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Auf Sri Lanka kommt man mit Bus und Bahn, Tuk Tuk und Lokalkolorit gut von Ort zu Ort
Reisen mit Buddha in Rekordzeit

Auf Sri Lanka kommt man mit Bus und Bahn, Tuk Tuk und Lokalkolorit gut von Ort zu Ort: Reisen mit Buddha in Rekordzeit
Das Tuk Tuk ist kein Touristenspaß, sondern Standardfortbewegungsmittel für alle Gegenden, wo der Bus nicht bis vor die Tür fährt - wenn man es sich leisten kann. Für 100 Rupies (ca. 65 Cent) kommt man schon ziemlich weit. FOTO: Werner Koch
Wer sich den Stress, mit dem Leihwagen im Linksverkehr durch den wuselnden Verkehr zu fahren, nicht antun möchte, der kommt auf Sri Lanka mit Bus und Bahn gut vorwärts - langsam aber stetig und mit viel Lokalkolorit. Von Ulrike Mooz

Negombo/ Sri Lanka.

Kühe, Pferde, Fußgänger, schlafende Hunde, Ochsenkarren, Tuk Tuks, Lkw, Busse, manchmal Elefanten oder Büffel, Fahrräder, Mopeds und Fußgänger teilen sich auf Sri Lanka Straßen, die meistens etwa so breit sind, wie bei uns zweispurig und oft auch keinen Bürgersteig haben. Das Ganze als ehemals britische Kolonie im Linksverkehr. Der Fahrstil wirkt auf regelfreudige Deutsche alles andere als besonnen. Gebremst wird quasi nur, wenn es sich überhaupt nicht mehr vermeiden lässt. Ansonsten wuselt man sich so abstandslos aneinander vorbei, dass Linienbusse sicherheitshalber mit einem Gitter auf halber Fensterhöhe das Herauslehnen oder auch nur den Ellenbogen-raus-halten unmöglich machen, denn Kopf und Arme könnten schnell mal ab sein.

In deutschen Reiseführern wird gerne mal vor sri lankischen Zügen gewarnt, der Standard sei nicht wie bei uns und um einigermaßen angemessen zu reisen, müsste ein Mitteleuropäer schon die erste Klasse wählen. Das ist Quatsch. Die Züge sind zwar oft alt, aber im Gegensatz zu unseren pünktlich und es gibt niemanden, der seine schmutzigen Füße auf die Bank gegenüber legt, die Wände vollschmiert oder seinen Abfall einfach fallen lässt. Was den Standard angeht, könnten sich die Deutsche Bahn und ihre Passagiere also eher so manche Scheibe abschneiden. Außerdem gibt es sogar in der zweiten Klasse über jedem Sitz einen Ventilator - der funktioniert - meistens. Schnell dagegen ist hier nichts. Gemächlich zockelt der Zug durch Dörfer, Urwald, Vororte großer Städte, manchmal mit Blick auf Slums, manchmal mit Aussicht auf Traumstrände. Eine besondere Attraktion sind die Panoramaabteile der Züge mit breiter Heckscheibe am Ende des Zuges, Samtsitzen und Teebringservice. Die sind allerdings so beliebt, dass man sie wochenlang vorher von zu hause aus buchen muss.

Die Fahrkarten sind, wie im Deutschland der 60-er Jahre, noch diese kleinen harten Pappkärtchen, die der Schaffner mit einer Lochzange entwertet. Kosten: für unsere Verhältnisse fast nichts. Für eine Bahnreise über rund drei Stunden muss man zumeist nur wenig über zwei Euro bezahlen.

Genauso günstig, aber für die europäische Wahrnehmung wesentlich halsbrecherischer ist die Fahrt mit dem Linienbus. Mit rasantem Fahrstil und entgegen allen deutschen Sicherheitsvorschriften fummeln die Busfahrer - zumeist in Badeschlappen - die Uraltgefährte durch den dichten Verkehr. Die erste Reihe hinter dem Fahrer ist für Mönche besetzt, ansonsten sorgt der Schaffner dafür, dass nicht unnötig Platz verschwendet wird und jeder noch ein Eckchen findet. Die Armaturenbretter sind meistens auf das Wesentliche reduziert, oft mit Klebeband zusammen gehalten und geflickt. Für die nötige Sicherheit und gegen Unglücke sollen spirituelle Bilder und Figuren - je nach Orientierung des Fahrers buddhistisch oder hinduistisch - sorgen, die die Windschutzscheibe oft zusammen mit blinkenden Lichterketten, Girlanden und Plastikblumen schmücken.

Vorfahrt hat in Sri Lanka immer der Stärkere, also meistens der Bus. Protest, Zustimmung, Grüße, Aufmerksamkeit - alles wird durch andauerndes Hupen begleitet. Trotz des rasanten Fahrstils ist schnelles Fortkommen bei den überfüllten Straßen aber relativ. Gäbe es ein Wettrennen, würde wahrscheinlich am Ende die zockelige Bahn siegen. In beiden ist übrigens Verpflegung kein Problem. Regelmäßig tauchen Händler mit scharfen Snacks und Getränken auf, die es für ein paar Cent zu kaufen gibt. Auch Prediger, Sänger oder Vertreter, die Medikamente bewerben, Fleckenmittel vorführen oder anderes anpreisen, unterbrechen die Eintönigkeit.

Wem Bus und Bahn zu eng sind, der hat immer noch die Möglichkeit, zumindest kürzere Strecken mit dem Mopedrikscha, dem allgegenwärtigen Tuk Tuk zu fahren. Zwei Leute mit Gepäck gehen da locker rein und selbst aussichtslos scheinende Steigungen kommen die Fahrer meist mühelos hoch. Das Tuk Tuk ist keine lustige Touristenattraktion, sondern auch bei Einheimischen ein probates Fortbewegungsmittel für Gegenden, wo man sonst nicht hinkommt. Der Preis ist hier Verhandlungssache.

(Report Anzeigenblatt)