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Stirbt die Kneipe ?

Stirbt die Kneipe ?
Im Brauhaus Jöris (links) ist wieder Leben eingekehrt. Der Landgasthof Schumacher-Kläs hat im Gegensatz dazu Anfang Juli seine Pforten geschlossen. Wie die Notiz „Das ist aber schade. Wir sind traurig“ verrät, eine Nachricht, die die Bürger betroffen macht. FOTO: Raupold/Sochart
M’gladbach/Korschenbroich. In unserer Region geben immer mehr Wirte auf; stirbt die Kneipe? Auf der anderen Seite probieren Gastronomen neue Konzepte, mit Erfolg. Von Christoph Sochart

Als Conny Deuss-Michels vom Gasthof Deuss in Pesch vor einigen Wochen mit der Schlagzeile überraschte, dass sie zum Jahresende schließen würde, waren viele Kunden und auch Nicht-Kunden wie vor den Kopf geschlagen: „Das kann doch nicht möglich sein“. Doch, das kann möglich sein.

Und Conny Deuss-Michels scheint keine Ausnahme zu sein. Anfang Juli schloss der Gladbacher Traditions-Landgasthof Schumacher-Kläs in Leppershütte. Zwei weitere Wirte in Korschenbroich (die Namen sind der Redaktion bekannt) haben angekündigt, ihre Pacht spätestens im kommenden Jahr aufzuzugeben. Vor 25 Jahren gab es etwa im Ruhrgebiet an jeder Ecke eine Pinte. Heute haben nur noch die Fankneipen überlebt. Allerdings gibt es dort heute eine neue, ganz andere Kneipenkultur: modern, innovativ und immer wieder neu.

Auch Bolten-Chef Michael Hollmann weiß das: Er hat in Gladbach Traditionskneipen gekauft und wieder auf die Erfolgsspur gebracht. In Liedberg überzeugt Familie Stappen mit einem ganz neuen Restaurant-Konzept. Es gibt also doch eine Zukunft? „Ja“, sagt Gastroforscher David Bosshard: „Das Restaurant der Zukunft verbindet High-Tech mit Bio-Romantik: High-Tech unterstützt im Hintergrund die Bedürfnisse nach Romantik, nach Überblick und Geschichten, nach Transparenz und Nachhaltigkeit. Zukunft ist schnell wie Fast-Food und hochwertig wie Bio.“ Auch die traditionelle Eckkneipe hat noch eine Chance. Ein Kunde der Familie Deuss sagte dem Stadt Spiegel unlängst: „Wir dürfen den demografischen Wandel nicht vergessen. In zehn Jahren sind wir alle älter und wollen kein Halli-Galli mehr. Da bleiben wir gerne im Stadtteil und wollen hier unser Bier trinken.“

Doch zehn Jahre kann niemand warten. Conny Deuss beispielsweise bekam kaum noch Personal: „Wenn die Sonne scheint und der Biergarten voll ist, will niemand arbeiten, sondern lieber mit der Familie radeln oder eine Runde schwimmen.“

(StadtSpiegel)
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