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Ausstellung des Projektes „WIR-ein Gruppenfoto“ von Konzeptkünstler Norbert Krause
Raus aus der Anonymität!?

Ausstellung des Projektes „WIR-ein Gruppenfoto“ von Konzeptkünstler Norbert Krause: Raus aus der Anonymität!?
Konzeptkünstler Norbert Krause, Sigrun Hövelmann, GWSG und Dr. Thomas Hoeps, Leiter des Kulturbüros stellten die Ausstellung „WIR-ein Gruppenfoto“ vor. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (cc). Der Mönchengladbacher Konzeptkünstler Norbert Krause hat zum zweiten Mal ein städteübergreifendes Projekt am Niederrhein realisiert. Nach der 12-Städte-Fahrt „Nächste Ausfahrt: para_dies“ besuchte Krause nun vier Hochhäuser unter dem Thema „WIR - Ein Gruppenfoto“. Die Ergebnisse gibt es jetzt in einer Ausstellung zu sehen. Von Christina Reineke

Gerade hat man die Einkäufe in die Schränke verstaut, die Küche soweit vorbereitet und will mit dem Kochen loslegen, als man feststellt, man hat das Salz beim Einkaufen vergessen. Was macht man also? Man klingelt beim Nachbarn und bittet um Hilfe. Was ist aber, wenn man seinen Nachbarn gar nicht kennt? Eine Situation, die auf viele Menschen in der Stadt zutrifft. Kennt man in einem kleinen Dorf meist Jeden, so besticht die Stadt durch Anonymität. Diesem Zustand ist der Mönchengladbacher Konzeptkünstler Norbert Krause mit seinem Projekt „WIR-ein Gruppenfoto“ nachgegangen. Gefördert von der Regionalen Kulturpolitik des Landes NRW sowie den beteiligten Kommunen machte er sich auf den Weg nach Moers, Viersen, Neuss und Mönchengladbach, um dort vier Hochhäuser und deren Bewohner zu besuchen. Ausgestattet mit Campingmöbeln verbrachte er einen Tag vor jedem Hochhaus und kam so mit den dort wohnenden Menschen ins Gespräch. Vorgewarnt wurden diese von den jeweiligen Städtebaulichen Wohnungsgesellschaften, im Mönchengladbacher Fall von der GWSG. Nach ersten zwanglosen Gesprächen und einem Fußballspiel mit den Kindern des Viersener Hochhauses machte Krause sein Anliegen durch aushängende Klebezettel publik: gemeinsam mit dem Fotografen Stefan Völker würde er an einem bestimmten Tag noch einmal wiederkommen, um ein Gruppenfoto von allen Hausbewohnern zu machen - zumindest von denen, die sich auf sein Projekt einlassen wollten. So entstanden je vier Fotos der Hochhäuser als Außenaufnahmen und vier Fotos von den Bewohnern vor dem entsprechenden Hochhaus. In Mönchengladbach war die Resonanz groß - etwa 30 Prozent der Menschen aus dem Hochhaus auf der Kärntner Straße ließen sich gemeinsam ablichten - in Neuss waren es gerade mal sieben Prozent. Alle Beteiligten erhielten einen Abzug des Fotos vor Ort - das Warten auf die Fotos wurde mit Tee und Gesprächen überbrückt. „Ziel war es eine Momentaufnahme zu schaffen, in der sich die Leute treffen und aus ihrer Anonymität heraustreten. Durch das Warten kamen sie zusätzlich ins Gespräch miteinander“, so Krause.

Im Anschluss an das Gruppenfoto fotografierte Krause jede einzelne Wohnungstür in den Häusern mit einem Fischauge-Objektiv. Dies ist vergleichbar mit dem Durchgucken eines Spions. Daraus erstellte er ein Plakat, das in den Eingangsbereich jedes Hochhauses gehangen wurde. „Die Türfotos zeigen ganz unterschiedliche Arten zu leben. Die Wohnungstür ist ja die Trennung zwischen dem öffentlichen und dem privaten Raum. So entscheidet man sich, was man der Öffentlichkeit von sich preisgibt, indem man die Tür behängt, Schuhe draußen stehen lässt oder eben nicht“, erklärt Krause die Intention dieser Fotos. Alle Fotos der künstlerischen Auseinandersetzung Krauses mit der am Niederrhein fast exotischen Wohnform Hochhaus sind ab Samstag, 10. Januar, 19 Uhr bis Sonntag, 25. Januar in einer Ausstellung im Projektraum EA 71, Eickener Straße 71 zu sehen. Die Ausstellung ist in diesem Zeitraum samstags und sonntags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. „Die Ausstellung regt dazu an, sich selbst Gedanken über die eigene Wohnsituation zu machen und schafft dadurch vielleicht Barrieren abzubauen und auf andere zuzugehen, um gemeinsam zu leben, anstatt aneinander vorbei“, sagt Krause.

Neben den Fotos gibt es auch noch einen Text von Bernhard Jansen über die Geschichte der Hochhäuser zu lesen und ein Interview zu hören, das Journalistin Susanne Schnabel mit Norbert Krause geführt hat.

(Report Anzeigenblatt)