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Nicht schocken, aber wachrütteln

Nicht schocken, aber wachrütteln
Kopfsache: Harald Weuthen, Fachbereich Schule, OB Hans Wilhelm Reiners, Schulamtsdirektor Claus Friedhoff, Polizeipräsident Mathis Wiesselmann und Kriminalrat Detlev Boßbach (v.l.). Foto. Isabella Raupold
Mönchengladbach. Wenn Hassprediger mit simplen Heilsversprechungen kommen, dann sind vor allem Jugendliche in unsicheren Zeiten gefährdet, sich von markigen Sätzen einlullen zu lassen. Polizei und Stadt haben jetzt mit „Kopfsache“ ein Pilotprojekt gestartet, mit dem Jugendliche gegen solche Anfechtungen aus der extremistisch salafistischen Szene stark gemacht werden sollen. Von Ulrike Mooz

Hassprediger Sven Lau ist ein gebürtiger Mönchengladbacher, es gibt Aussteiger in Mönchengladbach, Rückkehrer aus Kriegsgebieten und zwei junge Frauen, die sich dem gewaltbereiten Salafismus angeschlossen haben. Und auch die Bemühungen des Vereins „Einladung zum Paradies“, der vor nicht allzu langer Zeit hier eine Schule eröffnen wollte, sind noch allen in Erinnerung. Trotzdem ist Mönchengladbach kein Szene-Hot-Spot. „Hier ist nicht mehr als in anderen Städten“, sagt Polizeipräsident Mathis Wiesselmann. Eins ist aber anders: Mönchengladbach will seine Schülerinnen und Schüler schon im Vorhinein so stark machen, dass sie die Heilsversprechungen der salafistischen Szene einzuordnen lernen. Dafür unterzeichneten Polizei und Stadt jetzt eine Kooperationsvereinbarung, wie sie bislang einmalig sein dürfte.

Mit dem Präventionskonzept „Kopfsache“ sollen Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren zunächst an vier ausgewählten Schulen lernen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Kern des Projektes ist eine etwa zweistündige Veranstaltung, in der jeweils 150 Jugendliche in sachlich-informativen, aber auch emotionalen Elementen lernen, was der extremistische Salafismus will und auch, was er anrichtet. Eingespielte Video- und Musikbeiträge und Vortragselemente wechseln sich ab. Es kommen eine betroffene Mutter zu Wort, ein Aussteiger aus der Szene und ein Lehrer für islamischen Religionsunterricht. Moderiert wird die Veranstaltung von der Polizei. Unter anderem soll auch Ton-Aufnahmen von einem Terrorakt zu hören sein. „Wir wollen nicht schocken, aber wach rütteln“, sagt Detlev Boßbach, Leiter Kriminalinspektion Staatsschutz.

Vor- und Nachbereitung soll es jeweils im Unterricht geben. Wenn alles läuft, wie gewünscht, stößt das Projekt bei den Jugendlichen rege Diskussionen an. „Der Erfolg ist schwer messbar“, sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners, aber wenn nur einer abgehalten werde, in die salafistische Szene abzurutschen, habe sich die Sache bereits gelohnt.

(Report Anzeigenblatt)