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Ab März können Familienhunde zu „Alltagshelfern“ ausgebildet werden
Türöffner für neues Leben

Rheydt (ysl). Das Adam-Romboy-Seniorenzentrum wird ab März in Kooperation mit der Hundeschule „Vier Pfoten ABC“ Kurse anbieten, in denen Familienhunde zu sogenannten „Alltagshelfern“ ausgebildet werden. Von Yvonne Simeonidis

Die Wäsche aus der Maschine holen, vom Ständer nehmen und in den Wäschekorb legen, das Handy aus dem Nebenzimmer bringen, die heruntergefallene Brille aufheben, das Licht ein und ausschalten, beim Ausziehen der Socken, Mütze, Jacke und Handschuhe helfen: all dies und mehr machen Finn und Achat. Hier ist aber nicht etwa die Rede von einem „Bufdi“, Krankenpfleger oder einem netten Verwandten, der im Alltag hilft, sondern von zwei Hunden.

Der siebenjährige Achat lebt seit Welpentagen bei der behördlich zertifizierten Hundetrainerin Gisela Ruffer-Bungter: „Ich habe ihn entsprechend seinem Alter immer weiter ausgebildet und jetzt auch als Servicehund.“ Bei ihrer Arbeit als Hundetrainerin ist sie immer wieder angesprochen worden, ob denn jeder Hund ein „Alltagshelfer“ werden kann. „Jeder Hund vielleicht nicht. Sie sollten sozialverträglich, also keine Problemhunde, sein. Abgesehen davon sehe ich keinen Hinderungsgrund.“ Den Ausschlag, die Ausbildung von Hunden als Alltagshelfer anzubieten, war ein Junge, der Ruffer-Bungter bei ihrer Arbeit in der Hundeschule beobachtete und sehnsüchtig die Hunde beobachtete. Das Problem: er saß im Rollstuhl. Seine Eltern hatten ihm gesagt, ein Hund käme in seiner Situation nicht in Frage. „Ich habe die Familie dann vom Gegenteil überzeugen können und Jungen und Hund als Team ausgebildet“, erinnert sie sich, „der Junge hat dadurch einen richtigen Wandel vollzogen. Er entwickelte neues Selbstbewusstsein und nahm so auch wieder am Leben teil. Einfach toll!“

Anni Siegers ist das Frauchen des achtjährigen Finn. Die 52-Jährige leidet an Osteoporose. Eine Krankheit, die ihre Mobilität zunehmend einschränkt. Gisela Ruffer-Bungter und sie kannten sich ohnehin aus der Hundeschule und als sich ihr Zustand begann zu verschlechtern, beschloss sie, ihn peu à peu zum Begleithund auszubilden. Ganz speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt lernte Finn, ihr das Handy zu holen, beim Jacke ausziehen zu helfen, aber auch sich beschützend vor sie zu stellen. „Umso unbeweglicher ich wurde, umso mehr musste Finn anderweitig belastet werden“, erklärt Anni Siegers, „wenn er nicht wäre, säße ich schon lange im Rollstuhl.“

„Die Idee für das Projekt stammt von Frau Ruffer-Bungter“, erklärt Heike Burian, Leiterin des Seniorenzentrums, „sie besucht mit ihren Hunden regelmäßig unsere Bewohner und mit der Zeit gab es immer mehr Anfragen von Bewohnern und Angehörigen, ob ihre Hunde nicht auch diese ganzen Tricks erlernen könnten.“

Um auch anderen in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen die Chance zu geben, entweder überhaupt einen Hund anzuschaffen oder den Familienhund zum „Alltagshelfer“ auszubilden, werden im Adam-Romboy-Seniorenzentrum durch Gisela Ruffer-Bungter ab dem Frühjahr zwei Kurse angeboten. Der Basiskurs I wird von März bis Juni laufen und der Basiskurs II von August bis September. Abgeschlossen wird der Kurs mit einer Überprüfung der Tauglichkeit des Hundes zum Alltagshelfer. Für den Basiskurs I sind sechs Termine vorgesehen, an denen, speziell auf die Bedürfnisse der Besitzer ausgerichtet, Übungen drinnen wie draußen durchgeführt werden.

Angesprochen sind aber nicht nur Betroffene oder Familienangehörige, sondern auch Mitarbeiter aus Tierheimen, die so Hunden eine Chance geben können, vermittelt zu werden, die sonst eher übersehen werden. „Wenn ein Hund ein abgerissenes Ohr oder einen Knickschwanz hat, ist er schwerer zu vermitteln“, erklärt Ruffer-Bungter, „wenn er aber als Servicehund ausgebildet ist, hat er gute Chancen ein neues Zuhause zu finden.“

Für den Kurs werden lediglich 30 Euro als Obolus fällig. „Wir möchten so vielen Menschen wie möglich diese Chance bieten“, erklärt Gisela Ruffer-Bungter. Die restlichen Kosten übernehmen die Hundetrainerin und die AWO. „Wir suchen noch Sponsoren. Nicht für große Sachen, nur für Kleinigkeiten wie Geschirre, Klicker oder Leckerli“, fügt sie noch hinzu.

(Report Anzeigenblatt)
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