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Gutachten belegt: In Mönchengladbach müssen neue Gewerbeflächen erschlossen werden
Stadt braucht Gewerbeflächen

Gutachten belegt: In Mönchengladbach müssen neue Gewerbeflächen erschlossen werden: Stadt braucht Gewerbeflächen
Sie stellten das Gewerbeflächengutachten vor (v.l.): Dr. Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der WFMG und EWMG, Achim Georg, Inhaber von Georg Consulting Immobilienwirtschaft/Regionalökonomie, und Dr. Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (red/df). Der Wirtschaftsstandort Mönchengladbach ist im Aufwind. Im Schnitt werden neun Hektar neue Gewerbeflächen pro Jahr erschlossen. Um bis 2030 konkurrenzfähig zu bleiben, braucht die Stadt allerdings neue Grundstücke. Das zeigt ein neues Gutachten. Von David Friederichs

„Ein ausreichendes Gewerbeflächenangebot ist wie Schmierstoff für die positive wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt“, sagt Dr. Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Um herauszufinden, wie es um das Gewerbeflächenangebot in Mönchengladbach steht, hatte die IHK gemeinsam mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFMG) und der Entwicklungsgesellschaft (EWMG) das Hamburger Beratungsinstitut „Georg Consulting Immobilienwirtschaft / Regionalökonomie“ beauftragt. „Der Regionalplan für den Regierungsbezirk Düsseldorf wird derzeit überarbeitet“, sagte Dr. Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der WFMG und EWMG. „Daher sollten wir in Düsseldorf erläutern, in welchem Umfang und wo die Stadt zusätzliche Gewerbeflächen benötigt.“ Denn die Bezirksregierung sieht zurzeit nur eine eingeschränkte Notwendigkeit für neue Flächen in Mönchengladbach.

Auf diese Fragen gibt das jetzt vorgestellte Gutachten Antworten. Achim Georg, Inhaber von Georg Consulting, betonte bei der Präsentation der Ergebnisse die überdurchschnittlich positive wirtschaftliche Entwicklung Mönchengladbachs in den vergangenen drei Jahren: „Insbesondere die Zahl der Arbeitsplätze für Hochqualifizierte hat sich seit 2010 erfreulich entwickelt.“ Es sei zwar deutlich zu spüren, dass sich die Stadt noch im Strukturwandel befinde. Aber die große Dynamik bei den Dienstleistungen sowie im Bau- und Logistikgewerbe mache derzeit die Arbeitsplatzverluste in der verarbeitenden Industrie mehr als wett. „Der Trend geht eindeutig nach oben“, sagte Georg.

Um diese Dynamik nicht abzuwürgen, empfahl Georg der Stadt, ein ausreichendes und vielfältiges Flächenangebot für die Wirtschaft vorzuhalten. „Mönchengladbach hat aus unserer Sicht zu wenig Flächenreserven, um auf die Erfordernisse des Marktes reagieren zu können“, so der Experte. So stehen nur noch rund 77 Hektar Reserveflächen zur Verfügung, von denen nur 67 Hektar faktisch genutzt werden können„Bis zum Jahr 2030 benötigt Mönchengladbach allerdings 165 Hektar netto – das entspricht etwa 206 Hektar brutto.“ Die Netto-Flächenangaben beziffern die Anzahl der reinen Gewerbeflächen, Brutto-Flächenangaben beinhalten auch die Flächen zur Erschließung, etwa für Straßen und Wege.

Geeignete Flächen befinden sich aus der Sicht des Gutachters in Hardt, am Nordpark, in Giesenkirchen, Rheindahlen, Güdderath und Sasserath. Auch am REME-Gelände und an der Duvenstraße sieht er noch Potenzial. „Bei den meisten Standorten handelt es sich um die Erweiterung bestehender Gewerbestandorte“, erklärte Georg. Aber auch interkommunale Lösungen, zum Beispiel in Hardt gemeinsam mit der Stadt Viersen oder in Sasserath mit der Gemeinde Jüchen, gewinnen an Bedeutung. Georg: „Eine vorausschauende Gewerbeflächenpolitik hört nicht an der Stadtgrenze auf.“

Gleichzeitig machte der Gutachter deutlich, dass nicht jede Fläche für jedes Gewerbe geeignet ist: „Die Emissionssituation, die Struktur der Umgebung und die verkehrliche Anbindung sind wesentliche Faktoren für die Nutzbarkeit durch unterschiedliche Wirtschaftsbranchen.“ So ist für rund 80 Prozent der zukünftigen Nachfrager die Nähe zur Autobahn äußerst relevant.

Das Fazit von Dr. Ulrich Schückhaus fällt daher eindeutig aus: „Die Ergebnisse zeigen, dass wir unbedingt noch weitere Gewerbeflächen in Mönchengladbach brauchen. Die freien Grundstücke in den bestehenden Gewerbegebieten reichen auf Dauer nicht aus, die Nachfrage zu decken.“ Dr. Dieter Porschen ergänzte: „Es geht nicht darum, sofort alle Flächen zu vermarkten, sondern es geht darum, Flächenreserven für die kommenden 15 Jahre im Regionalplan zu sichern.“ Beide sind überzeugt davon, dass diese Flächenreserven ein wichtiger Baustein sind, um den Strukturwandel in Mönchengladbach auch in den kommenden Jahren erfolgreich zu gestalten. Außerdem wird der Aufbau eines strategischen Flächenmanagements angeregt.

(Report Anzeigenblatt)