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So viele Menschen vermittelt, wie noch nie

So viele Menschen vermittelt, wie noch nie
Die Volksverein-Geschäftsführer Wilfried Reiners und Hermann-Josef Kronen und Prokurist Matthias Merbecks (v.l.) – hier im neuen Kleiderladen – präsentierten den aktuellen Geschäftsbericht des Volksvereins. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (ysl). Der Volksverein kann eigentlich recht zufrieden auf das Geschäftsjahr 2014 blicken – er erwirtschaftete ein Plus von 36 216 Euro und erreichte mit über 532 000 Euro eine in dieser Höhe noch nie dagewesene Spendensumme. Von Yvonne Simeonidis

Die so hohe Spendensumme sei vor allem durch die zusätzliche Unterstützung beim Um- und Ausbau der Betriebsstätte an der Geistenbecker Straße 111 zustande gekommen. „Das hat uns viel Zeit und Mühe gekostet“, blickt Geschäftsführer Hermann-Josef Kronen zurück. Die Arbeiten entpuppten sich aufgrund von extremen Baumängeln als wesentlich umfangreicher als ursprünglich geplant: „Letztendlich konnten wir nur noch die Außenmauern nutzen, ansonsten mussten wir ein komplett neues Gebäude errichten“, erklärt Kronen.

Besonders stolz kann der Volksverein auf seine Vermittlungsquote sein, die bei Teilnehmern erreicht wurde, die aus Maßnahmen ausgeschieden sind. 34 Prozent – so viele wie nie zuvor – konnten in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden. Rekord! „Um das noch mal deutlich zu machen: diese Menschen galten als unvermittelbar“, betont Prokurist Matthias Merbecks.

Dem gegenüber steht die Frustration, die die Geschäftsführung des Volksvereins beim Blick auf die lokalen Langzeitarbeitslosenzahlen verspürt. Im Vergleich zum Vorjahr ist deren Zahl in der Gruppe der ALG II-Bezieher um 6,1 Prozent auf 51,1 Prozent gestiegen. „Es ist ein gesellschaftlich-politischer Skandal, dem aber von Seiten der Politik mit Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit begegnet wird“, empört sich Hermann-Josef Kronen, „aus unserer Sicht wird das von der Politik nicht ausreichend behandelt.“ Am erschreckendsten sei, dass inzwischen jedes dritte Kind in einem Hartz IV-Haushalt aufwächst. Insgesamt sind in Mönchengladbach aktuell 13 910 Menschen als arbeitslos gemeldet – in etwa so viele wie 1983 bei der Gründung des Volksvereins.

Da die Gelder aus öffentlicher Förderung in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren worden sind, ist der Volksverein mehr und mehr darauf angewiesen, dass seine unterschiedlichen Bereiche wirtschaftlich arbeiten. Dies ist etwa bei den Secondhand-Kleiderläden und in der Holzwerkstatt gut gelungen. Der Möbelbereich leide darunter, dass günstige Möbel einerseits nicht lange halten und die gut erhaltenen, qualitativ hochwertigen Möbel meist eher unmodern sind.

„Bei unseren vielen Arbeitsbereichen, ist eigentlich für jeden etwas dabei, um seine Talente zu nutzen“, erklärt Geschäftsführer Wilfried Reiners. „Trotzdem mussten wir unseren Malerbereich schweren Herzens schließen. Wir konnten einfach nicht mit den Ansprüchen am Markt mithalten.“

Eine Erfolgsgeschichte ist dagegen der hauswirtschaftliche Bereich. „Der boomt regelrecht“, freut sich Reiners. Die zwei Schulkioske etwa, die der Volksverein am Berufskolleg Rheydt Mülfort betreibt, laufen hervorragend.

„Dort, wie eigentlich in allen Arbeitsbereichen, ist der wertvollste Part, dass sich die Menschen wieder gebraucht fühlen und Anerkennung erfahren“, betont Reiners.

(Report Anzeigenblatt)