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Mit miesem Trick Seniorin beklaut

Mit miesem Trick Seniorin beklaut
Erst einen Tag später stellt Lieselotte Blumenfeld* fest, dass ihre Schmuckschatullen leer sind. FOTO: Andreas Baum
Rheydt. Von anderen ergaunern, was die durch harte Arbeit verdient haben, geht gar nicht. Aber wenn Trickdiebe sich auch noch zu zweit an eine alleinstehende Seniorin heran machen, ist das an Feigheit nicht mehr zu überbieten. Lieselotte Blumenfeld hatte zwielichtigen „Besuch“. Von Ulrike Mooz

Lieselotte Blumenfeld, 87, ist so leicht nicht zu erschüttern, doch das ist ein Schreck: Ihre goldene, Uhr, das goldene Armband und der wertvolle Perlring sind gestohlen. Als sie am 15. September den Schmuck vermisst, glaubt sie zunächst an einen Irrtum, sogar, dass sie selbst in ihrer mustergültig ordentlichen Wohnung die Sachen verlegt haben könnte, kommt ihr in den Sinn. Doch dann trifft sie die Erkenntnis wie ein Schock: Die zwei freundlichen Herren, die sich kurz vorher als „Antennenprüfer“ ihres Hausvermieters LEG ausgegeben hatten, waren in Wahrheit Trickdiebe und haben sie ausgeraubt – ohne dass sie zunächst etwas davon bemerkt hat.

Die zwei Diebe hatten sich auch noch ein paar Tage vorher „angemeldet“. Mit einem offiziell aussehenden Klemmbrett unter dem Arm standen sie vor der Wohnungstür und kündigten ihren Besuch für vier Tage später an. So dreist, dass Lieselotte Blumenfeld gar nicht auf den Gedanken kam, ihre Echtheit zu prüfen. „Ich hätte sie nach einem Ausweis fragen sollen“, sagt sie, aber ob der echt gewesen wäre...

In der Wohnung weist der eine der Trickdiebe die Seniorin an, über den Suchlauf im Fernsehen immer neue unbekannte Sender zu finden und fummelte derweil wichtig in der Zimmerecke herum, wo der Antennenstecker ist. Der „Kollege“ sucht in der Zeit den hinteren Bereich der Wohnung nach wertvollen Gegenständen ab - und wird in der Schlafzimmerkommode fündig.

„Ich hatte schon ein ungutes Gefühl“, sagt Lieselotte Blumenfeld, vor allem, weil der zweite Mann sich im hinteren Teil der Wohnung zu schaffen machte, obwohl dort kein Fernsehanschluss ist. Aber als die beiden Diebe weg sind, kann sie zunächst nichts Ungewöhnliches entdecken.

Dass der Raub so schnell ans Licht kommt, ist ein Zufall. Für eine anstehende Familienfeier will Lieselotte Blumenfeld ihren Schmuck raussuchen und findet ihn nicht. Erst da kommt die Beraubte auf die Idee, bei der LEG nachzufragen, ob die vermeintlichen Mitarbeiter echt sind.

Seit 40 Jahren wohnt die Rentnerin in der Wohnung in Rheydt, und dieser Raub ist schon ihr zweiter. Vor 13 Jahren hatten Einbrecher bereits ihre gesamte Wohnung verwüstet, 2 000 Euro und den geerbten Schmuck gestohlen - ausgerechnet als ihr verstorbener Mann im Krankenhaus liegt. Das goldene Armband hat sich Lieselotte Blumenfeld von der damaligen Zahlung der Hausratsversicherung gekauft, Ring und Uhr sind Geschenke von der Schwester, weil sie ja nach dem Raub nichts mehr hat.

„Dieses Mal bekomme ich von der Versicherung nichts“, sagt die Rentnerin, weil sie die beiden Trickdiebe selber rein gelassen hat...

In der ersten Woche ist Lieselotte Blumenfeld so aufgeregt, dass sie zum Einschlafen ein Beruhigungsmittel einnehmen muss. Inzwischen geht es ihr besser. Auf spannende Fernsehkrimis verzichtet sie aber auch jetzt lieber noch.

Name von der Redaktion geändert

(StadtSpiegel)