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Menschlichkeit im Zentrum

Menschlichkeit im Zentrum
Die Secondhand-Kleider werden sortiert und auf Bügel gehängt. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Hausrat zu Preisen, die auch Menschen mit wenig Geld irgendwie aufbringen können: Morgen eröffnet die Nummer 17 der Sozialkaufhäuser unter dem Dach des Vereins Help 2007 in Rheydt. Wer hier rein kommt, darf nicht nur auf Schnäppchenpreise, sondern auch auf ein offenes Ohr hoffen. Von Ulrike Mooz

"Es läuft schon": Wenn Frank Schneider über die Hauptstraße geht, dann wird er schon überall gegrüßt, obwohl sein neues Sozialkaufhaus erst morgen eröffnet. Seit drei Wochen räumt er mit Helfern in das dreistöckige Ladenlokal der Hausnummer 55 Gebrauchtmöbel, Secondhand-Kleidung, Haushaltsgeräte und Geschirr aus Spenden und Haushaltsauflösungen. Und immer mal wieder schaut jemand auf ein Pläuschchen rein. "So soll es sein. Wir wollen nicht nur Kaufhaus, sondern auch Begegnungsstätte sein", sagt Wilhelm Töller, Vorstand und Gründer des Vereins Help 2007 mit Sitz in Magdeburg, unter dessen Dach das Sozialkaufhaus entsteht. Er glaubt, dass Phänomene, wie Altersarmut nicht nur aus Geldmangel, sondern auch aus Mangel an Kommunikation entstehen.

Das Besondere der Help 2007-Idee: Der Verein lehnt Fördergelder, mit denen Firmenwagen und stattliche Geschäftsführer-Gehälter mitfinanziert werden, ab. Und in den Filialen arbeiten weder Ein-Euro-Jobber noch Ehrenamtler, sondern Langzeitarbeitslose, die hier die Chance haben, im Arbeitsleben wieder Fuß zu fassen und sozialversicherungspflichtig eigenes Geld zu verdienen. "Reich werden kann man hier nicht", sagt Wilhelm Töller, der sich selbst als Vorstand mit 1 360 Euro brutto begnügt, aber man habe wieder eine Aufgabe und sei frei von Jobcenter-Zwängen. Wer hier arbeitet, hat alle Hände voll zu tun und es darf ihm nichts Menschliches fremd sein.

Help 2007 arbeitet mit Franchise-Konzept und Frank Schneider ist Franchisenehmer für die Rheydter Filiale. Die 30 000 Euro Startkapital, die für Miete, Kaution und Transportfahrzeuge nötig waren, hat zum größten Teil der Verein vorgestreckt. "Ich bin sicher, dass Frank Schneider der richtige Mann ist und dann ist alles andere nicht so wichtig", findet Wilhelm Töller.

In bislang 16 Filialen von Bochum bis Stendal können Menschen seit zehn Jahren für kleines Geld im Sozialkaufhaus einkaufen gehen - auch mit Hartz IV-tauglichen zinslosen Miniraten. "Es kann nicht sein, dass mitten in Deutschland Menschen vom Fußboden essen müssen, weil sie sich keinen Tisch leisten können", sagt Töller. Nicht selten sind unter den Kunden Frauen aus Frauenhäusern, die mit nichts von zu Hause geflüchtet sind.

Dass unter den Käufern auch Menschen mit großen Problemen sind, daran hat sich Wilhelm Töller gewöhnt. Einige davon sind langjährige treue Mitarbeiter geworden. Und nicht jeder war von Anfang an in der Lage, direkt mit einem Acht-Stunden-Tag wieder einzusteigen. Für all' das werden flexible Lösungen gefunden.

Help holt Möbelspenden kostenlos ab. "Der eine hat was zuviel, der andere zuwenig", sagt Töller und sieht sich selbst als Schnittstelle dazwischen.

Alle Filialen bieten auch für Haushalte mit wenig Geld gegen kleines Geld Umzugs- und Renovierungsdienste an.

(Report Anzeigenblatt)