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Schulmüde? Mehr als 100 Stunden gefehlt

Schulmüde? Mehr als 100 Stunden gefehlt
Die neuen Zahlen sind da: In allen Schulformen gab es Schüler, die notorisch schwänzten. Foto: pholidito/Fotolia
Mönchengladbach. Rund 200 Kinder und Jugendliche in Mönchengladbach kamen ihrer Schulpflicht im abgelaufenen Schuljahr 2014/15 über längere Zeit nur sporadisch oder gar nicht nach und fehlten mehr als 100 Stunden. Von der Redaktion

Rund 200 Kinder und Jugendliche in Mönchengladbach kamen ihrer Schulpflicht im abgelaufenen Schuljahr 2014/15 über längere Zeit nur sporadisch oder gar nicht nach und fehlten mehr als 100 Stunden unentschuldigt. Das geht aus einem Bericht des Fachbereichs Kinder; Jugend und Familie hervor, der jetzt im Schul- und Bildungsausschuss vorgestellt wurde.

Schüler, die mehr als 30 Stunden im Halbjahr schwänzen, gibt es an allen Schulformen. Von den Förderschulen wurden 8 Prozent , den Hauptschule 12 Prozent , den Realschulen und Gesamtschulen jeweils 3 Prozent der Gesamtschülerzahl gemeldet. Und auch den Gymnasien gab es im 2. Halbjahr 2014/15 vier Schülerinnen und Schüler, bei denen im 2. Halbjahr 2014/15 mehr als 30 unentschuldigte Fehlstunden im Klassenbuch standen.

Wenn sich Fehlstunden häufen und Schüler ohne ersichtlichen Grund nicht zum Unterricht kommen, informiert die Schule zunächst einmal die Eltern und versucht die Hintergründe und Ursachen in Gesprächen mit den Schülern und den Sorgeberechtigten zu klären. Auch die Präventionsabteilung im Jugendamt, die Erfahrungen und Lösungsansätze zur Klärung familiärer Probleme hat, kann bei Bedarf eingeschaltet werden.

Wenn alle pädagogischen Mittel nicht fruchten, kann die Schule bei Kindern und Jugendlichen, die hartnäckig dem Unterricht fernbleiben, ein Verfahren zur zwangsweisen Schulzuführung androhen. Bei weiterer Verletzung der Schulpflicht erfolgt der Antrag auf Schulzuführung an das Ordnungsamt.

Im Jahr 2014 hat das Ordnungsamt 103 Anträge auf Schulzuführung bearbeitet. Die angemessene Vorgehensweise wird in jedem Einzelfall festgelegt und mit Schul- und Jugendamt abgestimmt. Die sich für die Einsatzkräfte bietenden Situationen sind sehr unterschiedlich. Es gibt Eltern, die eine Schulzuführung unterstützen, selbst aber nicht in der Lage sind, den Schulbesuch sicherzustellen. Andere wirken selbst dann noch uninteressiert, wenn das Ordnungsamt vor der Tür steht, um die Kinder zur Schule zu bringen.

Um Kindern und Jugendlichen, die als „schulmüde“ gelten, eine Chance zum Wiedereinstieg in den Unterricht und einen Schulabschluss zu ermöglichen, wurde in Mönchengladbach im Jahr 2007 das Projekt „Comeback“ gestartet. Zunächst auf Jugendliche im letzten Jahr der Schulpflicht beschränkt, wurde das Projekt vor rund zwei Jahren für die Jahrgangsstufen 7 bis 10 geöffnet. Das Projekt wird vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familie, vom Fachbereich Schule und Sport sowie vom Schulamt für die Stadt Mönchengladbach (Schulaufsicht) unterstützt. Die Jugendlichen sind nach Aufnahme Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftshauptschule Dohr, das Projekt selbst läuft jedoch im ehemaligen Jugendheim an der Brückenstraße.

Drei Lehrkräfte und ein Sozialpädagoge betreuen hier zwei Gruppen mit jeweils maximal 15 Schülerinnen und Schülern: Aufgenommen werden Jugendliche, die aus verschiedensten Gründen den Schulbesuch verweigern. Das Team entscheidet nach einem Vorstellungsgespräch über die Aufnahme, wer sich nicht an die Verhaltensregeln hält, fliegt aus dem Projekt, das für den einzelnen Schüler ein Jahr dauert. Ziel der Maßnahme: Nach 12 Monaten sollen die Jugendlichen wieder so gefestigt sein, dass sie entweder ihre Schullaufbahn in der Regelschule fortsetzen oder eine Berufsausbildung beginnen können.

(Report Anzeigenblatt)