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Richter sorgt für leuchtende Kinderaugen

Richter sorgt für leuchtende Kinderaugen
Auch die Weihnachtsgeschichte studiert Peter Richter mit den Kindern ein - natürlich mit passenden Kostümen. FOTO: Andreas Baum
Rheindahlen. In der Vorweihnachtszeit stellen wir Menschen vor, die sich ehrenamtlich für das Wohl anderer einsetzen. „Engel des Alltags“ sind sie für uns. Einer dieser Engel ist auch Peter Richter. In der Flüchtlingsunterkunft an der Hardter Straße in Rheindahlen kümmert er sich zusammen mit anderen Ehrenamtlern um das Wohl der Asylsuchenden. Besonders die Kinder liegen ihm am Herzen. Von David Friederichs

Wenn Peter Richter zu seiner Gitarre greift, dann schauen ihn viele leuchtende Kinderaugen an. In der Flüchtlingsunterkunft an der Hardter Straße in Rheindahlen sitzt Richter zusammen mit Anna Purrio und ihrer Tochter Carolin gemeinsam mit zehn Kindern unterschiedlicher Herkunft und es wird gesungen. „Guten Tag, ich bin der Nikolaus“ stimmt Richter an und die Kinder stimmen mit ein. Die einen singen kräftig mit, andere sind noch etwas zurückhaltend und schauen nur zu. Auf dem Boden liegen drei gemalte Bilder des heiligen Nikolaus. „Am Freitag kommt der Nikolaus hierher und besucht die Kinder“, sagt Richter. Jede Woche besucht Richter zusammen mit anderen Mitstreitern des ökumenischen Arbeitskreises für Asylfragen Rheindahlen die Flüchtlingsunterkunft. Die Kinder sind es, die ihm und den anderen besonders am Herzen liegen. „Wenn man sich anschaut, unter welchen Bedingungen die Familien hier leben müssen, dann ist es schön, den Kindern ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern“, sagt Anna Purrio. Sie ist zusammen mit ihren beiden Töchtern Carolin und Johanna seit Ostern aktiv, Richter aber ist seit seiner Pensionierung vor fünf Jahren ein fester Bestandteil der Flüchtlingshilfe in Rheindahlen. Früher war Richter Pastoralreferent und Seelsorger der Kinder- und Jugendpsychiatrie Viersen, heute sorgt er dafür, dass die kleinen, oft traumatisierten Kinderherzen wieder mit Glück erfüllt werden.

Jetzt, in den kalten und dunklen Wintermonaten, wird gemeinsam gesungen, auch die Weihnachtsgeschichte wird einstudiert. Im Sommer geht es meist raus in die Natur. Ob in den Tierpark Odenkirchen, in den Hardter Wald oder auch mal auf einen Indoorspielplatz - das alles sind Aktivitäten, die die Kinder raus bringen sollen aus den beengten Verhältnissen an der Hardter Straße. Aus Syrien, Mazedonien, dem Kosovo, Nigeria oder Ghana kommen die Flüchtlinge, alle haben sie ihre ganz eigene Geschichte.

Und nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen erfahren regelmäßig Hilfe von Richter und den anderen ehrenamtlichen Helfern. Sei es bei Behördengängen, bei Arztbesuchen oder bei der Suche nach neuer Kleidung – hier wird jedem geholfen. Ein bis zwei mal pro Woche besuchen die Mitglieder des Arbeitskreises, der seit mehr als 23 Jahren existiert, die Flüchtlingsunterkunft. „Manchmal sind auch keine Kinder da, weil sie mit ihren Familien unterwegs sind. Dann ist das aber auch in Ordnung und wir kommen das nächste Mal wieder“, sagt Anna Purrio. Durch den Besuch von umliegenden Schulen lernen die Kinder sehr schnell die deutsche Sprache, was den Umgang und die Kommunikation erheblich erleichtert.

Das merkt man auch beim Singen. Als Richter das zweite Lied anstimmt, wirkt der Chor der kleinen Sängerinnen und Sänger noch etwas lauter als beim ersten Versuch. „In der Weihnachtsbäckerei“ – wenn auch nicht in der Backstube, die Kinder haben Spaß und ihre Augen leuchten wieder.

(Report Anzeigenblatt)