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Marschieren, was die Füße hergeben!

Marschieren, was die Füße hergeben!
Nach Abschluss des Marsches noch ein Foto: Norbert Dubroca, Hugues Payen, Laurent Karar und Extra-Tipp-Redakteur und Reservist Kellys Grammatikou (von links). FOTO: Reservistenverband
Mönchengladbach. Internationaler Militärwettkampf, Nato-Wettkampf oder Nato-Olympiade – der IMM, also der Internationale Mönchengladbacher Militärwettkampf – fand in diesem Jahr zum 32. Mal statt – und ich war dabei! Von Kellys Grammatikou

"Der Weg nach Haus' ist schwer... für einen Legionär..." – so sang es einst Freddy Quinn. Vielleicht waren es meine französischen Kameraden von der "Ansoraa Aquila", vielleicht auch die Bundeswehrstiefel, die mir wie Kilo-Gewichte an den Füßen vorkamen, vielleicht waren es aber auch die schier endlos langen Kilometer, weshalb mir diese Liedzeilen immer wieder durch den Kopf gingen. Genug Zeit zum Nachdenken hätte ich eigentlich gehabt – ganze 22 Kilometer – doch der Nato-Wettkampf, an dem ich teilgenommen habe, forderte meinen ganzen Einsatz.

Bereits zum 32. Mal wurde der Nato-Wettkampf, der vom Landeskommando Nordrhein-Westfalen und dem Reservistenverband der Bundeswehr ausgerichtet wird, in Mönchengladbach veranstaltet. In diesem Jahr nahmen neun Nationen teil – Briten, Franzosen, eine Einheit der USA, sogar aus der Mongolei waren Soldaten angereist, um am IMM teilzunehmen. Der mongolische Militärattaché Dulamjav Erdenbileg von der mongolischen Botschaft in Berlin sowie Brigadegeneral Peter Gorgels überzeugten sich von den Leistungen der Soldaten und Soldatinnen – denn auch viele Frauen waren diesmal mit dabei!

Im Vorfeld schon hatte mich Oberleutnant d. R. Stefan Thies gefragt, ob er mich nicht als sogenannten Springer für den Wettkampf einsetzen könne. Springer – das bedeutet, ich würde ein Team auffüllen müssen, da jedes teilnehmende Team aus mindestens vier Soldaten/Reservisten bestehen muss, um am Nato-Wettkampf teilzunehmen. Und so waren Laurent Karar, Norbert Dubroca und Hugues Payen von der französischen Armee, der "Ansoraa Aquila" meine Kameraden für die nächsten sechs Stunden. Der Marsch sollte uns von Mönchengladbach Heiligenpesch circa 20 Kilometer rund um Mönchengladbach führen. 15 Stationen galt es dabei zu durchlaufen und möglichst viele Punkte zu holen.

Die ersten Stationen waren auch schnell erreicht. Handgranaten zielgenau werfen oder Schießen mit Pistole und Gewehr waren nicht schwer und machten vor allem auch Spaß. Anstrengend war vor allem das Marschieren, das eine Mischung aus schnellem Gehen und Laufen war, da wir in einer guten Gesamtzeit den Wettkampf abschließen wollten.

Da ich meine Stiefel auch noch nicht wirklich eingelaufen hatte, merkte ich schnell, dass meine Füße diesen Tag nicht ohne zahlreiche Blasen überstehen würden.

Zwischen den einzelnen Stationen lagen oft einige Kilometer Wegstrecke, die über Felder, über Bahnschienen, über Straßen und durch Ortschaften führten. "Der Weg nach Haus ist schwer..." – stimmt Freddy, kam es mir da wieder durch den Kopf.

Verwundert schauten auch viele Menschen, die wir unterwegs trafen. Verständlich, denn wann sieht man hier schon mal mongolische Soldaten, Amerikaner, Italiener, Briten oder Franzosen in Fleck-Tarn und mit Rucksack so geballt durch die Straßen ziehen?

Spaß hatten besonders die drei Kameraden aus Paris, die sich die Umgebung genau anschauten und mir auch viele Fragen stellten – so beispielsweise zum neuen Borussia-Stadion, das wir oft in Sichtweite hatten. Borussia Mönchengladbach – auch bei den Parisern eben ein bekanntes Team.

Die Station "Checkpoint" war besonders interessant, da hier schon fast realistisch ein Fahrzeug angehalten, die aufbrausenden Insassen in sichere Verwahrung gebracht und das Fahrzeug auf Waffen durchsucht werden musste. Und obwohl wir vier sprachliche Barrieren hatten, konnten wir diese – wie auch die vielen anderen Stationen – erfolgreich absolvieren.

Einen verletzten Kameraden aus einem Panzerfahrzeug retten, Erste-Hilfe leisten, Entfernungen schätzen, Schlauchboot-Rennen oder Hindernisbahn – an Vielfalt und Ideen rund um den Wettkampf fehlte es nicht.

Das letzte Stück unseres Marsches führte unmittelbar am Borussia-Stadion vorbei und Norbert und Hugues ließen es sich nicht nehmen, vor dem Stadion noch ein Foto zu machen. Über die Felder erreichten wir, sichtlich erschöpft, nach sechs Stunden und knapp 22 Kilometern Marsch das Ziel. Unsere Rucksäcke abgelegt luden mich meine drei französischen Kameraden auf einen köstlichen französischen Wein, auf ein Baguette und leckeren Käse aus der Provence ein – französische Lebensart eben, die geht auch in Uniform.

Und dann gab's noch eine Überraschung bei der Abschlusszeremonie: ein Team der hessischen Polizei gewann den begehrten Ehrenteller von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Platz zwei ging an die Reservisten aus Marbach und die Aktiven der amerikanischen Streitkräfte kamen in der Gesamtwertung auf Platz drei, konnten aber die meisten Pokale mitnehmen.

Die Kameraden aus der Mongolei schafften es immerhin auf Platz zehn. Teilgenommen hatten insgesamt 29 Teams mit 160 Wettkämpfern.

Die IMM 2016 - ich freu' mich drauf. "Der Weg nach Haus ist schwer..." – ja, ja, ich weiß Freddy!

(Report Anzeigenblatt)