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Mit Polizeibegleitung: Jeder kann mitfahren

Mit Polizeibegleitung: Jeder kann mitfahren
„Wir denken für die anderen mit“: Die christlichen Motorradfahrer haben mit „Kavalierstarts“ an der Ampel nichts am Hut. FOTO: Iris Kisters
Odenkirchen (ik). Seit 1990 gibt es die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Motorradfahrer und -fahrerinnen MG, kurz ACM. Sie treffen sich jeden ersten Montag im Monat um 20 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus auf der Pastorsgasse. Von Iris Kisters

Anfang Juni saßen 319 Jahre Fahrerfahrung beisammen: Hotte mit 55 Jahren, Theo mit 49 Jahren, Bernhard mit 40 Jahren, Jochen mit 38 Jahren, Peter mit 41 Jahren, Josef mit 35 Jahren, Michael mit 36 Jahren und Rainer mit 25 Jahren. Carmen, mit einer Menge Erfahrung als Beifahrerin, sie begleitet Hotte, wenn er auf Touren ist. Knapp die Hälfte der ACM fehlte an diesem Abend, einige seien auf einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela, wie Bernhard mit Fernweh im Blick einige Male erwähnt.

Alle haben eines gemeinsam, sie lieben das Motorradfahren. Ihre Zweiräder sind von ganz individuellem Charme. Wie zum Beispiel das mit Kuscheldecke auf der Sitzfläche, damit der Popo von Peter es gut hat. Und Theo zum Beispiel kommt der derzeitige Regensommer so gar nicht entgegen. „Ich mag nicht, wenn mein Motorrad nass wird. Wenn meine Frau Regen abbekommt ist es nicht so schlimm, aber mein Motorrad....“ Aber er gibt zu, dass es daran liegen mag, dass es gerade neu ist und er es ungern immer wieder blank wienert.

Und Jochen sagt: „Was ich einmal hab, geb’ ich so schnell nicht wieder ab.“ Seine Enduro von Yamaha, Baujahr 1980, man glaubt es kaum, blinkt wie am ersten Tag und man erkennt es auf den ersten Blick: Die zwei sind ein Team.

Aber was macht einen christlichen Motorradfahrer aus? Auf diese Frage kommen zögernd Antworten und Theo nimmt sie mit Humor: „Wir beten beim Fahren: Lieber Gott steh mir bei und lasse mich nicht schneller fahren, als mein Schutzengel fliegen kann.“ „Wir denken für die anderen mit,“ sagt Jochen. „Wir haben andere Ziele“, sagt Bernhard. Eines steht fest, gegenseitige Rücksichtnahme steht an erster Stelle und Sicherheit wird in dieser Runde groß geschrieben. „An der Ampel den Gashahn permanent aufdrehen und dann aufheulend losrasen ohne Rücksicht, das muss nicht sein“, räumt Bernhard ein. Hotte erinnert sich: „Ich war mal in jungen Jahren auf Mallorca. Wir bekamen nicht so leicht ein Übernachtungszimmer. Als ein Wirt sah, dass wir mit dem Motorrad da waren, hat er uns gleich wieder hinausbefördert, so schlecht war der Ruf der Fahrer damals.“

Jochen der Endurofahrer hat im Laufe der Jahre die Beobachtung gemacht: „Wenn etwas neu ist, passiert oft was.“ Gestürzt sind fast alle Anwesenden schon mal, aber alle sind glimpflich davon gekommen, nur die Erinnerung daran ist noch jedem einzelnen Fahrer präsent.

Bis zum 11. September sind es zwar noch vier Wochen, aber die Pilgerfahrt rund um Mönchengladbach herum zur Münsterkirche steht felsenfest und ist seit zwanzig Jahren Tradition. Bei der angemeldeten Wallfahrt gehört die Polizeibegleitung dazu. Das besondere daran: „Jeder kann mitfahren“, so Gemeindereferent Bernhard Krinke-Heidenfels und Kontaktmann der ACM. Start wird um 14.30 Uhr nach einem halbstündigen Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Odenkirchen sein. Der Abschluss der Pilgerfahrt ist gegen 16.30 Uhr in der Krypta der Münsterkirche geplant.

(StadtSpiegel)