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Kostenlos und anonym

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In der kommenden Woche hat die AIDS-Beratung erweiterte Öffnungszeiten. Foto: Fotolia
Mönchengladbach. Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Und schon kommende Woche wird europaweit zu einer HIV-Test-Woche aufgerufen. Das Mönchengladbacher Gesundheitsamt beteiligt sich zusammen mit den Ämtern in Viersen und Krefeld. Von Ulrike Mooz

Die Therapie von AIDS hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. In den westlichen Ländern kann man inzwischen mit AIDS leben. Die Diagnose ist kein automatisches Todesurteil mehr, die Therapie hat deutlich geringere Nebenwirkungen und AIDS-Kranke können sogar gesunde Kinder zur Welt bringen. „Unterschätzen sollte man die Krankheit aber nicht“, sagt Stadtärztin Ursula Backes, im Gesundheitsamt Fachkraft für AIDS. Denn die positiven Prognosen gälten nur für die, die sich - möglichst früh - in Behandlung begäben. Erst vor rund zehn bis 15 Jahren seien die Zahlen drastisch angestiegen. Damals dachten viele, die Gefahr sei gebannt und schützten sich nicht mehr. „Das ist so besonders dramatisch, weil der Schutz so einfach ist“, sagt Sozialdezernentin Dörte Schall.

Für viele sei der Gang zum Arzt aber mit großen Hemmschwellen verbunden. Infizierte hätten nicht selten die Befürchtung, diskriminiert zu werden - leider oft zurecht. Und nicht nur das - manch einem wäre es auch peinlich, mit seinem Arzt über das Thema zu sprechen.

In der kommenden Woche soll es Menschen, die die Befürchtung haben, mit dem HIV-Virus infiziert zu sein, besonders leicht gemacht werden, einen Test zu machen. Die Ärzte der Gesundheitsämter in Mönchengladbach, Krefeld und Viersen haben von Montag bis Freitag erweiterte AIDS-Sprechstunden, in denen der Antikörper-Test ohne Voranmeldung anonym und kostenlos gemacht werden kann.

Das Tückische bei der HIV-Infektion sei, dass die Betroffenen je nachdem, wie gesund sie sonst seien und wie gut es um ihre Abwehrkräfte bestellt sei, oft jahrelang nichts von der Infektion bemerkten, so Backes. Der Körper bilde Antikörper, die zyklisch das HIV-Virus bekämpfen würden. Erst wenn die „ermüdet“ seien, würde die Krankheit AIDS ausbrechen.

In Deutschland waren Ende 2015 geschätzte 84 700 Menschen mit HIV infiziert, jährlich kommen ungefähr 3 200 Neuinfizierungen dazu. Historisch bedingt sind bei uns zahlenmäßig vor allem Männer betroffen, die Sex mit Männern haben. Die Infektion mit HIV/AIDS geht oft mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten einher, zum Beispiel Syphilis. Auch das kann man nächste Woche gleichzeitig testen lassen.

HIV wird ausschließlich durch Blut, Sperma oder Vaginalsekret übertragen.

(Report Anzeigenblatt)