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Noch ist gemeinsames Lernen an Grundschulen nicht überall möglich
Sorgenkind Inklusion bleibt

Mönchengladbach . Die Schülerzahlen in der Stadt sind stabil, die Umgestaltung der Schullandschaft mit wenigen Ausnahmen abgeschlossen. Größte Baustelle bleibt die Inklusion. Von Yvonne Simeonidis

Es war ein gemischtes Bild, das Dr. Gert Fischer von der Situation der Mönchengladbacher Schullandschaft zeichnete. Es gab Positives zu vermelden – alle Stellen in der Schulaufsicht sind erstmals seit Jahren besetzt, zwölf neue Direktoren nehmen dieser Tage ihre Arbeit auf.

Weniger schön ist es zu hören, dass sich die Schülerzahlen zwar einpendeln – etwa 2.100 Kinder werden pro Jahr eingeschult, "wir aber im Schrumpfungsprozess angekommen sind", wie Dr. Gert Fischer deutlich macht. Im Laufe der vergangenen Jahre sind bereits diverse Schulen geschlossen oder zusammengelegt worden. Dieser Prozess ist nun fast abgeschlossen. Treffen wird es vermutlich noch die Grundschule in Günhoven.

Dort habe man in diesem Jahr gerade so eine Einzügigkeit erreicht. Um den zentralen Standort in Rheindahlen und die Zweigstelle in Broich zu stärken, will die Schulverwaltung dem Schulausschuss am 16. September vorschlagen, sie auslaufend aufzulösen. "Wir sind uns klar darüber, dass das für die Günhovener mehr als schmerzlich ist", zeigt sich Dr. Gert Fischer verständnisvoll, "erst wird die Kirche geschlossen, jetzt wahrscheinlich die Schule... Das ist hart!" Es ist aber auch leider unvermeidbar. Ohnehin kämen die wenigsten Schüler der katholischen Grundschule Günhoven tatsächlich aus dem Stadtteil.

In Eicken steht noch die Auflösung des Teilstandortes Alsstraße an. Die Kinder, die bis dato dort zur Schule gehen, werden in den Bau an der Regentenstraße umziehen, der aktuell erweitert wird.

Größtes Sorgenkind bleibt aber die Inklusion. "Die Inklusion ist die größte Baustelle, die wir haben", gibt Schuldezernent Dr. Gert Fischer zu, "das Land lässt uns in gewissem Maß alleine." Dies beträfe nicht nur den finanziellen Bereich, sondern auch die den Städten auferlegten Anforderungen.

Aktuell ist in 17 von 37 städtischen Grundschulen gemeinsames Lernen möglich. "Hauptsächlich problematisch sind die Grundschulen, da sich erst mit der Zeit herausstellt, wo die Kinder mit Förderbedarf sind", erklärt Schulamtsdirektorin Ursula Schreurs-Dewies. Beim Übergang in die weiterführende Schule kenne man die Kinder schon.

Bei Bedarf und nach einem intensiven Prüfungsprozess werden dann Sonderpädagogen in die jeweiligen Schulen entsandt. "Inklusion ist ein Prozess", betont Dr. Gert Fischer, "wir arbeiten daran, die Grundschulen sukzessive mit sonderpädagogischer Expertise auszustatten." Der Wunsch vieler Eltern von Kindern mit Förderbedarf, ihren Nachwuchs im allgemeinen Schulsystem unterzubringen, stellt die Verwaltung vor eine weitere Herausforderung. "Ich möchte den Kollegen an den Schulen ein riesen Kompliment aussprechen, die den Prozess mittragen", sagt Ursula Schreurs-Dewies.

Um der neuen Mindestgrößenverordnung des Landes für Förderschulen entgegentreten zu können, schmiedet die Verwaltung schon Pläne. Angedacht sind zwei Förderzentren – jeweils eines im Süden und im Norden der Stadt – unter deren Dächern die einzelnen Förderschulen als Standorte eines größeren gemeinsamen Ganzen weiterbestehen können. "Hiermit schaffen wir uns Planungssicherheit und Flexibilität", betont Fischer. Bis Weihnachten soll das Konzept im Detail ausgearbeitet und beschlussfähig sein.

(Report Anzeigenblatt)