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Queer in Gladbach – wie ist das?

Queer in Gladbach – wie ist das?
Zusammen stark – auch für Transgender-Menschen, die ihre Angleichung noch vor sich haben: Kimberly und Rebecca. FOTO: Petra Käding
Mönchengladbach. Nicht quer, nein, queer, was so viel heißt wie „abweichend von der Norm“, sind sie. Transgender, noch so ein Ausdruck, der viele verunsichert. Leicht ist es nicht, in Mönchengladbach „anders“ zu sein. Kimberly und Rebecca erleben das jeden Tag. Im Extra-Tipp erzählen die beiden von ihren Erfahrungen. Von Petra Käding

Auf der Straße, beim Bäcker, auf dem Amt – es wird geguckt, getuschelt und manchmal auch gemobbt, wenn Kimberly und Rebecca auftauchen. Das liegt nicht daran, dass die beiden jungen Frauen sich auffällig benehmen, übertrieben geschminkt oder für eine Stadt wie Mönchengladbach „overdressed“ sind. Sind sie nicht. Und sie wollen auch gar keine Aufmerksamkeit erregen. Sie wollen einfach nur als Frauen leben, auch wenn die Natur vor 37 Jahren einen anderen Weg für sie vorgesehen hat. Kimberly und Rebecca sind mit einem männlichen Körper auf die Welt gekommen und haben in diesem auch viele Jahre ihres Lebens verbracht. Gut angefühlt hat es sich nie. „Ich habe das schon mit sechs Jahren gemerkt“, erzählt Rebecca. „Aber ich musste mich ja damit abfinden. Mit wem hätte ich auch darüber sprechen sollen?“

Die von den meisten Trans-Gender-Menschen angestrebte Transition (körperliche Angleichung), entwickelt sich für Rebecca und Kimberly zur großen Belastung, nicht nur durch die Hormonbehandlung, die Selbstzweifel und Ängste. Dazu kommen die Diskriminierung und die Anfeindungen. Das geht mit Mobbing im Alltag los und setzt sich fort bis in die Behandlung durch Behörden. Eine Personenstandsänderung vornehmen zu lassen, wird zum Spießrutenlauf. Und auf der Straße – immer wieder Unverständnis und Beleidigungen. Wenn Kimberly als „Transsexuelle“ bezeichnet wird, geht sie auf Abwehr. „Nicht Transsexuelle! Trans-ident! Denn Transident-Menschen empfinden sich als falsch wahrgenommen“, erklärt sie. „Sie fühlen sich im falschen Körper. Mit Sex hat das nichts zu tun!“

Ihren Schritt bereuen Kimberly und Rebecca keine Minute. Doch auch, wenn sie inzwischen in Mönchengladbach angekommen und glücklich miteinander verheiratet sind – es bleibt schwierig. Denn Transidentität ist vielen Menschen, auch Ärzten, Beamten usw. in Mönchengladbach immer noch fremd. „Obwohl es hier einige Transmenschen gibt, steht nur ein niedergelassener Arzt zur Verfügung“, sagt Rebecca. „Und obwohl eigentlich jeder Endokrinologe Hormone verschreiben könnte, traut sich keiner – bzw. erst, wenn man juristisch anerkannt Frau ist.“

Großes Glück hat Rebecca mit ihrem Arbeitgeber. Der ist tolerant, und das ist durchaus nicht selbstverständlich. Auch Daria, die die Gladbacher Selbsthilfegruppe Akzep-trans 2014 unter dem Dach der Aidshilfe MG gegründet hat, kämpft seit ihrem Coming-Out mit Problemen im Job.

Und Social Life für Transgender? Nicht einfach in einer Stadt wie Mönchengladbach, wo schnell geguckt und geredet wird. Und wo man auch in bedrohliche Situationen kommen kann. Das geht nicht nur Transmenschen so, sondern auch Homosexuellen. Bei Dunkelheit in Bahnhofsnähe unterwegs sein? Lieber nicht. Alexander Marschner von der Aidshilfe Mönchengladbach, der auch die Erstberatung von Transgender-Gladbachern macht, spricht da aus Erfahrung. Selbst schwul, fühlt er sich da am wohlsten, wo es einen „Schutzraum“ gibt, „wo man keine Angst vor Diskriminierung haben muss.“ Uwes Bierbar ist zurzeit der einzige Treffpunkt für „queere“ Menschen in Mönchengladbach. Intolerante Menschen müssen hier draußen bleiben. Es sollte mehr davon geben.

Hoffnung schließlich macht die Tatsache, dass die nachwachsende Generation offener mit „queer“ umgeht. Im Jugendtreff Step sind bestimmt so etwa 15 Transjugendliche“, weiß Rebecca. „Einige von denen sind schon begleitend in Therapie, manche nehmen schon mit 16 Hormone. Das ist gut, denn wenn man sich sicher fühlt, sollte man möglichst früh beginnen, dann bleibt einem viel erspart.“ Wer Rat und Hilfe sucht – die gibt’s bei der aidshilfe, Info über 0 21 61/17 60 23. Die Selbsthilfegruppe Akzep-trans, die sich aktuell einmal im Monat trifft, läuft gut, zwischen zehn und 20 Personen nehmen teil.

Namen sind der Redaktion bekannt

(Report Anzeigenblatt)