| 12.22 Uhr

Mzungu in Sansibar

M’gladbach/ Chukwani. Palmen, Traumstrände, Luxushotels – das ist es, was Urlauber mit der Insel Sansibar verbinden. Die Mönchengladbacherin Myriam Schmalfuß hat das echte Sansibar kennen gelernt, das arme, aber auch gastfreundliche. Von Ulrike Mooz

Spielen ohne Spielzeug, karge Mahlzeiten, vier Kinder, die sich ein Bett teilen, ein Operationssaal, in dem die Fliegen und Mücken kreisen – die tansanische Insel Sansibar ist für die meisten Menschen, die hier leben, alles andere als ein Paradies. Und statt von Traumstränden träumen die meisten hier eher von einem besseren Leben. Myriam Schmalfuß hat es trotzdem genau dort hin gezogen, wo die Luxushotels nicht sind. Dafür hat die Fotografin ihren Job gekündigt und ihr Erspartes zusammen gekratzt. „Ich wollte schon immer nach Afrika und irgendwo mal mit anpacken“, sagt sie. „Jetzt oder nie“, hat die Mönchengladbacherin im April 2015 beschlossen, schließlich sei sie mit 30 jetzt auch nicht mehr so richtig jung.

Mzungu, fremdartig, haben die Einheimischen die kleine weiße Frau mit den langen Haaren genannt und mit den Fingern ihre helle Haut berührt. Sie hat ehrenamtlich in einem Waisenhaus gearbeitet und sich mit Helfern aus anderen Ländern im Haus einer Hilfsorganisation in Chukwani ein Zimmer geteilt.

Zwei Monate lang hat sie die Kleinsten der 69 Kinder des Waisenhauses, die null- bis zweijährigen, betreut. Gespielt, gesungen, Windeln gewechselt hat sie. „Das war eine tolle Arbeit, die mir ganz viel gegeben hat“, sagt Myriam Schmalfuß. Vor allem die Fröhlichkeit und das ansteckende Lachen der Waisenkinder hat die Mönchengladbacherin fasziniert. Die Kinder hätten dort nichts außer sehr alten Puppen und kaputten Kuscheltieren aus lange zurück liegenden Hilfslieferungen. Die kleinen Geschenke, wie Stifte, Papier und Seifenblasen hätten sie schier überwältigt.

„Viel bewirkt man ja nicht, aber ich wollte schon immer mal etwas tun, wo ich helfe“, sagt sie. Berührungsängste dürfe man nicht haben mit den Kindern, die zu einem großen Teil HIV infiziert seien, sagt die junge Frau, und es sei auch wichtig, dass man sich selbst treu bleibe und nicht zu sehr ins Grübeln gerate. „Der Alltag dort ist mühsam“, sagt sie, das Klima sei schwer erträglich, von einem Ort zum anderen zu kommen, langwierig. Es fehle nicht nur am Materiellen und an Hygiene, sondern vor allem auch an Bildung. Über die Hälfte der Menschen lebten unter der Armutsgrenze, Kinder seien noch immer vom Hungertod bedroht.

Und obwohl die Reise nicht einfach war, will Myriam Schmalfuß anderen Mut machen, es auch einmal zu versuchen. „Die Eindrücke kann mir niemand mehr nehmen“, schwärmt sie. Mit der Leiterin des Waisenhauses, Happyness Johnson, verbindet die Gladbacherin inzwischen eine enge Freundschaft. Und ganz sicher möchte sie noch einmal in „ihr“ Waisenhaus. Mit einer Hilfsorganisation würde sie allerdings nicht mehr kooperieren, sagt Myriam Schmalfuß. Die hätten gerne Geld genommen, aber von der versprochenen Unterstützung für das Waisenhaus habe niemand etwas gesehen. „Geldmacherei“, ärgert sie sich.

(Report Anzeigenblatt)