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Kinder raus auf die Straße?

Kinder raus auf die Straße?
Die Kinder sollen lernen, sich im Straßenverkehr zurecht zu finden. Das geht nur mit üben. FOTO: Petra Käding
Mönchengladbach. Sechs Gladbacher Grundschulen haben diese Woche am Goldi-go-Testlauf teilgenommen. Darunter die Katholische Grundschule Nordstraße. Ziel des Projekts ist es, die Kinder bereits ab der ersten Klasse "verkehrstüchtig" zu machen. "Gute Sache", sagen die einen, "zu früh", finden die anderen. Der Extra-Tipp hakt nach. Von Petra Käding

"Wir leben nun mal in Mönchengladbach. Die Kinder müssen lernen, sich hier zurechtzufinden!" Monika Müller, Lehrerin und Fachberaterin Verkehrserziehung, ist überzeugt vom Goldi-go-Grundschul-Projekt und begeistert vom Erfolg und der Resonanz auf den ersten Testlauf. Die Erstklässler der Katholischen Grundschule Nordstraße seien hin und weg gewesen, als Maskottchen Goldi das Material gebracht habe: Klassenplakate- mit 150 Turnschuhen zum Ausmalen, ein Goldi-go-Schulplakat und viele goldene Turnschuh-Aufkleber.

Und am Montag ging's ja auch schon los. Fast alle Kinder haben sich in dieser Woche zu Fuß, mit Fahrrad oder Roller auf den Schulweg gemacht, manche mit ihren Eltern, manche per "Walking Bus", also auf verabredetem Weg mit anderen Kindern und Eltern, welche an Elternhaltestellen bereitstehen und die täglichen "Schul-Läufe" begleiten.

Die Belohnung für die Kids: Ganz viel Spaß und Bewegung unterwegs – und in der Klasse die Ehre, einen Turnschuh auf dem Klassenplakat ausmalen zu dürfen, um gemeinsam mit den Mitschülern Punkte für das Goldi-go-Ziel zu sammeln. Für zehn ausgemalte Turnschuhe hat's dann jeweils einen Aufkleber fürs große Sammelplakat gegeben. 75 Aufkleber als Ziel mal zehn Punkte – Taschenrechner raus – das sind 750 "bewegte Schulwege"!

Positiver "Nebeneffekt": Die Kinder haben verschiedene Verkehrssituationen kennengelernt – und die Elterntaxen nicht mehr die Straßen verstopft.

"Es ist wirklich ein Ruck durch die Stadt gegangen!", sagt Monika Müller. "Die Kinder verabreden sich sogar, um gemeinsam zur Schule zu gehen."

Die Polizei unterstützt das Projekt, das diese Woche zunächst an den sechs Grundschulen Astrid Lindgren, Hermann-Gmeiner, Heyden, Hardt, Vitusschule und Nordstraße getestet worden ist. Achim Hendrix, als Leiter Verkehrsinspektion unter anderem für die Verkehrssicherheitsarbeit an Schulen zuständig, sagt ganz klar: "Die Kinder müssen die Verkehrsregeln nicht nur im Unterricht lernen, sondern auch anwenden können."

Sich im Verkehr richtig verhalten, Gefahrensituationen einschätzen – das zu lernen ist nur eins der Ziele. Bewegung ist ein anderes. "Die Kinder kommen auch viel entspannter in der Schule an, wenn sie sich vorher bewegen", weiß Hendrix. Kein Wunder, denn die beiden derzeit durchgeführten "Walking-Bus"-Routen sind jeweils gut und gern ein bis eineinhalb Kilometer lang, schätzt Polizei-Kollegin Britta Dückers und freut sich. "Jedes Jahr stoßen neue Kinder dazu."
Das gute Gefühl nach Abschluss der Goldi-go-Projektwoche ist jedenfalls da. Jetzt geht's an die Auswertung – und nächstes Jahr dann an alle Gladbacher Grundschulen.
Und wie halten es Gladbacher Eltern in der Zwischenzeit? Eine Leserumfrage bei Facebook zeigt, wie sehr die Meinungen auseinandergehen. "Meine Zwillis fahren mit dem Roller", schreibt Jennifer Reinisch. "Das erste Jahr hab ich sie gebracht und abgeholt, aber ab der zweiten Klasse nicht mehr. Klappt alles prima." Oliver Bmg Twist sieht das anders: "Wir bringen unsere Kinder zur Schule, auch bis vor die Tür. Bei dem Volk, das sich hier herumtreibt, ist das besser so."
Die Diskussion geht weiter. Fest steht: Die Kinder sollen sicher zur Schule kommen. Aber sie sollen ja nicht nur groß, sondern auch selbstständig werden – und dazu gehört nun einmal die Teilnahme am Straßenverkehr. Leser Thomas Kloeters hat noch eine Anregung für die Polizei. Er schlägt einen I-Dötzchen-Marathon zum Schulanfang vor, bei dem Verkehrsteilnehmer zur Rücksicht gegenüber Kindern angehalten werden. Sicher einen Versuch wert.

(Report Anzeigenblatt)