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Neues Konzept, altes Problem

Neues Konzept, altes Problem
Konzept vorgelegt – „und wo bleiben wir?“, fragt sich der Vorstand des Arbeitslosenzentrums MG: Karl Boland, Herbert Baumann, Winfried Schulz und Franjo Schiller (v. l.). FOTO: Petra Käding
Mönchengladbach. Dem Arbeitslosenzentrum bleibt auch nichts erspart. 20 000 Euro, ein Jahr Arbeit und viel Gehirnschmalz hat es jetzt in ein quartierorientiertes Konzept gesteckt, das möglicherweise nie umgesetzt wird, weil immer noch nicht feststeht, ob es überhaupt da bleiben darf, wo es ist. „Was ist das denn?“, fragt man sich. Politik! Von Petra Käding

Absurd, aber wahr: Seit Ende 2014 bangt der Vereinsvorstand des Arbeitslosenzentrums MG um seinen Standort. Das Arbeitslosenzentrum könne hier nicht bleiben, drüben die schicken Roermonder Höfe und dann hier – also nein! Dann aber, Ende 2016, bekommt der Vorstand von der GroKo den Auftrag, ein Konzept zur „Öffnung ins Quartier“ zu erstellen. Man solle sich doch mal Gedanken machen, was man über die Arbeitslosenangebote hinaus für das Quartier bieten könne. „Welches Quartier?“, ist da die berechtigte Frage, wenn das Arbeitslosenzentrum doch sowieso weg soll, raus aus dem Quartier 104.

Was also tun? Schnell ist klar: Ein allgemeingültiges, auf andere Quartiere übertragbares Konzept geht schon rein methodisch nicht. Wenn man im Quartier 104 mit seiner Sozialstruktur – viele Arbeitslose, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund – Menschen über die Kunden hinaus erreichen wolle, geschehe das vor allem durch Angebote, die nicht viel kosten. In anderen Quartieren sehe das wieder ganz anders aus. Darüber sind sich Karl Sasserath, Leiter des Arbeitslosenzentrums, und die Herren vom Vorstand sofort einig. Deshalb bekennen sie Farbe und richten ihr Konzept nach „ihrem Quartier“ aus – ganz nach dem Motto: „konzeptionieren, um zu bleiben“. Mit Hilfe zweier Honorarkräfte, Claudia Lamsfuß und Monika Hintsches, werden das Quartier analysiert, Kontakte mobilisiert und ein Konzept erstellt. Darin: viele gute Ideen – vom offenen Begegnungsbereich über die Nutzung des Mittagstischs durch die Huma-Schüler und die Öffnung des Gartens für die Anwohner der Roermonder Höfe, bis hin zu Aktionen wie der bereits im Mai erprobten Beteiligung an der Gladbacher Kulturnacht Nachtaktiv. „Wir haben an Kunden die Teilnahmebändchen verschenkt, so dass sie auch ohne die acht Euro zu zahlen dabei sein konnten“, berichtet Sasserath. „Und wir hatten eine Ausstellung – 500 Leute waren hier, die sonst nie ins Arbeitslosenzentrum kommen.“

Das Arbeitslosenzentrum ist bereit. Das Konzept liegt seit zwei Wochen bei der Stadt. Auf dem Stapel „Zur Kenntnisnahme“. Was der Sozialausschuss daraus macht und ob das Arbeitslosenzentrum nun endlich mal erfährt, ob es am Standort bleiben darf oder wohin die Reise geht – das steht auf einem anderen Blatt.

(Report Anzeigenblatt)