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Rolle rückwärts – wo bleibt die Emanzipation ?

Rolle rückwärts – wo bleibt die Emanzipation ?
Frauen- und Männerrollen scheinen wieder so festgefahren wie früher: Sie räumt die Spülmaschine aus. FOTO: Andreas Baum
M’gladbach. Am heutigen Weltfrauentag, 8. März, müssen wir mal diese Fragen stellen: Wer räumt im Büro immer die Spülmaschine aus? Wer bleibt zu Haus und kümmert sich um die Kinder? Wer staubsaugt? Die Emanzipation scheint dahin – oder was meinen Sie? Von Klaus Schröder

Die Spülmaschine rattert in der Büro-Küche, das Wasser pumpt ab, dann steht sie still – bis sich – mal wieder – frau mit einem Seufzer daran macht, sie auszuräumen. Einzelfall?

Ein Kind ist unterwegs. Die Eheleute verständigen sich, der Vater nimmt die verkürzte Elternzeit von bis zu zwei Monaten ins Visier, aber die Mutter die volle auf zwei Jahre. Ausnahme?

Samstag: Die Küche präsentiert sich vollgekrümelt, wer holt den Staubsauger raus?

War das in den 1980er Jahren nicht schon mal anders? Sorgten damals nicht Hausmänner für Furore? Gibt es eine Rolle rückwärts ins alte Geschlechter-Verständnis, wonach große K’s den Frauen zugedacht waren: Küche und Kinder? Im Berufsleben ist die Emanzipation jedenfalls nicht abgeschlossen. You-Lee Hyun von der IG Metall in Mönchengladbach sagt: „Durch Tarifverträge wurde in den letzten Jahren viel abgesichert und Entgelt-Ungerechtigkeiten so verhindert.“ Aber der Lebenslauf der Frauen unterscheidet sich weiterhin von denen der Männer und daraus entstehen wieder Benachteiligungen. Frauen fehlt berufliche Erfahrung, weil sie die Kinder erziehen und Angehörige pflegen. You-Lee Hyun: „Das wird, glaube ich, unbewusst von den Frauen erwartet, und ist gar nicht immer böse gemeint.“ Sie setzt auf langfristige Erziehungsprozesse.

(StadtSpiegel)