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So wird ein Film draus

So wird ein Film draus
Prof. Gerhard Comelli gibt Tipps, wie aus einem Urlaubsvideo ein spannender Film werden kann. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Wir kennen sie alle, die leicht verwackelten Urlaubsvideos mit Inhalt, der einen in der dritten Minute einschlafen lässt. Oder auch die neuere Variante - mit dem Smartphone „gedrehte“ Zufälligkeiten nach dem Motto „immer drauf halten“. Gerhard Comelli, Leiter der zurzeit laufenden Filmschule des Filmklub „Objektiv“, gibt ein paar Tipps, wie man einen guten Urlaubsfilm dreht. Von Ulrike Mooz

Wer kennt sie nicht, die einschläfernden Video-Erinnerungen - immer leicht verwackelt, oft akustisch von lautem Krachen unterbrochen, wenn wieder einer direkt am Mikrofon hantiert hat. Der 70. von Tante Else ist da meistens genauso „spannend“, wie der Urlaub auf Mallorca 1995. Natürlich kann jeder filmen, was er will, aber wenn der Film spannend werden soll, dann kriegt man das nur hin, wenn man ein paar einfache Regeln befolgt. „Man macht die Filme ja meistens doch, um sie Dritten zu zeigen“, sagt Gerhard Comelli, Vorsitzender vom Filmklub Objektiv.

Geschätzte 15 Millionen Videofilmer gibt es in Deutschland. Mit Camcordern, Smartphones oder filmfähigen Fotoapparaten schwärmen sie jetzt aus, um ihre Urlaubserlebnisse im Film festzuhalten. Oft mit eher mäßigem Erfolg.

„Der wichtigste Punkt ist, weg zu kommen vom Tagebuch, wo im Grunde das Reisebüro die Geschichte schreibt“, sagt Gerhard Comelli, denn darum gehe es: Geschichten erzählen. Das chronologische Abfilmen des Urlaubs sehe fast immer gleich aus: Kofferpacken, Anreise, Ankunft am Reiseziel, Hotelvorstellung (inklusive Blick aufs Buffet), tägliches Programm, irgendwann wieder Kofferpacken, Glas Wein zum Schluss, vielleicht noch ein Sonnenuntergang, Start zur Rückreise. Langweilig!

Filmen heißt, mit der Kamera Geschichten erzählen. In einen Urlaubsfilm, der auch nicht-beteiligten Dritten gezeigt werden soll, gehören nur die wirklich besonderen Eindrücke und Erlebnisse. Das Eindrucksvollste, Tollste, Schönste gehört an den Schluss. „Davor sollte sich der Film von Episode zu Episode steigern“, so Comelli. In welcher Reihenfolge die Ereignisse im Urlaub wirklich passiert sind, sei unerheblich.

Und dann hat der Filmer noch ein paar Tipps zur Technik: Wer von einer Szene immer nur ein, zwei „Schüsse“ macht, der fotografiert. Ein Filmer hingegen löst jede Szene immer in mindestens vier, fünf Einstellungen auf. Wackeleien sollten unbedingt vermieden werden, deshalb mit Stativ oder fester Unterlage filmen. Misslungenes hinterher konsequent rausschneiden, ebenso besonders Gelungenes, das einfach thematisch nicht passt. „Das nennt der Filmer „Kill your darlings“, sagt Comelli.

(Report Anzeigenblatt)