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Mit Körper und Geist umgehen

Mit Körper und Geist umgehen
Extra-Tipp Mitarbeiterin Simone Krakau im Selbsttest bei Sifu Herbert Corsten, Gründer der Wushu Akademie in Wegberg.
Wegberg. In der Wushu Akademie in Wegberg können unterschiedliche Kampfkunst-Stilrichtungen erlernt werden. Von Shaolin-Kung-Fu über die meditative Bewegungslehre Tai-Chi bis hin zur effektiven Selbstverteidigung Wing Chun, bieten sich hier viele Möglichkeiten. Mitarbeiterin Simone Krakau hat Letztere einmal für uns ausprobiert. Von Simone Krakau

Leider kommt es immer wieder vor, dass Frauen und auch Männer Erfahrungen mit körperlichen Übergriffen machen müssen. Zu wissen, wie man sich im Ernstfall gezielt und effektiv wehren könnte, kann für ein sicheres und starkes Gefühl sorgen. Die etwa 300 Jahre alte Kampfkunst soll dazu beitragen, ein neues Körperverständnis und Selbstbewusstsein zu entwickeln. „Wing Chun gibt einem auf Dauer eine Selbstsicherheit, die nach Innen geht“, so Sifu Herbert Corsten, Gründer der Wushu Akademie. „Man fühlt sich einfach anders und das strahlt man auch aus.“

Zunächst einmal begrüßen wir uns – die rechte Hand zur Faust geballt, berührt dabei die Handinnenfläche der linken Hand, dann verbeugen wir uns. Zum Aufwärmen machen wir den Vorwärtsschritt in Verbindung mit dem Fauststoß. Das rechte Bein ist dabei vorne, das Gewicht wird auf das linke Bein verlagert. Im ersten Moment hört sich das leichter an, als es dann wirklich ist. Denn das Erlernen der Kampftechniken im Wing Chun ist anspruchsvoll. „Hier ist viel Motorik und Koordination gefragt“, so Corsten, der im Taiji bereits deutsche Meistertitel sowie einen Europacupsieg holen konnte. Die Techniken sind schnell, fließend und in ständiger Bewegung. Besonders wichtig sei, die Techniken so zu verstehen, dass man sie in einer Gefahrensituation auch richtig einsetzen könne.

Weiter geht es für uns Schüler mit einer Partnerübung. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen um mich herum sind dabei schon sehr geübt. Die Übung sieht bei allen fließend und vor allem gekonnt aus. Für mich heißt es nun: Konzentration. Ganz wichtig ist erst einmal der Stand. Meine Füße soll ich ein wenig nach Innen winkeln. Mit meiner rechten Faust hole ich zum Schlag aus, werde von Corsten aufgehalten, mit der linken Hand halte ich im fließenden Verlauf seinen Schlag auf. „Bei dieser Übung müssen beide Gehirnhälften miteinander verbunden werden“, so der Kampfkunstmeister. Zunächst einmal gar nicht so leicht, denn Angriffs- und Abwehrübungen finden hier gleichzeitig statt. Die schnelle Reaktionszeit sei bei der Selbstverteidigung sowieso das A und O. Gerade die weiblichen Teilnehmer agieren aufgrund von Feingefühl mit einer entsprechenden Schnelligkeit, die den Angreifer oder Gegner schon mal schnell aus der Bahn werfen könne – da muss ich wohl noch etwas üben.

Anders als bei Kampfsportarten wie beispielsweise Taekwondo, spielt sich beim Wing Chun alles im Nah- und nicht im Distanzkampf ab. Auch sei wichtig, dass man im Falle eines Angriffs nicht die Opferhaltung einnehme. „Wir Menschen sind von Natur aus Fluchttiere“, erklärt Corsten. „Kommen wir in eine brenzlige Situation, wollen wir erst einmal fliehen.“ Das wisse auch der Angreifer. Dann das Gegenteil zu tun, von dem, was der Angreifer erwarte, sei der richtige und effektive Weg.

Über weitere interessierte Teilnehmer würde sich der Meister sehr freuen. „Wing Chun ist etwas für Körper und Seele. Gerne würde ich diese Kampfkunst noch an viele Menschen weitergeben.“ Wer gerne mal in die Kunst des Wing Chuns reinschnuppern möchte, ist bei einem Probetraining willkommen.

(Report Anzeigenblatt)