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Sexueller Missbrauch führte zum Tod

Sexueller Missbrauch führte zum Tod
Chefermittler Ingo Thiel stellte sich den Fragen der Presse. FOTO: Heike Ahlen
Wickrath. Seit Dienstagabend sitzt Paul B. (68) in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Mord. Um es genauer auszuführen: Mord und nicht Totschlag, weil die Tat zur Befriedigung des Geschlechtstriebs geschah. Dafür sieht der Paragraf 211 des Strafgesetzbuches lebenslange Haft vor. Die Staatsanwaltschaft macht dem bisher unbescholtenen Mann aus Wickrath für die Tat noch einen zweiten Vorwurf: Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit Todesfolge. Von Heike Ahlen

Und zwar an einem widerstandsunfähigen Opfer. Auch hier ist das Strafmaß lebenslänglich. Nachdem B. anfänglich erklärt hatte, seine Lebensgefährtin am Morgen leblos im Bett gefunden zu haben, gestand er in den Verhören die Tat und schilderte den Beamten den Ablauf detailliert.
Den genauen Hergang der Tat verschweigen die Ermittler, als sie am Mittwochmittag vor die Presse treten – aus Rücksicht auf das Opfer und die Angehörigen. "Gehen Sie davon aus, dass es zu sexuellen Handlungen kam, die das Opfer niemals mitgemacht hätte, wenn es nicht widerstandsunfähig gewesen sei", sagt Chefermittler Ingo Thiel. 
Er zeichnet das nach, was die Ermittler bereits zusammengetragen haben. Demnach waren B. und seine Lebensgefährtin Ingrid P. (55) am Sonntagabend in der Gaststätte "Markt 18" in Wickrath und zwar gemeinsam mit einem ehemaligen Arbeitskollegen des Mannes und einem Verwandten der Frau. Sie verließen die Gaststätte um 21.30 Uhr, um mit einem Taxi nach Hause in die Straße Am Kauert zu fahren. Der Taxifahrer, der das Paar gegen 21.45 Uhr dort absetzte, ist demnach der Letzte, der die Frau außer ihrem Mörder lebend gesehen hat.
Wann genau der Tod eintrat, kann Thiel noch nicht  sagen, die Untersuchungen laufen noch. "Wir gehen im Moment davon aus, dass es gegen Mitternacht war." 
Das Schlafzimmer des Hauses von B., in dem Ingrid P. im August eingezogen war, war blutdurchtränkt. B. säuberte die tote Frau, zog sie an und trug sie ins Gästezimmer, bevor er am Morgen den Rettungsdienst alarmierte. Der Notärztin fiel sofort auf, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handeln konnte. Daraufhin rief sie die Polizei.
Gestorben sei die Frau an massiven inneren Blutungen, so Thiel. Sie sei aufgrund von Alkoholgenuss absolut widerstandsunfähig gewesen. Auch der mutmaßliche Täter habe getrunken gehabt, aber nicht so viel, dass man davon ausgehen müsse, dass er schuldunfähig gewesen sei, dazu habe er die Tat zu genau schildern können, so Thiel. Die Ergebnisse der Blutproben stehen allerdings noch aus. 
Das Paar war sich beim Wickrather Schützenfest im Sommer näher gekommen, beide waren schon lange bei den Schützen aktiv. Die bisherigen Ermittlungen zeigten ein glückliches Paar, das im kommenden Frühjahr sogar heiraten wollte. Nichts habe darauf hingedeutet, dass der Beschuldigte zu einer solchen Tat fähig sein könnte.
Die Mordkommission möchte nun zusätzliches Licht in die Angelegenheit bringen. Deshalb suchen die Ermittler Zeugen, die am Sonntagabend, 6. November, ebenfalls im "Markt 18" gewesen sind und denen vielleicht irgendetwas an der Vierer-Gruppe aus drei Männern und einer Frau aufgefallen ist. Außerdem fragen sich die Beamten, ob die besonderen sexuellen Vorlieben, die der 68-Jährige in dieser Nacht auslebte, vielleicht schon vorher irgendwann einmal zu Tage getreten sind. Daher bitten sie Frauen, die möglicherweise einmal eine Beziehung mit ihm hatten oder gerade keine mit ihm eingehen wollten, sich zu melden. Alle Hinweise werden unter der Telefonnummer 02161/29-0 entgegen genommen.