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Seit Pfingsten ist gefühlt ununterbrochen Unwetter/ Extra-Tipp sprach darüber mit Experten
Ständig unter Strom

Seit Pfingsten ist gefühlt ununterbrochen Unwetter/ Extra-Tipp sprach darüber mit Experten: Ständig unter Strom
Am vergangenen Wochenende war auch in Teilen von Mönchengladbach, wie hier auf der Ueddinger Straße in Lürrip, wieder Land unter. FOTO: Theo Titz
Mönchengladbach. Letztes Wochenende hat es in Mönchengladbach wieder so schlimm gewittert, dass in manchen Stadtteilen Land unter war. Extra-Tipp fragte Wetterexperten, warum in diesem Sommer Gewitter und Starkregen gar nicht mehr aufzuhören scheinen. Von Ulrike Mooz

Es blitzt und donnert, Bäume krachen in Zäune und Oberleitungen, Keller und Straßen überfluten, Bäche, die sonst eher Rinnsalen gleichen, werden zu reißenden Flüssen. Erst am vergangenen Wochenende sind in Teilen von Mönchengladbach laut NEW-Wetterstation bis zu 45 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen worden. Seit Pfingsten jagt eine Unwetterwarnung die nächste. Den meisten kommt es so vor, als würde es ständig irgendwo rumsen.

Extra-Tipp sprach mit Dr. Volker Ermert vom Institut für Geophysik und Meteorologie der Uni Köln, Experte für Wetteranalysen und Wettervorhersagen, und fragte nach, ob das Wetter wirklich so schlimm ist, oder ob uns das nur so vor kommt. Der Kölner Wissenschaftler findet an starken Sommergewittern an sich erstmal nichts Besonderes. "Unser Wetter in Mitteleuropa ist sehr variabel", so Ermert, wir befänden uns hier geografisch in einem Gebiet, in dem kältere polare und wärmere subtropisch-feuchte Luftmassen aufeinander stoßen würden. Wenn das passiere, gäbe es eben häufig Gewitter. "In diesem Sommer haben wir besonders viele feuchte Luftmassen hier", so Ermert. Die seien sozusagen "gewitterschwanger". Mehr Gewitter, als 2013 gäbe es in diesem Jahr mit Sicherheit, ob der Sommer aber im statistischen Mittel gesehen ungewöhnlich werde, kann Ermert noch nicht sagen.

Stephan Thern vom Siemens-Blitzinformationsdienst kann zumindest zur Einschlaghäufigkeit von Blitzen schon genaue Angaben machen: 2774 mal hat es zwischen Pfingstsonntag und dem 3. August in Mönchengladbach gescheppert. In der selben Zeit waren es 2013 mit 455 vergleichsweise wenig Blitzeinschläge.

Ermerts Vermutung, dass die statistische Häufigkeit der Gewittertage trotzdem eher unauffällig ist, kann Thern bestätigen: Seit Pfingsten hatten wir in diesem Jahr 15 Gewitter in Mönchengladbach, im vergangenen Jahr waren es nur drei weniger. Insgesamt hat es bis Mittwoch in diesem Jahr 30 Gewitter gegeben - auch das ist im Bereich der Normalität.

"Ballen sich die Gewitterzellen zu Superzellen zusammen, dann wird es besonders heftig", sagt Ermert, so ein Ereignis habe man am Pfingstmontag gehabt.

Generell seien Gewitter räumlich gesehen im Sommer kleiner als im Winter, erklärt Meteorologe Ermert. Etwa zwei bis drei Quadratkilometer dehnten sie sich derzeit durchschnittlich aus. Daher gäbe es auch den Effekt, dass im einen Stadtteil Land unter sei, während im nächsten keiner überhaupt etwas mitbekommen habe.
Was die Wassermassen angeht, mit denen die Menschen auch in Mönchengladbach zu kämpfen haben, da hat Dr. Volker Ermert eher schlechte Nachrichten. Laut dem fünften Sachstandsbericht des zwischenstaatlichen Gremiums zur Untersuchung der klimatischen Veränderungen IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) werde prognostiziert, dass sich die Niederschlagsmenge pro Grad Erderwärmung um etwa fünf bis zehn Prozent erhöhen werde. "Im Jahr 2100, also in 86 Jahren, hätten wir demnach bei einer Erderwärmung von geschätzten vier Grad bis zu 40 Prozent mehr Niederschlag", so Ermert. Keine gute Prognose für diejenigen, die gerade den nassen Keller entrümpelt und neu gestrichen haben...

(Report Anzeigenblatt)