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Mein Freund, der Listenhund

Mein Freund, der Listenhund
Bodo Venten mit seinen Hunden Jackson, Stella und Etienne.
Mönchengladbach. "Listies", so nennt Bodo Venten liebevoll Hunde, die auf der Liste der "gefährlichen Hunde" stehen. Mit der Initiative "Hund ist Hund" möchte er den Leuten zeigen, dass diese keineswegs bösartig sind und dieselben Rechte wie andere Hunde verdienen. Von Gina Dollen

Wenn man bei Bodo Venten klingelt, hört man schon von draußen das freudige Bellen seiner drei Hunde. Eine französische Bulldogge, ein Rottweiler und ein Staffordshire Bullterrier begrüßen einen schwanzwedelnd und freuen sich über den Besuch. Leider freut sich nicht jeder Mensch genauso über die drei Hunde, die bei vielen immer noch als "böse, beißende Listenhunde" im Kopf verankert sind.

Rückblick: 2011 kommt ein junges Paar in das Tierheim Lürrip und sucht sich einen Staffordshire Terrier aus. Bodo Venten und viele heutige Mitglieder von "Hund ist Hund" kennen Tyson, einen liebenswürdigen, verschmusten Hund, vom Gassi gehen für das Tierheim. Einige Zeit später feiert Tysons neue Besitzerin ihren Geburtstag. Gegen Ende der Party kommt es zu einem handgreiflichen Streit zwischen dem Gastgeber Pärchen, was Tyson letztlich in den falschen Hals bekommt und sein Frauchen beschützen möchte. Er fängt an zu beißen, jemand ruft die Polizei, diese kommt und erschießt den Hund. Eine gefährliche Situation, aber muss man einen Hund sofort erschießen? "Die Tötung eines Hundes müsse in Kauf genommen werden, wenn es gelte, Gefahren abzuwehren", begründet seinerzeit die Polizei ihr Verhalten. "Das war ganz einfach Rassendiskriminierung, da muss was getan werden", beschwert sich Bodo Venten.

Diese Geschichte war der Auslöser für "Hund ist Hund". Der Verein ist der Überzeugung, dass jeder Hund dieselben Rechte verdient und ein Pitbull nicht bösartiger ist als ein Golden Retriever. "Das Problem liegt meistens am anderen Ende der Leine", sagt Venten.

Viele Leute schaffen sich einen "Listie" an, ohne sich ausreichend zu informieren. Neben einem polizeilichen Führungszeugnis muss man den großen Hundeführerschein machen, sich genauestens über die Rasse informieren, einen Wesenstest machen und eventuelle Voraussetzungen, wie beispielsweise eine hohe Garteneinzäunung, einhalten. Bei richtiger Haltung sind "Listies" liebevolle Familienhunde, die für ihre Besitzer durchs Feuer gehen würden.


Mit Demonstrationen und Ständen auf Messen möchte "HundistHund" auf das Problem Listenhund aufmerksam machen und erreichen, dass es keine Rassenliste mehr gibt. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist das zum Beispiel schon geschehen. Auch beim Gassi gehen mit seinen Hunden versucht Venten den Leuten, die nicht die Straßenseite wechseln, zu erklären, warum das Bild dieser Hunde von Vorurteilen belastet ist. Nicht selten hört er dann Sätze wie "Oh das hätte ich nicht gedacht, der ist ja total lieb".
Genau diesen Satz und das Wissen, dass Pitbull, Rottweiler und Co. normale, brave Hunde wie andere auch sind, möchte "HundistHund" bei mehr Menschen hören und damit auch die Politik überzeugen.

(Report Anzeigenblatt)
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