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Ohne Läden ist Waldhausen tot

Ohne Läden ist Waldhausen tot
Sie finden, dass die Interessen der Geschäftsleute nicht genug berücksichtigt werden: Ulrich Deußen vom Sanitätshaus Gerads, Andrea Prochaska von der Sonnenapotheke, Sonja Waaga von der Fleischerei Casteel, Margarethe Dopiralla von der Lotto/Toto-Annahmestelle, Ärztin Christine Jochmann, Tierärztin Dr. Susanne Piliar und Bernd Sobick von der Firma BS Netzwerksysteme (v.l.). FOTO: Isabella Raupold
Waldhausen. Seit Oktober 2014 kämpfen die Geschäftsleute mit Einbußen durch die Dauerbaustelle an der Roermonder Straße. In den Sommerferien soll sich die Lage für einige nochmal verschlimmern. Zwar verhielten sich NEW und Stadt inzwischen vorschriftsmäßig, aber die Interessen der Geschäftsleute habe man trotzdem nicht im Blick, ist Kritik hörbar. Von Ulrike Mooz

Andrea Prochaska, Inhaberin der Sonnenapotheke, ist inzwischen sowas, wie eine Baustellenexpertin. Seit Oktober letzten Jahres gehört sie zu den Betroffenen der Kanal-Baustelle an der Roermonder Straße, die sich noch bis Ende 2016 ziehen soll (Extra-Tipp berichtete). Bei Waldhausener Gesprächen und Ordnungsamt ist sie zum Dauergast geworden im Kampf für korrekte Beschilderung, dem Versuch, ein Sammeltaxi für alte Menschen einzurichten, und mit der Kritik an mangelhaftem Baustellenmanagement. Sie findet, dass manches unnötig und schlecht durchdacht war: zum Beispiel die verschobene Fußgängerampel, durch die die Linksabbiegerspur auf der Nicodemstraße gesperrt ist, nur damit die Fußgänger ein paar Sekunden schneller auf der anderen Seiten seien, und dass man die Busvorrangschaltung an der Ampel Nicodem-/ Waldnieler Straße nicht mal vorübergehend hätte aussetzen können, damit sich der Verkehr nicht so staut.

In den Sommerferien nun wird ihre Apotheke sechs Wochen lang ganz vom motorisierten Verkehr abgeschnitten sein. Bunte Kreidekreise auf der Fahrbahn lassen schon jetzt ahnen, wie groß das Loch sein wird, dass die NEW dann direkt vor ihrer Tür buddelt. Viele Tausend Euro hat Prochaska im letzten halben Jahr in Werbung gesteckt, um die Kunden trotz der Unannehmlichkeiten zu halten. „Hätte man mich damals rechtzeitig informiert, hätte ich eine sehr kostenintensive Investition in meinem Geschäft um einige Jahre verschoben,“ sagt sie. So kam aber alles auf einmal. Manche schlaflose Nacht hat die Apothekerin darüber verbracht

Mit ihrem reichen Erfahrungsschatz ist sie inzwischen zur Beraterin für diejenigen geworden, die ab Mitte nächsten Jahres auch mit einer Vollsperrung für zwei Jahre „dran“ sind: die Geschäftsleute an der unteren Roermonder Straße. Hausärztin und Psychotherapeutin Christine Jochmann macht sich jetzt schon Sorgen. Sie kann sich große Werbeausgaben nicht leisten und nicht wenige ihrer Patienten können nicht mal eben ein paar Hundert Meter laufen, wenn man vor der Praxis nicht mehr halten kann. „Vielleicht kann die Stadt ja für uns Stellplätze auf dem Parkplatz Ecke Untere Straße/Schleswiger Straße anmieten“, hofft die Ärztin. Ulrich Deußen, Inhaber des Sanitätshauses Gerads, hat sogar schon überlegt, ob er für die Zeit einen Bürocontainer an der Schleswiger Straße aufstellen soll. Dass man ihm bei der NEW gesagt hat, er solle sich nicht aufregen, das sei ja noch lang hin, kann Ulrich Deußen nicht verstehen. „Ich muss doch planen und Hinweisschilder drucken lassen“, sagt er. „Die muss man auch vorher noch beantragen, einfach aufhängen geht nicht“, weiß Andrea Prochaska aus Erfahrung, und mehr als DIN A 2 habe man ihr nicht erlaubt.

Die Leute an der unteren Roermonder Straße wissen offiziell noch nichts von ihrem „Glück“. Das ärgert Andrea Prochaska besonders: „Die hätten doch mal aus der Baustelle bei uns oben lernen können“, findet sie. Ohne die Läden sei Waldhausen tot. „Und das, wo sich das Stadtviertel gerade wieder ein wenig erholt“, sagt Christine Jochmann.

(Report Anzeigenblatt)
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