wie sie sich in dieser Welt erst einmal zurechtfinden muss, in der sich kaum jemand an Verabredungen hält, und in der Zwangsehen zur Tagesordnung gehören. Sie trifft sich mit Regisseuren, Produzenten und Schauspielkollegen – echten Bollywoodstars und solchen, die es noch werden wollen, und mit jeder Begegnung erfährt sie mehr über die indische Kultur und damit auch mehr über ihre eigenen Wurzeln. Döker wird schnell klar, dass sie das pralle Leben außerhalb der Filmblase aber sehr viel interessanter und vor allem sympathischer findet. Mit viel Mut und großer Neugier lässt sie sich in ihrer nächsten Etappe einfach vom Leben treiben.

"Es gibt einen Spruch, den man in Indien immer und überall zu hören bekommt: "Everything will fall into place." Frei übersetzt bedeutet das "Alles wird so kommen, wie es kommen soll." Dieses Vertrauen habe ich während der zwei Jahre in Mumbai wirklich verinnerlicht. Heute mache ich mir weniger Sorgen um die Zukunft, ich genieße den Moment und bin dankbar für das, was ich habe," erzählt die Schauspielerin, die mittlerweile wieder in Berlin lebt. Nach zwei Jahren habe sie festgestellt, dass sie sich auf Dauer kein Leben in Mumbai vorstellen könne. "Arm und Reich, Tradition und Moderne prallen dort mit solch einer Wucht aufeinander, wie ich es zuvor noch nie gesehen habe. Auch die familiäre Situation meines Freundes war nicht einfach für uns. Trotzdem schlägt mein Herz für dieses Land und für die Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Ich werde mit Sicherheit noch oft dorthin zurückkehren."

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